Ein Bayer in China

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Willkommen am ersten Arbeitstag im chinesischen Werk. Von links: Candy Yao, Tanja Tan (Vertriebsleitung China), Vincent Sun, Mathias Dreher, Chelsea Wang (dessen Vorgängerin) und Linda Lin.

Denklingen/Bernbeuren – Der junge Mann spricht von einer „tollen Chance“, sich persönlich weiterzuentwickeln: Mathias Dreher aus Bernbeuren geht – voraussichtlich für drei Jahre – nach China, wo er im Werk der Firma Hirschvogel in Pinghu bei Shanghai arbeitet. Dort ist er der fünfte Mitarbeiter aus Deutschland, aber der erste, der eine Aufgabe im Vertrieb übernimmt. Der 30-Jährige wird eine Gruppe mit vier Chinesen führen.

„Ich wurde heute in der Firma herzlich begrüßt mitsamt ei-nem großen Blumenstrauß. Die Kollegen sind sehr nett und hilfsbereit, damit ich einen guten Start hier in China habe“, fasst Mathias Dreher seine Eindrücke vom ersten Arbeitstag in Pinghu zusammen. Zugleich grüßt er Familie und Freunde und natürlich die Kollegen aus Deutschland.

„Jetzt kann ich’s machen. Ich bin ungebunden, habe keine Freundin und kein Haus“, sagt der junge Mann aus Bernbeur-en. Gewiss falle es schwer, vom gewohnten Umfeld Abschied zu nehmen. Aber zum einen sei die Aufgabe in China „nicht für ewig“. Und zweitens denkt er sich: „Ich bin ja nicht aus der Welt.“ Das Verständnis in der Familie – bei den Eltern und den drei Schwestern – sei langsam gewachsen. Dazu beigetragen habe auch ein gemeinsames Abendessen, bei dem seine Eltern und der globale Vertriebsleiter von Hirschvogel und die für China zuständige Vertriebsleiterin an einem Tisch saßen.

Im Januar 2015 hatte Mathias Dreher die Entscheidung ge-troffen, ab April 2015 nach China zu gehen. Am Oster-sonntag flog er in den Fernen Osten, am 7. April hat er dort die Arbeit als Gruppenleiter eines Vertriebsteams aufgenommen. Ganz neu ist für ihn das Werk in Pinghu nicht; zweimal war er schon für einige Tage dort.

Seit zweieinhalb Jahren hat Mathias Dreher bei der Firma Hirschvogel in Denklingen in einer der vier Vertriebsgruppen als Key-Account-Manager gearbeitet. Er war Ansprechpartner für Großkunden von Deutschland bis Thailand und in die USA. Ein halbes Jahr vorher war er als Diplomand in das Unternehmen gekommen. In der Diplomarbeit befasste er sich mit dem Thema „Marketingkonzepte für mittelständische Automobilzulieferer“.

Der Gruppenleiter und der Vertriebschef wussten davon, dass es Mathias Dreher reizt, mal ins Ausland zu gehen. So kam es dazu, ihn im Unternehmen an der „Schnittstelle“ zwischen Deutschland und China einzusetzen. Anlass war, dass eine Chinesin, die bisher auf dieser Stelle war, eine andere Funktion im Werk in Pinghu übernommen hat.

Mathias Dreher hatte nach der Realschule eine Ausbildung als Sozialversicherungsangestellter gemacht. Anschließend war er noch eineinhalb in der Kundenbetreuung beschäftigt. 2006 kam er zur Bundeswehr. 20 Monate war der Trompeter beim Luftwaffenmusikkorps München-Neubiberg. „Das war eine tolle Sache“, blickt Dreher zurück, der in der Musikkapelle Bernbeuren ebenso aktiv ist wie beim Kreisblasorchester Ostallgäu, wo er zudem zweiter Vorstand ist. 2007 besuchte Dreher den Wirtschaftszweig an der Be-rufsoberschule in Kaufbeuren und machte das Fachabitur. Zum Studium ging’s an die Fachhochschule in Kempten. Das sechste Semester verbrachte er bei Porsche in den USA – es war für ihn die erste Auslandserfahrung.

Trachtler und Musiker

In Amerika war er inzwischen mehrmals. Bei einem Ausflug mit 50 Trachtlern aus dem Oberen Lechgau und aus Passau konnte er bis hin zum Mitwirken beim Trachtenfest in Cleveland seine organisatorische Begabung zeigen. In welchen Sprachen ist Mathias Dreher fit? „In Englisch, Deutsch und Bayerisch“, ant-wortet er prompt. Mit Englisch kommt er beruflich weit bei seiner Aufgabe bei Hirschvogel Automotive Components in Pinghu. Aber bestimmt wird er sich in den nächsten Monaten einen kleinen chinesischen Wortschatz aneignen. Den kann er dann in der Heimat zum Besten geben, wenn er Mitte September wieder für einige Tage in Bernbeuren weilt.

Neben einer mehrtägigen Fortbildung im Hirschvogel-Stammwerk hat er einen Termin schon dick im Kalender angestrichen: Den Ausflug mit der Musikkapelle an den Bodensee möchte er sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Johannes Jais

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