Ein veritabler Neuner-Block

Barnabas-Premiere im Landsberger Wiesn-Zelt

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Matthias Bartels alias Bruder Barnabas alias Caruso derbleckte die Politiker des Landkreises gekonnt – nur leider spielte die Technik nicht mit: Die Ermahnungen des Klosterbruders waren nur in den vorderen Reihen zu hören.

Landsberg – Nicht nur die Demokratie kommt aus Griechenland. Auch Bruder Barnabas findet seinen Ursprung unterhalb der Akropolis. Denn der erste Salvatorredner, Jakob Geis, Sohn eines Hofoffizianten am griechischen Königshof, wurde 1840 in Athen geboren. Mit sechs kam er nach Deutschland. Und 1891 trat er am Nockherberg vor sein Publikum. Auch in Landsberg gab‘s am Sonntag eine Premiere: Starkbier. Passend trat Matthias Bartels im Festzelt als Bruder Barnabas auf. Und derbleckte die Politiker nach bestem Wissen und Gewissen. Eigentlich ein Genuss. Nur leider spielte die Technik nicht mit.

Saßen zu Beginn noch viele Zuhörer im mittleren Zeltbereich, rückten nach und nach alle nach vorne. Denn rein akustisch war Barnabas-Bartels-Caruso schon in der dritten Reihe nicht mehr zu hören. Was das Verstehen äußerst schwierig machte. Denn um den mit Seitenhieben gespickten Text auch inhaltlich zu verstehen, musste man schon jedes Wort hören.

Zum Beispiel Barnabas‘ Ausführungen über Epple und Apfeldorf – das ja irgendwie Eppledorf sei – und die zwei Bürgermeister-Mitbewerber aus der gleichen Partei. Und das bei der CSU! Wobei in Landsberg der Neuner ja allein kandidiere – obwohl er beim Schafkopfen ja nur zum Abspatzen diene. Auch beim Urbanen Leben am Papierbach bekam Oberbürgermeister Mathias Neuner sein Quentchen Zwicken ab: Als OB mit „epochalem Geschichtsbewusstsein, der Bauhaus in Hausbau umwandelt“ und mit dem ULP seiner Schaffenszeit ein Denkmal setzen wolle. Wobei die ‚baugeschichtliche Erinnerung‘ Schrem-Bau nur ein Jahr gehalten habe. Und aus den bisher vier Stockwerken kurzerhand – nur die Kubatur zählt – neun würden. Eben ein richtiger „Landsberger Neunerblock“.

Nicht zu vergessen das Juze. In den Neunzigern unter größtem Aufwand nach pädagogischsten Maßstäben errichtet, gehöre es nun zu Neuners „Abrisskalender“ – ganz wörtlich zu nehmen. Wobei der Abriss zwar terminiert sei. Wann aufgebaut werde, stehe hingegen noch in den Sternen. Denn, oh weh, das Parkplatzproblem ... Eine Bau-Bilanz, die Barnabas preiswürdig empfand. Und sich für die Verleihung des Franz-Dengler-Preises an Neuner aussprach: für „die Kunst der Bausünde“.

Landrat Thomas Eichinger wolle mit seinem Landratsamt wohl unbedingt auf die oberbayerische Seite. Im Schwäbischen sei die Entfernung zu Söder eben zu groß. Dabei gäbe es doch so viele Möglichkeiten. Zum Beispiel im Klostereck. Wobei er da aufpassen müsse, dass ihn „der Neuner“ nicht nach neun Monaten rausschmeiße, „zum Beispiel wegen Einsturzgefahr“. Aber geeignet sei der Raum, „man muss doch eine Institution nicht größer machen als nötig.“ Am besten, riet Barnabas Eichinger, er lasse sich in der Schlossbergschule nieder. Dann throne er wenigstens räumlich über Neuner.

Weitere Themen waren die verflixte Einkaufssituation in der Altstadt, die ohne Blumenladen auskommen muss, das irische In-Center, der chinesische Hauptplatz. Und die Harmonie im Stadtrat, „die ist ja schon fast nicht mehr zu ertragen“. Weshalb die Fürbitte an den heiligen St. Arnulf auf „spritziges Bier“ lautete, um „den Stadtrat wieder zum Leben zu erwecken“. 

Zum Abschluss würdigte Bruder Barnabas noch das Ruethenfest. Und hakte bei der Tatsache ein, dass der Zug nicht mehr von der berittenen Polizei angeführt werden soll: „Der Tobi verlangt ein Tempolimit für die Staatsgäule!“ Aber Barnabas wusste Rat: Stattdessen könne man ja einfach Stadtpfarrer Zeitler vorneweg laufen lassen: „ein Kreuz im Eingangsbereich.“

Die Wiesn-Bilanz

Die Landsberger Wiesn war trotz des frühen Datums – wegen terminlicher Notwendigkeiten – für Neuner, Veranstalter Edmund Diebold und Festwirt Roland Rachinger eine gute Wiesn. Der OB freute sich über 23 Gruppen mit insgesamt über 600 Teilnehmern beim Trachtenumzug. Rachinger blickte am Sonntagabend zufrieden auf die Wiesn zurück: Man habe wohl die Zahlen vom Vorjahr erreicht, schätzte er. Diebold war erleichtert. Der Termin sei „ein Risiko“ gewesen. Die nächste Wiesn werde sicher wieder auf Mai oder Juni terminiert. Aber die beiden Wochenenden „liefen hervorragend“, nur unter der Woche sei es ein bisschen frisch gewesen. Insgesamt gut – „und dafür kann man ja auch mal Danke sagen.“

Susanne Greiner

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