Das Jahr der Baustellen

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Es bröckelt an einigen Stellen im Kloster St. Ottilien und so wird im neuen Jahr umfangreich saniert – insbesondere die Klosterkirche wird auf Vordermann gebracht.

St. Ottilien – Das Kürzel „OSB“, das jeder Mönch des Klosters St. Ottilien im Namen führt, steht für „Ordo Sancti Benedicti“, die Gemeinschaft des heiligen Benedikt. Scherzhaft hat sich eine weitere Bedeutung für die Abkürzung entwickelt: „Oh, sie bauen!“ 

In diesem Jahr wird das wieder verstärkt der Fall sein. Es stehen eine Reihe größerer Sanierungsmaßnahmen an, die aufwändigste dabei betrifft die Klosterkirche selbst. Ursprünglich sollte nur der Außenbereich an der Westfassade des Gebäudes hergerichtet werden. Am Kirchenportal bröckelt der Putz und das Mauerwerk weist ein paar Risse auf. „Die zu verpressen, ist kein Problem“, sagt Bruder Odilo Rahm, der das Sanierungsprojekt betreut. Dann erwartete die Mönche jedoch ein Schock: Eine baustatische Untersuchung ergab, dass die Stützmauern der Kirche deutliche Schäden aufweisen, die die Standfestigkeit des ganzen Gebäudes gefährden. 

Die Mauern wurden Ende der 1890er Jahre in Schüttbetontechnik errichtet, was damals hochinnovativ war. Doch inzwischen ist das Gestein marode und verwittert, Feuchtigkeit ist eingedrungen, der Frost hat Risse aufplatzen lassen. Betroffen sind auch die Strebepfeiler des Kirchenbaus. „Sie tragen das Gewölbe, das sowohl von oben als auch von der Seite Druck ausübt“, erklärt Bruder Odilo. Die Statiker konnten den Mönchen nur raten, umgehend Maßnahmen zu ergreifen. „Sonst wäre die innere Struktur des Gebäudes gefährdet.“ 

Im Frühjahr soll der gesamte Unterbau der Kirche mit einer drei Zentimeter dicken Schicht aus Spritzbeton stabilisiert werden. Anschließend will man die Risse durch Kanülen mit einer Epoxitharzmasse füllen. „Die Projektierung soll bis Februar stehen“, hofft Bruder Odilo. Einstweilen behält man die an einzelnen Stellen angebrachten Markierun-gen im Auge, an denen sich zeigt, wie schnell die Risse sich vergrößern. 

Eigentlich hätte bis zum nächsten Sommer, wenn St. Ottilien sein 130-jähriges Bestehen feiert, auch der Innenraum der Kirche restauriert werden sollen. Hier sieht man ebenfalls Feuchtigkeitsschäden, betroffen sind alle Seitenkapellen sowie der Bereich unter der westlichen Orgelempore. Diese Maßnahme muss nun vor den aufwändigen Außenarbeiten vorerst zurückstehen.

Lockere Dachziegel 

Und die Kirche ist nicht die einzige Baustelle auf dem Gelände St. Ottiliens, das insgesamt sieben denkmalgeschützte Gebäude beherbergt. Auf dem Klostergebäude selbst muss das Dach teilweise erneuert werden. Viele der Dachziegel sind locker, gelegentlich regnet es hinein, eine Dämmung fehlt völlig. „Das verträgt sich nicht mit unserem Energiekonzept“, sagt Odilo Rahm. „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ 

Das Kloster stellte vor einigen Jahren seine Energieversorgung auf nachwachsende Rohstoffe um, es betreibt eine Hackschnitzelheizung und eine Biogasanlage. Da könne es nicht sein, dass kostbare Wärme durch das über 100 Jahre alte Dach entweicht. „Außerdem“, so Bruder Odilo, „besteht immer die Gefahr, dass das ganze Dach beim nächsten Sturm im Garten liegt.“

Ulrike Osman

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