Mehr als eine Wunderkammer

Einer der Schätze des Museums ist das Tier-Diorama. Die ausgestopften Wildtiere wurden von den benediktinischen Missionaren in Afrika selbst geschossen und präpariert. Foto: Chr. Mitko

Eigentlich gehört das Museum selbst ins Museum. 100 Jahre ist es alt und von Modernisierungen bisher weitgehend verschont geblieben. Von manchen der Vitrinen blättert die Farbe ab, spiegelnde Glasscheiben und unzureichende Beleuchtung lassen die Exponate nicht optimal zur Geltung kommen. Die Beschriftung ist wenig informativ, die Herkunft einzelner Stücke unbekannt, insgesamt wirkt die Ausstellung übervoll und nicht systematisch. Nun hat sich das Missionsmuseum der Erzabtei St. Ottilien eine Generalsanierung verordnet. Zum 125. Jubiläum der benediktinischen Mission im kommenden Jahr soll es in neuem Glanz erstrahlen, ohne dabei seinen eigentümlichen Charme einzubüßen.

Das Museum, das sich in einem hinteren Winkel des Abteigeländes neben der Klosterpforte versteckt, ist seit Jahr und Tag ein Besuchermagnet. Wer einmal hier war, nimmt bleibende Eindrücke mit. Angelika Schuster-Fox aus Grafrath weiß noch genau, wie sie „als Kommunionskind hier durchgeschleust wurde“. Das Tier-Diorama, eines der Herzstücke der Sammlung, war ihr noch bestens im Gedächtnis, als sie vor zwei Jahren ins Museum zurückkehrte – diesmal, um als wissenschaftliche Leiterin die Sanierungsarbeiten zu koordinieren. Das Tier-Diorama fasziniert aus mehreren Gründen. Vor einem halbkreisförmigen Wandgemälde, das eine afrikanische Landschaft darstellt, stehen ausgestopfte Tiere – Löwen, Antilopen, Gazellen, Flusspferde, Affen, ein Elefantenkopf. Sie wur­ den von den Mönchen, die ab 1887 nach Ostafrika kamen, selbst geschossen und präpariert. „Die damaligen Missionare waren Abenteurer und Großwildjäger“, erklärt Schuster- Fox. Viele traten dem Orden vor allem deshalb bei, um in ferne Kontinente geschickt zu werden – lange bevor sich irgendjemand über Artenschutz Gedanken machte. Zu Hause wurden die erlegten Trophäen mit Begeisterung in Empfang genommen – und bei Bedarf der Natur unbekümmert nachgeholfen. Einer Schlange, der der Kopf fehlte, stülpte man kurzerhand einen Hechtkopf, ein ramponierter Pavian wurde mit Teddybär-Augen auf Vordermann gebracht. Gerade weil all das heute undenkbar wäre, sollen die Tierpräparate im Zuge der Sanierung lediglich gereinigt, ansonsten aber nicht angetastet werden. Andere Bereiche des Museums dagegen werden entschlackt. Die ethnologische Sammlung mit rund 6000 Objekten aus Korea, Ost- und Südafrika umfasst Alltagsgegenstände, Holzarbeiten, Modelle von Behausungen, kultische Objekte, Kleidung und Schmuck – ein buntes Sammelsurium, das sortiert, geordnet und besser beschriftet werden soll. In der Korea-Abteilung, die maßgeblich von Erzabt Norbert Weber in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgebaut wurde, stehen touristische Souvenire neben echten Raritäten – darunter Keramikarbeiten, die es heute nirgendwo mehr gibt. Der vielleicht wertvollste Schatz des Museums ist eine große Weltkarte, die 1860 in Korea gedruckt wurde und von der es weltweit nur noch zwei vollständige Exemplare gibt. Sie soll eine eigene Vitrine bekommen und muss im Bestand gesichert werden, „damit sie nicht auseinanderfällt“, so Schuster-Fox. Dass in der Vergangenheit ein wohlmeinender Zeitgenosse einzelne schadhafte Stellen mit Tesafilm repariert hat, gehört zu den kuriosen Entdeckungen, die die Historikerin bei ihrer Arbeit gemacht hat. 750000 Euro Schon seit zwei Jahren ist Schuster-Fox mit einem Stab aus Experten und Beratern mit den Planungen beschäftigt. Nun wird es ernst, denn die Sanierung soll 2012 abgeschlossen sein – auch wenn das Geld knapp ist und die Kosten mit geschätzten 750000 Euro erheblich sind. Neben Klimatisierung, Lüftung und moderner Beleuchtung soll das zweistöckige Museum einen Aufzug erhalten, um barrierefrei zu werden. Die Umbauten sollen während einer Teilschließung im Winter über die Bühne gehen. „Und hinterher“, wünscht sich Schuster-Fox, „soll das Museum mehr sein als die Wunderkammer, die es jetzt ist.“

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