Strategieprojekt „Landsberg 2035“

Landsbergs Unternehmen haben Wünsche an die Stadt

Landsberg – 160 Gewerbetreibende und Freiberufler sind am Donnerstag der Einladung der Stadt ins Historische Rathaus gefolgt, um sich über das Strategieprojekt „Landsberg 2035“ zu informieren. In der zweistündigen Veranstaltung mit Berichten von Haushaltsreferent Christian Hettmer, Projektmanager Ralf Stappen und Oberbürgermeister Mathias Neuner wurde deutlich, dass die meisten Unternehmenschefs Vertrauen in Stadtrat und Verwaltung haben. Wunschlos glücklich sind sie aber nicht.

Viele von ihnen hatten zuvor an der Online-Befragung teilgenommen, in der die Stadt den Zufriedenheitsgrad sowie die Erwartungen der Unternehmen abgefragt hatte. Über 80 Prozent der Befragten bewerteten den Standort Landsberg als gut oder sehr gut, referierte Stadtrat Christian Hettmer (CSU). Besonders gefielen die Wohn- und Lebensqualität, die Verkehrsanbindung und das Freizeitangebot.

Die Befragung ließ, so Hettmer, aber auch einen klaren Auf­trag erkennen: Es gelte, die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und Wohnraum zu erhöhen und damit zugleich deren Preisniveau zu reduzieren. Die meisten Unternehmen wollten ihre Betriebe bis zum Jahr 2035 nämlich erweitern oder modernisieren und weiter Mitarbeiter einstellen.

56 Prozent der Befragten hätten daher Bedarf an weiteren Flächen angemeldet, allein bei den Teilnehmern summiere er sich auf 66.000 Quadratmeter. 67 Prozent wollten Gebäude errichten oder erweitern; geplant seien insgesamt 26.000 Quadratmeter Büro- und Hallenfläche. Für die Mitarbeiter werde weiterer Wohnraum benötigt. Die meisten Befragten wünschten sich außerdem eine schnellere Internetverbindung und einen zentralen Ansprechpartner bei der Stadtverwaltung.

Städtische Maßnahmen

Hettmer verdeutlichte ebenso wie OB Mathias Neuner, dass die Stadt diese Forderungen unterstütze. Sie arbeite intensiv an den Themen Wohnungsbau und Gewerbeflächen. Zwei Tage zuvor war der erste Entwurf des neuen Flächennutzungsplans bekannt geworden, in dem weitere Gebiete für beide Zwecke ausgewiesen sind. Außerdem schaffe die Stadt durch Bebauungspläne und eigene Bautätigkeit mehrere tausend Wohnungen.

Der zentrale Ansprechpartner, der zugleich Wirtschaftsförderer wie auch „Kümmerer“ für den Einzelhandel sein soll, sei bereits beschlossene Sache; die Stelle werde demnächst ausgeschrieben. Und in Sachen Breitband seien mit Initiativen von M-Net und der Deutschen Telekom bald überall im Stadtgebiet Bandbreiten von 50 Megabit erreicht. Ziel sei aber letztlich „die Glasfaser in jedes Haus“.

Neuner dankte den Unternehmen für Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 28 Millionen Euro. „Das sind fast 1.000 Euro pro Einwohner. Damit sind wir die steuerkräftigste Große Kreisstadt in ganz Bayern.“ Es gebe zwar Städte, in denen der Gewerbesteuersatz niedriger sei, aber „die bieten auch nicht so viel wie wir“. Außerdem sei der jetzige Satz vorerst festgeschrieben: „Da wollen wir nicht dran rütteln“. Die Stadt versuche, mit dem Geld sinnvoll umzugehen, durch Investitionen in Infrastruktur, in Schulen und Kindergärten, Straßen und Parkhäuser. Landsberg sei eine Einpendlerstadt: Es gebe 14.500 Arbeitsplätze, aber nur 11.000 Arbeitnehmer. 3.500 Menschen pendelten also jeden Tag in die Stadt hinein.

Kritik des Einzelhandels

Moderatorin Ulla Müller befragte nach den Vorträgen einige Unternehmer, unter anderen Dr. Christian Hinsel von Hirschvogel, der sich vom Landsberger Osten aus um neue Geschäftsideen und Produkte kümmert, sowie Katja Schmid (Sehform Optik) und Stefan Müller (Optikuss).

Schmid kritisierte: „Ich habe ein Kommunikationsproblem mit der Stadt. Immer wenn es gut lief, war der Ansprechpartner wieder weg.“ Sie sei inzwischen sehr kritisch. „Ich finde es furchtbar, wenn ich solche Sachen wie die Schließung der Schlossberggarage über die Zeitung erfahre“. Ihre Kunden hätten das gelesen und am nächsten Tag gesagt: „Wenn man nicht mehr parken kann, dann komme ich nicht mehr in die Stadt.“ Die Leute seien wirklich „so krass drauf“.

Für zwei Unternehmen hat sich die Teilnahme an der Online-Befragung richtig gelohnt, nämlich die Firma Dittel Mess­technik und den Einzelhändler Eisenwaren Jehle. Lidia Gramegna loste sie als Gewinner des Preisausschreibens aus, das mit der Befragung verbunden war. Beide bekommen nun für einige Wochen kostenlose Banner an der Fußgängerbrücke über die Neue Bergstraße.

Werner Lauff

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