Bund Naturschutz votiert für Lech-Renaturierung

Mehr Leben für den Amazonas Europas

Lech in Tirol
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So könnte der Lech aussehen, wenn man ihn nicht ‚gezähmt‘ hätte: Der unverbaute Tiroler Lech gilt dem BN als Vorbild.
  • Ulrike Osman
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Landkreis – Mehr Leben für den Lech – das fordert der Bund Naturschutz (BN). Gemeint ist damit eine Renaturierung und Redynamisierung, die aus Gründen von Umwelt-, Arten- und Klimaschutz dringend geboten sei.

Das Thema ist nicht nur vor dem Hintergrund der jüngsten Flutkatastrophen hochaktuell, sondern auch, weil ab 2034 die ersten Konzessionen für die Lech-Wasserkraftwerke auslaufen. Damit tut sich die große Chance auf, den Fluss wieder in einen naturnäheren Zustand zu versetzen. Der BN hat das Zukunftskonzept Lech 21 entwickelt, mit dem er sich in die politische und fachliche Diskussion einbringen will.

Er war einmal ein wilder Alpenfluss – oder auch „der Amazonas Europas“. Die stellvertretende BN-Landesbeauftragte und Gewässerexpertin Christine Margraf zeichnete bei einem Zoom-Pressetermin mit den Ortsgruppenvorsitzenden entlang des Lechs ein Bild, das mit der Gegenwart kaum mehr in Einklang zu bringen ist. Denn der artenreiche Naturzustand des Alpenflusses, dessen einzig beständiges Merkmal der Wandel war, liegt lange zurück. Über 100 Jahre menschlicher Eingriffe zur Gewinnung von Siedlungsfläche und Energie haben aus ihm laut Margraf „den begradigtsten, verbautesten, geschundensten Fluss Bayerns“ gemacht.

Auf einen Hauptarm reduziert und fast durchgängig gestaut, sei dem Lech seine Dynamik genommen worden. Die Kraft, die sich früher auf Seitenarme und Auen ausbreiten konnte, zwang man in enge Bahnen, was in der Folge zu einer erheblichen Eintiefung des Flusses führte – mit negativen Folgen für Grundwasserstände und die angrenzenden Lebensräume.

Das kleinräumige Mosaik aus den unterschiedlichsten Biotopen mit einer Vielfalt von Arten, einst die Besonderheit entlang des Lechs, ist verschwunden. Das sogenannte Geschiebe – Kies und Geröll, die die Strömung aus den Alpen mitbringt - wird im künstlich geschaffenen Forggensee abgelagert oder sammelt sich an den Staustufen, was wiederum die Eintiefung des Flussbetts vorantreibt. An Mittel- und Unterlauf wurden die artenreichen Lechauen durch Deiche vom Fluss abgetrennt. Dadurch ging wertvolle Überschwemmungsfläche verloren, und die Auen selbst wurden zum Tode verurteilt, wie Margraf es drastisch formulierte. Denn: „Eine Aue ohne Verbindung zum Fluss ist irgendwann keine Aue mehr.“

Von den Alpen bis zum Jura

Eine mehr als traurige Bilanz also. Und doch hat der Lech noch immer eine immense Bedeutung im europäischen Biotopverbund, stellt er doch eine Verbindung von den Alpen zum Fränkischen Jura dar. „Wir müssen seinen Zustand verbessern“, fordert die Gewässerexpertin. Nach Jahrzehnten der Verschlechterung müssten in den kommenden Jahrzehnten die Fehler der Vergangenheit rückgängig gemacht werden. Generell gehe es darum, die Längsdurchgängigkeit für Geschiebe zu verbessern und Quervernetzungen vom Lech zu seinen Auen wiederherzustellen.

Der Landkreis Landsberg könnte Vorreiter bei der Renaturierung sein, denn er ist der erste, in dem die Konzessionen für die Kraftwerke an den Lech-Staustufen auslaufen. In Dornstetten, Pitzling und Landsberg ist es 2034 soweit. Wie es danach weitergehen könnte, dafür konnte der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Folkhart Glaser immerhin schon ein positives Beispiel anführen. „Der Bypass an der Staustufe Kinsau könnte ein Vorbild für andere Staustufen sein.“ Das Konzept verbinde Naturschutz und erneuerbare Energiegewinnung. „Wir brauchen dringend solche Bypässe.“

Wie aber verträgt sich ein möglicher Rückbau der Staustufen mit der Notwendigkeit, regenerative Energie zu gewinnen? Margraf sieht hier nicht die Wasserkraft an vorderster Front, sondern verweist auf die größeren Potentiale von PV- und Windkraftanlagen sowie im Bereich der Energieeinsparung. Denn eins sei sicher, konstatiert Margraf: „Eine Genehmigung für die Staustufen, wie sie jetzt dastehen, wäre heute nicht mehr denkbar.“

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