Mehr Ruhe im Gewerbegebiet?

Drei klagende Anwohner, ein Firmeninhaber, Vertreter des Landratsamtes Landsberg und des Verwaltungsgerichts München haben am Donnerstagnachmittag in einer mündlichen Verhandlung auf dem Hof der Holzwerke Pröbstl GmbH diskutiert. Streitpunkt war der Lärm vom Holzsägewerk. Die Bewohner, die im Ascher Gewerbegebiet direkt am Betriebsgelände leben, hatten geklagt – gegen die Beschlüsse der Kreis- behörde. Diese hatte Firmenchef Helmut Pröbstl den Bau eines neuen Starkholzsägewerks und den Antrag, Nachtarbeit durchführen zu können, unter bestimmten Auflagen genehmigt. Über die Klagen der Anwohner wird jetzt das Verwaltungsgericht München entscheiden.

Das Treffen am Ort des Lärmgeschehens diente laut Dr. Volker Berberich, dem Vorsitzenden Richter am Verwaltungsgerichts, dazu, sich selbst ein Bild zu machen. Dazu nahmen Gerichtsvertreter und Verfahrensbeteiligte und -geladene zunächst die Situation auf den Grundstück in „Augenschein“. Richter Berberich stellte den regen Betrieb des Holzwerkes fest, beurteilte die jeweilige Lärmsituation und ließ sie protokollieren. An zwei Grundstücken bestätigte er einen erhöhten Lärmeindruck. Die Auflagen zum Lärmschutz würden nicht eingehalten, beschwerten sich die Bewohner bei Holzwerk-Chef Helmut Pröbstl. Richtwerte würden überschritten. Die Lärmschutzwände, die errichtet worden seien, brächten nichts. „Es ist wie eine Käseglocke“, verglich eine Klägerin ihre Wohnsituation. Pröbstl aber versicherte, die Lärmschutzauflagen einzuhalten – zum Beispiel die, in der Nacht von 22 bis 6 Uhr morgens nur einen Portalkran laufen zu haben. Es werde versucht, die Immissionen zu drosseln. So sei auch bei der Anschaffung neuer Stapler auf die Lärmbelästigung geachtet worden: „Wir haben die leisesten gekauft.“ Doch die Werte, die ein privat erstelltes Gutachten ergeben habe, sprächen von einer deutlichen Lärmbelastung. Einer der Anwohner hatte das Gutachten für viel Geld in Auftrag gegeben – dabei wurden in der Nacht Werte von vier dBA gemessen, eine deutliche Überschreitung des zulässigen Geräuschpegels. Kritik von den Klägern gab es zudem am Zeitpunkt, der für den Termin zum „Augenschein“ gewählt wurde. Im Holzwerk würde zwar gearbeitet, „aber heute ist es viel ruhiger als sonst“, waren sich die Kläger einig und meinten damit die be- vorstehenden Osterfeiertage. Vor Feiertagen, zu Weihnachten, Pfingsten oder eben Ostern wäre nie viel Betrieb im Sägewerk. Helmut Pröbstl widersprach: Der Betrieb laufe normal wie immer. Versäumnisse seitens des Landratsamtes gestanden Gerhard König, zuständig für den Immissionsschutz, und Hartmut Neupert, Sachgebietsleiter im Bauamt, zu. Es sei früher verpasst worden, Auflagen für den Lärmschutz im Holzsägewerk zu stellen. Bei Pröbstls Antrag auf Nachtarbeit sei dann aber nachgebessert worden. Den Anwohnern sagte Richter Berberich in der mündlichen Verhandlung, dass sie nicht erwarten könnten, dass in einem Gewerbegebiet, in dem sie wohnen würden, Ruhe herrsche. Er versuchte Kläger und den Holzwerkbetreiber zu beruhigen. Von extremen Lösungen riet er ab.

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