Schondorf und Boves

Meilenstein der Versöhnung

Städtepartnerschaft Boves Schondorf
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Auch per Handschlag wurde die Städtepartnerschaft nach der Vertragsunterzeichnung besiegelt: die Bürgermeister Alexander Herrmann (links) und Maurizio Paoletti.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Schondorf – „Ist das hier eine Hochzeit?“ fragte ein gerade mit dem Ausflugsdampfer angekommenes Ehepaar beim Anblick der Feierlichkeiten in der Seeanlage. Im übertragenen Sinne war es eine Hochzeit, wenn man das 2015 geschlossene Freundschaftsabkommen zwischen Schondorf und der italienischen Stadt Boves (Piemont) als Verlobungszeit ansieht. Jetzt unterzeichneten die Bürgermeister beider Kommunen einen offiziellen Städtepartnerschaftsvertrag.

Ursächlicher Grund für die enge Verbindung ist ein altes Familiengrab auf dem Schondorfer Friedhof, in dem der Kriegsverbrecher Joachim Peiper 1979 begraben wurde. In Schondorf wusste zunächst niemand etwas vom SS-Standartenführers Peiper, zeitweilig sogar Adjutant von SS-Chef Heinrich Himmler. Bis 2013 eine Gruppe von Gläubigen aus Boves der Katholischen Kirchengemeinde Schondorf einen Besuch abstattete, um am Grab von Peiper für Frieden und Versöhnung zu beten: Peiper und sein Bataillon der Waffen-SS hatten am 19. September 1943 in der heute 9.000 Einwohner zählenden Stadt Boves 23 Menschen ermordet und 351 Häuser in Brand gesteckt. Peiper, nach dem Krieg zum Tode verurteilt und wieder begnadigt, saß bis 1956 im Landsberger Kriegsverbrecher-Gefängnis. 1976 starb er in seiner Wahlheimat Frankreich bei einem Hausbrand. Man vermutete einen Racheakt von ehemaligen Widerstandskämpfern. Peipers Leichnam wurde erst 1979 freigegeben und im Familiengrab von Verwandten in Schondorf begraben, obwohl er nie hier gelebt hatte.

Neben den Kirchengemeinden entwickelte sich auch zwischen Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann und seinem italienischen Kollegen Maurizio Paoletti ein enger Gedankenaustausch mit gegenseitigen Besuchen. Bei den Feierlichkeiten zum 77. Jahrestags des Massakers wurde Herrmann gar zum Ehrenbürger ernannt, zusammen mit Gemeinderat Kurt Bergmaier, laut Herrmann einem der „Verbindungs-Anbandler“. Denn Bergmaier wurde am 19. September 1943 geboren – genau an dem Tag, als sich in Boves das dunkelste Kapitel der Geschichte zutrug. Bereits 2015 hatten beide Gemeinden einen Freundschaftsvertrag auf dem Weg zu einer offiziellen Städtepartnerschaft unterzeichnet.

Die wurde jetzt bei einer Feier in der Seeanlage mit Fahnenab­ordnungen und Musik von „Palärmo“ besiegelt. Beide Bürgermeister ließen die Geschichte ihrer Freundschaft Revue passieren, Dr. Silvie Dobler übersetzte. Der Tag der Unterzeichnung sei kein Zielpunkt, sondern ein Meilenstein für die Versöhnung aller Völker. Unter dem Beifall der Gäste, darunter aktuelle und ehemalige Gemeinderäte, unterzeichneten Alexander Herrmann und Maurizio Paoletti die Urkunden. Das ursprünglich geplante italienische Fest als Rahmenprogramm für alle Schondorfer findet coronageschuldet erst im kommenden Jahr statt.

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