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Meret Becker im Landsberger Stadttheater

"Mehret euch, aber mein Name ist Meret"

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Meret Becker an der Singenden Säge, begleitet von Gitarrist Buddy Sacher. Im Hintergrund Sänger David Gaffney – den sie „von der Straße“ aus Liverpool geholt hat.

Landsberg – Da steht sie, nicht groß, aber großartig, nicht laut, aber mit klaren Statements. Und ihren poetischen Texten, die gerne mal ins Derbe ausbrechen. Meret Becker ist Multitalent. Sängerin, Schauspielerin, Artistin; Künstlerin im weitesten Maße. Dabei mit Bodenhaftung, wie der Abschluss ihrer Bühnenprogramme zeigt: Sie setzt eine Flasche Bier an und erst dann wieder ab, wenn der letzte Tropfen in ihrem Schlund verschwunden ist. Eine Frage der Ehre. Kaum zu glauben, dass dieses schillernde Unikum Trägerin des Bundesverdienstkreuzes ist. Im Stadttheater zeigte sie am Sonntagabend ihr Programm „Deins & Done“: eigene Songs im Folk-Blues-Bluegrass-Stil. Zwar ohne Akrobatik, dafür mit viel Stimme.

„Keine Akrobatik, aber was Ähnliches“ verspricht die gerade 50 gewordene Künstlerin. Ist sie als Tatort-Kommissarin ruppig, sind ihre Lieder fein. Sie packt das Omnichord und beginnt mit einem hohen Fiepton, abgelöst vom warmen Klarinettenklang. Dann setzt ihre Stimme ein, die so bunt wie ein Farbkasten ist: laut, leise, zahm oder wild, gehaucht oder whiskeygetränkt – immer so, wie es der Text gerade will. Wobei die Lieder von „Deins & Done“ meistens „unglückliche Liebeslieder“ sind. „Wenn die Liebe geht, ist eines sicher: Die Narben und Falten, die darf man behalten.“

Das Liebesleid übersetzen Beckers Texte in Bilder. Wenn beispielsweise im „Donkey Song“ eine Frau durch die Wüste reitet, „und sie ist nicht gut drauf.“ Schreit, lacht, heult hysterisch. Trotz der doch so wundervoll blühenden, saftiggrünen Kakteen. Ist am Anfang des „Brauttanzes“ noch das federnde Glück zuhause, heißt es am Ende des nächsten Songs schon: „Dreh dich nicht um, zähl nicht bis zehn, das ist kein Spiel mehr, lass mich gehen“. Gewidmet hat Becker die Stücke einem Cowboy, „der vor langer Zeit hier durchkam und seither nie wieder gesehen wurde. Es ist einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist.“ Manchmal verstehe sie sich selbst nicht, beruhigt Becker. Aber in den Texten stecke viel Persönliches.

Auch Songs anderer macht sie sich zu eigen. Denn was bei ihrer Version von Teitur Lassens „All my Mistakes“ herauskommt, ist ihr Song über ihre Fehler. „Wobei nichts schöner ist als menschliche Fehler.“ Auch Tom Waits oder die Beatles werden zu Becker-Songs. Wobei sie gerne mal zugibt, dass sie durchaus neidisch auf andere Musiker sein kann. Wie beim „Walzer für Niemand“ von Sophie Hunger. „Ich hätte das Lied schreiben müssen, ich bin so eifersüchtig!“

„Musique en miniature“ nennt Becker ihre Kunst. Weniger ist mehr. Nicht massive Schlagzeugeinsätze, sondern flirrendes Glockenspiel oder sanfte Trommelrhythmen seitens Tayfun Schulzke – Nomen ist eben nicht immer Omen. Keine Background-Gesänge, sondern perfekte Ergänzungen zur Solostimme durch den Zwei-Personen-Chor Olivia Uhlig und David Gaffney: „Der kleinste Chor der Welt“, wie Becker die zwei beschreibt. Gaffney habe sie in Liverpool auf der Straße gefunden. Ob er denn Background bei ihr singen möchte. Ja habe er gesagt. „Inzwischen ist er angebayert“, weiß Becker. Denn der Sänger lebt in Bayern, samt Familie. Und ab und zu rutscht ihm ein „Passt!“ raus.

Auch riesige Cognacschwenker gehören zum Instrumentenpark Meret Beckers.

Natürlich ist auch Beckers Lieblingsgitarrist mit dabei, ein alter Freund, Buddy Sacher. „Auch mein ganz persönlicher Ornithologe“ – er schreibt „kleine komische Vogelbücher“. Buddy „beginnt 1966 mit der Hinwendung zur Musik und hört damit niemals auf“, ist auf der Homepage zu lesen. „1973 verkauft er alle elektrischen Instrumente und kauft sich eine klassische Gitarre.“ In Landsberg begleitet er Becker auf seiner silbernen Dobro-Gitarre – eine akustische Gitarre mit eingebauten ‚Lautsprechern‘. Becker kennt er seit 1993. Zwischen seine gezupften und ihre gesungenen Klänge passt kein Blatt. Meret Becker selbst begleitet sich auch an der Gitarre. Und behauptet, sie könne es nicht. Denn „hätte ich getan, was ich konnte, wäre ich tatenlos geblieben.“

Becker kann Schnulziges sagen, ohne schnulzig zu wirken. Selbst wenn sie derb spricht, ist sie es nie. Wobei das schnoddrige Berlinern hilft. Auf ihre Frage nach dem berühmtesten Liebespaar der Welt fallen neben Hänsel und Gretel – „Das waren Geschwister!“ – und Ernie und Bert auch Adam und Eva. „Bist du sicher?“, fragt sie den Ideengeber. „Der Typ hat sich die Alte aus der Rippe geschnitten. War das Liebe? Das war Not!“ In Beckers ‚Sendung mit der Maus‘ erklärt sie ihre Spieluhr mit Lochkarte oder macht Zaubertricks mit Zigaretten, die sie sich vom Publikum schnorrt. Und dabei das bayerische „Tschick“ lernt, „was für ein cooles Wort!“

Beckers Besuch im März 2018 war lauter, schneller, mit Akrobatik, abwechslungsreicher. Nicht besser, anders. In der zweiten Hälfte des gut zweistündigen Konzerts am Sonntag blitzt ein wenig davon auf. In dem Song „Visitors“, der aus ihrem Zirkusprogramm stammt. In den Zigarettentricks, in Beckers Humor. Und natürlich, wenn der Klassiker-Abschluss für Becker-Konzerte erklingt: „Wir lieben die Biere“, Text Ben Becker und Harald Juhnke. Inbrünstigst gesungen, mit der poetischen Zeile: „Die Fahne, sie flattert uns aus dem Gesicht.“

Das Zauberhafte dieses Abends mit „Deins & Done“ ist die Ruhe. Die Instrumente sind sanft. Der große Cognacschwenker als singendes Glas. Die Kindertröte, eine Reminiszenz an den Zirkus. Wenn Becker mit der Melodica Kindheitsklänge erinnert oder mit der singenden Säge weint, schwingt immer etwas Besonderes in der Luft. Was auch immer das sein mag. Vielleicht ist es die Stille zwischen den Tönen, die Raum zum Atmen lässt.

Meret wird übrigens mit zweimal kurzem e gesprochen. Oder wie Becker sagt: „Mehret euch, aber mein Name ist Meret.“

Susanne Greiner

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