Lagerfeuerromantik am Lech:

Wilde Szenen im Landsberger "Wildpark"

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Drei „merkwürdig Gestalten“ entfachten im März 2016 im Landschaftsschutzgebit Lechpark Pössinger Au ein Lagerfeuer und bekamen es dann mit Polizei und Justiz zu tun.

Landsberg – Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchte Körperverletzung. So lautete die Anklage gegen einen 36-jährigen Landsberger, der sich einer Personenkontrolle verweigert und einen Polizisten zu Boden gerissen hatte. Der Vorfall ereignete sich im März 2016 im Lechpark Pössinger Au.

Es müssen filmreife Szenen gewesen sein, die sich in jener Nacht in der Nähe der Kneipp- Anlage abspielten. „Merkwürdige Gestalten“ hätten dort ein Feuer entzündet, teilte ein Anrufer der Polizei per Notruf kurz vor Mitternacht mit. Da es sich bei dem städtischen Park um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, ist offenes Feuer dort eine Ordnungswidrigkeit. Drei Streifenbeamte rückten an und trafen vor Ort tatsächlich auf drei Männer und eine Frau, die an einem Lagerfeuer Bier tranken.

Als die Polizisten das Grüppchen ansprach und Ausweise sehen wollten, kam es zu verbaler Aggression und Handgreiflichkeiten. Der Angeklagte soll einen 27-jährigen Beamten zu Boden gerissen haben. Vollends eskalierte die Situation, als die Frau hinzutrat und dem Polizisten Pfefferspray ins Gesicht sprühte. Danach rannten sie und der Angeklagte davon und wurden nach einer Verfolgungsjagd in der Landsberger Innenstadt festgenommen.

Dreh- und Angelpunkt in der Verhandlung gegen den 36-Jährigen war, ob die Polizisten als solche zu erkennen waren oder nicht. Der Angeklagte will sie nur als „drei Gestalten mit Taschenlampen“ wahrgenommen haben, „die auf uns zu liefen“. Im nächsten Moment habe sein 31-jähriger Bekannter „im Dreck gelegen“. Er habe ihm nur helfen wollen, sei dabei selbst in einen Bach gefallen und überwältigt worden. Er habe „Panik, Todesangst, Stress und Schock“ verspürt.

Die drei Polizisten sagten übereinstimmend aus, dass sie sich als Beamte zu erkennen gegeben und sich sogar mit ihren Taschenlampen selbst angeleuchtet hätten, damit man ihre Uniformen sah. Dennoch schubste der 31-jährige Mann einen Beamten zu Boden und wehrte sich heftig, als die beiden anderen Polizisten ihm Handschellen anlegen wollten. Der dritte Ordnungshüter war damit beschäftigt, den Angeklagten davon abzuhalten, die Fesselung zu stören – was dieser immer wieder versucht habe, so der 27-jährige Beamte im Zeugenstand. „Er ist dann auf mich zugesprungen und hat mich umgerissen.“ Der dritte Mann soll das Weite gesucht und die Vorgänge aus sicherer Entfernung mit dem Handy gefilmt haben.

Verteidiger Cliff Radke hielt die Darstellung der Beamten für widersprüchlich und versuchte dies mit zahlreichen Nachfragen zu untermauern – Fragen nach der genauen Position jedes der Beteiligten, nach der Bodenbeschaffenheit und Topographie, nach der Lage des Feuers und eines nahegelegenen Holzpavillons. Doch weder die Staatsanwaltschaft noch Richter Michael Eberle zweifelten an der Glaubwürdigkeit der Beamten.

Die 33-jährige Frau und der 31-jährige Mann wurden ebenfalls als Zeugen gehört. Die Frau erklärte, sie sei beim Eintreffen der Polizisten hinter dem Pavillon gewesen. „Ich habe dort meine Blase entleert.“ Als sie zurückkam, will sie gesehen haben, wie jemand das Gesicht des 31-Jährigen „in den Matsch drückte“. Auch sie behauptete, ihr sei „bis zum Schluss“ nicht klargewesen, dass es sich bei den hinzugekommenen Männern um Polizisten handelte („sie haben uns nicht ihre Dienstausweise gezeigt“) – dies, obwohl sie in ihrer eigenen Verhandlung vor dem Amtsgericht Augsburg ein Geständnis abgelegt hatte. Dort war die 33-Jährige wegen der Pfefferspray-Attacke zu einer Bewährungs- und der 31-Jährige zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Auch der 36-Jährige erhielt nicht den von seinem Verteidiger gewünschten Freispruch. 90 Tagessätze à 30 Euro muss er als Geldstrafe an die Staatskasse zahlen sowie die Kosten der Verhandlung tragen.

Ulrike Osman

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