Mordversuch?

44-Jährige sticht auf Lokalgast ein

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Nach übermäßigem Alkoholgenuss ging die 44-jährige Angeklagte in einem Landsberger Lokal mit einem Küchenmesser einen Mann los.

Landsberg – Offensichtlich ohne Grund ist im März 2012 eine 44-Jährige in einem Landsberger Lokal von hinten auf einen Mann losgegangen – mit einem Küchenmesser. Zweimal stach sie zu, zuvor hatte sie sowohl Anti-Depressiva als auch eine erhebliche Menge Hochprozen­tiges zu sich genommen.

Jetzt muss sich die Frau vor dem Augsburger Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten. Verteidiger Joachim Feller sieht in der Tat allerdings lediglich eine „gefährliche Körperverletzung“.

Bereits volltrunken, so die Aktenlage, setzte sich die Angeklagte an jenem Abend in ihr Auto und fuhr in das Restaurant in der Katharinenstraße. Sie bestellte ein Glas Wein und nach wenigen Minuten ging sie zu dem – ihr bis dahin unbekannten – Mann und stach ihm mit einem mitgebrachten, 12,5 Zentimeter langen Messer zweimal in den Rücken. Ein Barkeeper und drei Gäste überwältigten die Frau und brachten sie zu Boden. Der 61-jährige Mann erlitt eine etwa vier Zentimeter lange Stichwunde.

2,18 Promille hatte sie an diesem Abend im Blut, dazu kamen noch Anti-Depressiva, be­schreibt Feller. „Die Staatsanwaltschaft sieht in der Tat einen Mordversuch, da die Frau von hinten auf den Mann einstach“, erklärt der Landsberger Fachanwalt für Strafrecht. „Aber die Angeklagte war wie in einem Wahn, hat nicht erkannt, dass das Opfer arg- und wehrlos ist.“ Feller sieht die Kriterien für Mord nicht erfüllt – er plädiere auf gefährliche Körperverletzung. Seltsam sei, dass die Frau erst etwa drei Monate nach dieser Tat verhaftet wurde. „Der Staatsanwalt sah zunächst eine gefährliche Körperverletzung“, sagt Feller. Nach einem Sachbearbeiter-Wechsel folgte die Anklage auf versuchten Mord.

Mit Spannung erwarte die Verteidigung jetzt den zweiten Verhandlungstag am heutigen Mittwoch: Der Gutachter wird sich zur Frage der Schuldfähigkeit äußern. Die 44-jährige gelernte Krankenschwester sei eine schwere Alkoholikerin, die bereits mehrere Therapien hinter sich hatte. Anfang 2012 sei sie rückfällig geworden – zuvor war sie zehn Jahre lang trocken. „Meine Mandantin hat auch nur eine bruchstückhafte Erinnerung an den Abend“, erklärt der Verteidiger. „Aber es tut ihr sehr leid, sie hat sich auch am ersten Verhandlungstag beim Geschädigten entschuldigt.“

Feller rechne damit, dass die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe beantragt. „Es gibt aber auch die Möglichkeit der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt – das stellt die Vertei­digung auf jeden Fall in den Raum“, erklärt er.

Das Urteil in dem auf drei Tage angesetzten Prozess falle wohl am kommenden Montag.

Janina Bauch


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