Weihnachten à la Monty Python

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Die Weihnachtsgeschichte muss sein. In Barlows „Der Messias“ muss Bernd (Gerd Lohmeyer) aus Mangel an Schauspielern in zahlreiche Rollen schlüpfen.

Landsberg – „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging...“, sind die ersten Worte der biblischen Weihnachtsgeschichte. Wer es etwas weniger besinnlich wollte, kam am diesem Freitag- und Samstagabend im Stadttheater auf seine Kosten: Die Komödie „Der Messias“ des Briten Patrick Barlow kitzelt die Lachmuskeln und kennt keine Tabus. Das Stück gehört inzwischen weltweit zum Weihnachtsrepertoire der Theater. In Münster läuft das Stück seit 27 Jahren – in gleicher Besetzung.

Bernd (Gerd Lohmeyer) und Theo (Ferdinand Schmidt-Modrow) sind zwei Schauspieler in einem verarmten Theater. Doch es ist Weihnachten, also muss die Weihnachtsgeschichte gespielt werden – wenn es nicht anders geht, eben zu zweit. Unterstützung bietet „Die Tim“ (Brigitte Zamulo), eine Sängerin, die in der Erwartung dazukommt, ihren großen Auftritt in einem Musical zu haben. Immer mal wieder drängt sie sich in den Vordergrund und gibt gekonnt ein Chanson wie „Ich weiß, es wird nochmal ein Wunder geschehen“ zum Besten. Requisiten gibt es kaum: Zwei Spanplatten, ein Tuch für Maria, Goldfolie für Gabriels Flügel und eine Axt für Josef – die gleichzeitig auch noch den Esel geben muss.

Pannen sind vorprogrammiert und müssen gnadenlos durch Improvisation gelöst werden, was Theo und Bernd mit viel Einsatz versuchen. Notfalls muss auch das Publikum unterstützen. Die Steuerfahndung steht an: „Bei dem Wort ‚Rom‘ murmeln Sie abfällig, bei ‚Kaiser‘ rufen Sie ‚Aha!‘ und bei ‚Steuerfahndung‘ sagen Sie ‚Du denkst wohl, wir sind deine Schafe‘“, animiert Theo die Zuschauer.

Für die erste Reihe

Kaum hat Bernd alias Steuerfahnder die Bühne betreten, erklingt aus dem Landsberger Publikum ein mürrisches Murmeln. Auch bei den anderen Stichworten fallen die Zuschauer unisono lautstark ein. Die erste Reihe hat’s mal wieder erwischt: Jeder hat einen Zettel mit Beschimpfungen erhalten, die Theo abruft: „Verpiss dich!“ oder „Wir wollen die alten Griechen wiederhaben!“ Und abschließend: „Miau!“

Der gütige Josef (Ferdinand Schmidt-Modrow, links) hat es in Barlows „Der Messias“ nicht leicht.

Maria und Josef, das heilige Paar, zankt sich in wunderbarer Eheparodie. Da bietet der gütige Josef ausnahmsweise an zu kochen, was erwidert Lohmeyers grantige Maria? „Du willst wohl nicht, dass ich für dich koche!“ Maria ist nicht ganz so glücklich. Immerhin ist sie ja erst 14 und hatte noch ihr ganzes Leben vor sich – bis Josef kam. Ganz normaler Alltag also. Bis Theo als Erzengel Gabriel Josefs Vaterschaft verkündet, mit Goldfolie als Flügeln, die Theo eifrig schwingt. „Von wem ist es?“, will Josef berechtigterweise wissen. Die Antwort „vom heiligen Geist“ stellt ihn nicht ganz zufrieden. Wann es denn soweit sei? „Zu Weihnachten“, frohlockt der Erzengel.

Josef und Maria reisen auf dem Axtesel nach Bethlehem, meistern Haarnadelkurven und endlich ist es soweit: „Sie werden hier jetzt etwas noch nie da Gewesenes zu sehen bekommen: Die Geburt eines Babys, dargestellt von zwei Männern“, steigert Theo die Spannung.

Bernd fungiert als Hebamme, Josef schaut lieber weg, Maria ist nur noch durch ein Kopftuch dargestellt. Hecheln, tief Atmen – und da ist es… ein Leuchtstab, der zusammen mit einem zweiten ein Kreuz bildet. „Die Tim“ gibt als Marilyn Monroe das Geburtstagsständchen.

Sie sind fast durch, nur die Hirten fehlen noch, da bekommt Theo eine Sinnkrise. Jedes Mal, wenn er das Göttliche in sich suche, sei da nur diese Kröte. Helfen kann nur noch ein johlender Applaus des Publikums. Und tatsächlich, es wirkt: ein ganz irdenes Weihnachtserlebnis. Barlows „Messias“ ist eine immer skurriler werdende Komödie mit typisch britischem Humor à la Monty Python, die Ioan C. Toma auch konsequent so inszenierte.

Das Publikum im Stadttheater Landsberg war nicht pikiert, sondern sichtlich begeistert: Lohmeyer, Schmidt-Modrow und Zamulo spielten mit Können, Witz und überwältigendem Charme. Der große Applaus war verdient.

Susanne Greiner

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