Das Dorf der Nichtsnutze

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„Mauerschau“ mit dem Metropoltheater: „Unter dem Milchwald“ erzählt von einem Tag in dem kleinen walisischen Fischerdorf „Llareggub“.

Landsberg – Das Metropoltheater München ist ein häufiger, gern gesehener Gast in der Lechstadt, die dieser Truppe schon mehrere Theaterhighlights verdankt: „Black Rider“, „Merlin“, um nur einige zu nennen. So auch wieder am Freitagabend, als die Münchner mit einer Fassung von Dylan Thomas „Unter dem Milchwald“ das Publikum begeisterten.

„Eigentlich gibt es hier im Ort ganz eklige Leute, wenn man’s recht bedenkt“, heißt es in dem 1953 erstmals gelesenen „Spiel für Stimmen“. Mag sein, aber sehr interessante, die eine Menge zu erzählen haben, von ihrem Leben, ihren Träumen, ihrer Vergangenheit, ihren Begegnungen, real oder eingebildet. 

Fischer, Briefträger, Lehrerinnen, Metzger, Leichenbestatter, Pensionswirtinnen, Kinder, alte Kapitäne, ertrunkene Matrosen, Pfarrer, ledige Mütter, Wirte von Seefahrer-Kaschemmen, Inhaberinnen von Süßwaren-Läden, Sonderlinge allesamt, die in dem fiktiven walisischen Fischerdorf „Llareggub“ leben (das rückwärts gelesen so etwas bedeutet wie „alles Nichtsnutze“ und Elemente von Orten enthält, in denen Dylan Thomas bis dahin gelebt hatte). 

Ein Reigen der Geschichten, kleiner und großer, alltäglich, banal und doch eindringlich, erzählte Blicke durch unzählige Schlüssellöcher, begrenzt durch den Lauf eines Frühlingstages. In der Fassung des Metropol unter der Regie von Ulrike Arnold wirbeln fünf Darsteller durch dieses Kaleidoskop: Lena Dörrie, Markus Fennert, Thomas Meinhard, Eli Wasserscheid und Viola von der Burg. Sie toben in einer ausgefeilten Choreografie über die drehbare Guckkastenbühne, schieben sie umher, klopfen an Türen, springen durch Fenster und erfüllen das „Hörspiel“ mit Leben. 

Doch der Fokus liegt auch in dieser Inszenierung auf der Sprachgewalt des (ungekürzten!) Textes: sehr farbig, mit genauen Detailschilderungen, Wortkulissen, lyrischen Beschreibungen, Botenberichten, derben Dialogen, Thomas schöpft hier die ganze Vielfalt der Sprache aus, es lohnt sich, ganz genau hinzuhören. 

Fast wäre man versucht, die Augen zu schließen und sich einlullen zu lassen von den Erzählungen, aber das wäre zu schade, das Spiel der großartigen Darsteller zu verpassen. Ein Abend voll Zauber, subtiler Komik und skurriler Poesie.

Patricia Eckstein

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