Fußball mit dem FC Bundestag

Seit einem Jahr in Berlin: der Denklinger CSU-Abgeordnete Michael Kießling

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Seit einem Jahr mit dabei: Minister des Bundestags (MdB) Michael Kießling. Der Alltag in Berlin ist streng getaktet. Aber ab und zu bleibt Zeit für Fußball mit dem FC Bundestag.

Denklingen/Berlin – Jetzt kann er schon das Einjährige feiern: Der CSU-Abgeordnete Michael Kießling ist seit Oktober 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags in Berlin. Der 45-Jährige sitzt dort sowohl im Bau- als auch im Familienausschuss. Und inzwischen hat sich der Politikalltag schon eingeschliffen. Das klang vor einem Jahr noch ganz anders: „Momentan komme ich mir wie in einem Start-Up-Unternehmen vor“ sagte der ehemalige Denklinger Bürgermeister, als er damals sein neues Büro bezog. Der KREISBOTE fragte Kießling, wie es so aussieht, das Leben zwischen Berlin und Heimat.

Wie ist es im Bundestag nach einem Jahr? Haben Sie sich an den Alltag gewöhnt?

Kießling: „Ich bin gut angekommen. Die Regierungsbildung war etwas langwierig, aber umso spannender. Ich konnte mich gut in meine Themen einarbeiten. Das ein oder andere ist aber immer noch neu für mich.“

Verirren Sie sich in diesem Gebäude noch, oder sind Ihnen die Wege bereits in Fleisch und Blut übergegangen?

Kießling: „Wenn man die Systematik einmal verstanden hat, geht es ganz gut. Besucher wundern sich aber schon häufig über unser Labyrinth.“

Wie ist das Kollegium?

Kießling: „Sowohl innerhalb meiner Fraktion, aber auch mit Mitgliedern anderer Fraktionen, pflege ich ein sehr kollegiales Verhältnis. Die erfahreneren Kollegen haben mir zu Beginn viele hilfreiche Ratschläge gegeben und haben nach wie vor ein offenes Ohr. Die Teamarbeit steht klar im Vordergrund.“

Haben Sie Ihre eigene Kaffeetasse? Sonstige Rituale?

Kießling: „Der Alltag im Berliner Politikbetrieb ist so abwechslungsreich, da ist nicht viel Platz für Rituale. Trotzdem atme ich gerne zwischendurch bei einem Cappuccino in meinem Büro durch.“

Wie nehmen Sie Berlin als Stadt politisch wahr?

Kießling: „Man merkt schon deutlich, dass Berlin der Schmelztiegel der deutschen Politik ist. Zum Beispiel hat auch jeder, der etwas auf sich hält, eine Interessenvertretung in der Stadt, um auch örtlich nah an der Politik dran zu sein. Abgesehen davon erschreckt man als Bayer dann doch hin und wieder, wenn man sieht, in welchem Zustand sich die Berliner Infrastruktur befindet. Das wird nicht immer einer Bundeshauptstadt gerecht und ist auf eklatante Fehler in der Stadtpolitik zurückzuführen.“

Aktuelle Politik

Wie und wo haben Sie die Wahlen in Bayern und Hessen erlebt?

Kießling: „Das Ergebnis der bayerischen Landtagswahl habe ich mit dem Landtagskandidaten Alex Dorow im Landratsamt verfolgt. Die Hessenwahl habe ich dann daheim vor dem Fernseher angeschaut.“

Was für eine Stimmung herrscht im Moment und an dem Abend angesichts der nicht ganz so rosigen Ergebnisse in Bayern für die CSU?

Kießling: „Durch die Umfragen waren wir ja auf das Schlimmste vorbereitet. Die Stimmung schwankte nach den Hochrechnungen daher zwischen Erleichterung, dass es doch nicht ganz so schlimm gekommen ist, und Bedauern, dass wir so viele Wähler verloren haben. Als CSU sind wir mit diesem Ergebnis nicht zufrieden. Mit der Wahl von Markus Söder zum Ministerpräsidenten und Manfred Weber zum Spitzenkandidaten für die Europawahl spürt man eine richtige Aufbruchstimmung, sowohl auf Landes- wie auch auf Bundes- und Europaebene. Und man spürt den Willen, das verlorengegangene Vertrauen wieder zurückgewinnen zu wollen.“

Wie ist die Stimmung innerhalb der in Berlin weilenden CSUler?

Kießling: „Wie eben beschrieben. Auch wir wollen unseren Teil dazu beitragen, das Leben unserer Bürger Tag für Tag besser zu gestalten und dadurch die CSU zurück zu alter Stärke zu führen. Im Zentrum unseres politischen Handelns stehen die Menschen, aber auch der Erhalt unserer Heimat und Natur.“

Wie sehen Sie die Ergebnisse der Hessenwahl für die jetzige Bundesregierung?

Kießling: „Es sind weniger die Ergebnisse der Hessenwahl selbst, die nun Folgen für uns haben. Durch die Ankündigung der Bundeskanzlerin nach der Hessenwahl, nicht mehr für den Parteivorsitz der CDU antreten zu wollen, bewegt sich gerade einiges in unserer Schwesterpartei.

Wir müssen jetzt abwarten, wie viel sich dort letztendlich bewegt. Die Aussage der SPD-Parteivorsitzenden Andrea Nahles, die GroKo weiterführen zu wollen, freut mich, denn im Koalitionsvertrag sind noch einige Dinge enthalten die es sich lohnt umzusetzen.“

Wie ist die Stimmung im Bundestag?

Kießling: „Die Stimmung ist gut. Der Druck, dem alle Parteien vor der Bayern- und der Hessenwahl ausgesetzt waren, ist etwas gewichen. Das merkt man. Vielleicht führt das nun auch zu etwas konstruktiverer Arbeit zwischen den Parteien.“

Zeit in der Heimat

Wie organisiert sich das Leben zwischen Berlin und Landsberg?

Kießling: „Wenn man für den Bundestag kandidiert, weiß man, dass man im Falle der Wahl zwischen der Heimat und Berlin pendelt. Es gibt ja viele Menschen in Deutschland, die wegen der Arbeit nur am Wochenende daheim sind. Ich bin jetzt halt auch einer davon. Das passt schon. Die Zug- und Flugverbindungen sind ja ordentlich.“

Wie oft sind Sie hier, was machen Sie während der Flüge und wie gestalten Sie Ihre Freizeit in Berlin?

Kießling: „Ich bin tatsächlich etwa die Hälfte der Zeit im Wahlkreis, die andere Hälfte in Berlin. Meistens lege ich die Wegstrecken per Flugzeug zurück. Die Reisezeit versuche ich dann so produktiv wie möglich zu nutzen, zum Beispiel indem ich Briefverkehr erledige oder die Pressemappe lese. In Berlin hält sich die Freizeit sehr in Grenzen, die Tage dort sind immer sehr durchgetaktet. Trotzdem versuche ich zum Beispiel bei Fußballspielen mit dem FC Bundestag so oft wie möglich mitzuspielen.“

Was sind die Vorteile in Berlin, welche hat der Landkreis gegenüber der Hauptstadt?

Kießling: „Das ist schwer zu vergleichen. Berlin bedeutet für mich Arbeit. Im Wahlkreis wartet zwar auch Arbeit auf mich, aber er ist vor allem immer noch meine Heimat. Hier sind meine Familie, die Freunde und Bekannten.“

Welche Stadt ist im Moment Ihr Schwerpunkt?

Kießling: „Im Wahlkreis bin ich immer an verschiedenen Orten unterwegs: Landsberg, Starnberg, Germering und die vielen ebenso wichtigen kleinen Gemeinden.“

Wünsche, Träume, Ideen?

Kießling: „Da hätte ich genug. Aber man soll ja nicht alles verraten. Mein Ziel ist es jetzt erst einmal, gute Arbeit im und für den Wahlkreis abzuliefern. Grundsätzlich wünsche ich mir eine ehrliche und sachliche politische Auseinandersetzung mit dem Ziel, gute Lösungen zu erringen.“

Inwieweit nehmen Sie noch an der Denklinger Gemeindepolitik Anteil?

Kießling: „Als Bürger Denklingens bin ich natürlich weiterhin sehr interessiert an der Gemeindepolitik. Ich bin aber kein Freund davon, mich als ehemaliger Bürgermeister einzumischen. Das macht man einfach nicht. Wenn ich um Rat gefragt werde, helfe ich aber natürlich wo ich kann.“

Haben Sie eine Meinung zum geplanten Bürger- und Vereinezentrum, bei dem Ihr Nachfolger Braunegger einen anderen Weg einschlägt und einen Bau realisieren möchte, der mit dem Projekt aus dem Architektenwettbewerb nur mehr wenig zu tun hat?

Kießling: „Das Wichtigste ist, dass das Bürger- und Vereinezentrum kommt. Es gibt immer wieder neue Rahmenbedingungen, die berücksichtigt werden müssen und die dann zu neuen Wegen führen. Die Vereine und Bürger von Denklingen benötigen das Zentrum und zählen darauf. In welcher Form es dann genau kommt, spielt dabei keine so große Rolle.“

Susanne Greiner

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