Das Gute in der Krise erkennen

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Sechs Goldene Meister wurden beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft ausgezeichnet (von links): Dr. Lothar Semper (Handwerkskammer), Antonius Friesenegger (Landsberg), Manfred Helmer (Dießen), Anton Vogel (Oberdießen), Alois Guggenmos (Epfach), Angelika Leuthner (Kaufering), Johann Fuchs (Obermeister der Schuhmacherinnung in Vertretung für Engelbert Raich, Thaining) und Kreishandwerksmeister Michael Riedle.

Landsberg – Dem Handwerk geht es so gut wie schon lange nicht mehr, doch die Zeiten sind schwierig – zwischen diesen beiden Polen bewegten sich die Botschaften des Neujahrsempfangs der Landsberger Kreishandwerkerschaft.

Dass das Thema Flüchtlingskrise in den Grußworten und Ansprachen nicht außen vor bleiben konnte, war klar. Landrat Thomas Eichinger bescheinigte dem Handwerk die Fähigkeit, „das Gute in der Krise zu erkennen und das Beste daraus zu machen“. Und tatsächlich machen nach den Worten Dr. Lothar Sempers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern, aktuell 450 junge Menschen mit Flüchtlingshintergrund im Kammergebiet eine Ausbildung im Handwerk. Möglich werde dies durch ein enormes Engagement der Betriebe und Handwerksorganisationen – ein Aufwand, der sich aber lohne, „denn wir müssen den jungen Menschen eine Perspektive bieten“. Dies, zumal der Nachwuchsmangel im Handwerk immer mehr um sich greift. Semper sprach von 18 Prozent unbesetzten Lehrstellen.

Kreishandwerksmeister Michael Riedle sieht das Handwerk mit Optimismus ins neue Jahr gehen. „Die Arbeit ist da, die Aussichten sind sehr gut.“ Vom niedrigen Zinsniveau profitiere vor allem das Baugewerbe. Im vergangenen Jahr hätten die 2.300 Handwerksbetriebe im Landkreis Landsberg ein Umsatzplus von zwei Prozent erwirtschaftet. Die steigende Zahl der Handwerksbetriebe sieht Riedle dagegen mit gemischten Gefühlen, denn die Neugründungen sind oftmals Ein-Mann-Betriebe, die weder Arbeits- noch Ausbildungsplätze schaffen können. Genau das werde aber gebraucht.

Pauschale fürs Parken

Die gestiegenen Parkgebühren in der Stadt Landsberg ärgern nicht nur manche Besucher, sie sind auch Handwerksbetrieben ein Dorn im Auge. Wer mit mehreren Fahrzeugen vor Ort sein müsse, um einen Auftrag in der Stadt auszuführen, sei pro Fahrzeug 92 Euro im Jahr los, rechnete Riedle vor. Wünschenswert sei eine Pauschalregelung, wie sie zum Beispiel in Augsburg existiere: „Dort kostet das Parken für vier Fahrzeuge 110 Euro im Jahr.“

Da der Vertreter der Lech­stadt, Dritter Bürgermeister Axel Flörke, in der Rednerliste vor Riedle dran war, blieb es ihm erspart, auf das Thema einzugehen. Vielmehr widmete er sein Grußwort den kulturellen und künstlerischen Leistungen des Handwerks, unter anderem bei der Restaurierung und dem Erhalt von Baudenkmälern. „Das Handwerk ist innovativ und traditionsverbunden zugleich“, lobte Flörke. „Es liefert gute Qualität und Aufstiegsmöglichkeiten.“ Die 474 Handwerksbetriebe, die in Landsberg angesiedelt seien, gelte es zu halten.

Bei den Ehrungen herrschte heuer auf der Bühne weniger Betrieb als üblich. Das lag aber nicht an einer geringeren Anzahl an zu ehrenden Personen, sondern an der Tatsache, dass der Neujahrsempfang auf den Faschingssonntag fiel. „Von den jungen Leuten haben heute viele Wichtigeres zu tun“, merkte Kreishandwerksmeister Riedle augenzwinkernd an. Geehrt wurden langjährige Mitarbeiter, Innungs-, Kammer- und Landessieger, Meisterpreisträger, Meisterfrauen und Goldene Meister, die seit mindestens 35 Jahren ihren Betrieb führen.

Für den musikalischen Rahmen sorgte die Blaskapelle Prittriching, eine Showeinlage und ein Imbiss rundeten den Handwerker-Empfang im Landratsamt ab.

Ulrike Osman

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