Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten für Michaela Dollinger

Ein Orden für das Engagement in der Kinsauer Bücherstube

Michaela Dollinger - Kinsau - Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten
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Für „25 Jahre Aufbau und Leitung der Bücherstube Kinsau“ von Ministerpräsident Markus Söder noch vor der Pandemie geehrt: Michaela Dollinger aus Kinsau.

Kinsau – Der Ministerpräsident hat zahlreiche Bürger aus dem Landkreis Landsberg mit dem Ehrenzeichen geehrt – die einen persönlich, die anderen via Landrat. Unter ihnen ist auch Michaela Dollinger, die sich seit vielen Jahren liebevoll um die Bücherstube in ihrer Heimatgemeinde kümmert. Im Rahmen einer neuen Serie stellt der KREISBOTE die Ausgezeichneten in den nächsten Wochen vor – und rückt damit einmal mehr das Ehrenamt in den Mittelpunkt.

Corona legte in diesem Jahr große Teile unseres Lebens lahm – doch die Kinsauer Bücherstube lief auch im Sommer weiter. „Wir mussten in eine größere Räumlichkeit wechseln“, sagt Michaela Dollinger. „Die Kinder dürfen ja währenddessen malen. Also mussten wir aus einer Kiste mit Malsachen 16 Kisten machen.“ Was sie kurzentschlossen in die Tat umsetzte. Kein Zweifel: Dollinger hängte sich rein für das Thema „Kinder und Lesen“. Und das mit viel Erfolg, und seit vielen Jahren. Seit 2003 betreut sie die Kinsauer Leseeinrichtung für Kinder. Dafür wurde sie von Markus Söder mit dem „Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten“ geehrt.

Lesen und Malen: Kinder sind scheinbar – im Gegensatz zu vielen Männern, wie man sagt – multitasking. „Doch, das können die ganz gut, die sind sehr aufmerksam“, sagt die 59-Jährige. „Und sie halten sich dabei fast immer an die wenigen Regeln, die es gibt.“ Die da wären: Beim Vorlesen nicht ratschen, keine Bücher aus dem Regal holen und: Handy aus.

Stolz auf das Ehrenzeichen: Michaela Dollinger.

Ansonsten geht es recht liberal zu in den Vorlesestunden in der Bücherstube im Kinsauer Schulhaus. Und günstig: Bücher ausleihen ist kostenlos, selbst „Strafgebühren“ sind keine fällig, wenn man mal seine Schmöker zu spät zurück bringt – eine freiwillige Spende tut es auch. „Es geht hier schließlich nicht ums Disziplinieren der Kinder. Sondern um die Freude am Lesen“, sagt Dollinger schmunzelnd.

Dafür nimmt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern einiges an Arbeit auf sich: exakt 3.592 Kinderbücher verwaltet sie – ganz alleine. Und zwar analog, noch mit Karteikarte. „Da brauch ich keinen Computer, da bin ich fix“, sagt sie und lacht.

Vor über 25 Jahren wurde die Bücherstube von einer Freundin Dollingers gegründet. Die holte die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin gleich mit ins Boot. Als die Freundin 2003 wegzog, wurde die Einrichtung zur One Woman-Show.

Wie gesagt: stolze 3.593 Bücher. Viele davon besorgte sie selbst, etwa auf Flohmärkten. Neuanschaffungen werden durch Spenden von Vereinen und Bürgern finanziert. „Selbst Kinder spenden ihre ‚ausgelesenen’ Bücher für andere Kinder bei uns“, lobt Dollinger.

Für sie selbst ist Lesen eine enorm sinnstiftende Sache: Daher weckt sie mit dem Vorlesen den Appetit auf Geschichten, Abenteuer und Wissen. Bis es die Kinder selber können. „Lesen fördert die Fantasie und das Sprachverständnis, man tut sich erfahrungsgemäß mit der Rechtschreibung leichter. Und nicht zuletzt kann man in Welten eintauchen, ohne das Haus zu verlassen.“

Also eine sehr brauchbare Fertigkeit während eines Lockdowns – doch muss gewährleistet sein, dass immer genug Lesestoff in der Bude ist. Darum hat Dollinger jetzt, wo das Vorlesen leider nicht möglich ist, zumindest eine „kontaktlose Ausleihe“ eingeführt: Die Kinder rufen sie an, teilen ihre Wünsche mit. Und Dollinger legt dann die gewünschten Titel in einer Kiste am Eingang ab. „Wer nicht weiß, was er will, kriegt ein Überraschungspaket.

Vorgeschlagen

Soviel Engagement hat sich natürlich auch in der Gemeinde rumgesprochen: Vermutlich sitzen sogar im Gemeinderat Menschen, die schon bei ihr als Kinder in der Bücherstube saßen. Es beeindruckt Michaela Dollinger weniger, dass sie mit dem Ehrenzeichen gewürdigt wurde. Viel mehr, dass sie von den Menschen ihrer Gemeinde dafür vorgeschlagen wurde: „Das finde ich wirklich sehr aufmerksam. Danke dafür.“

Zu Recht geschehen, findet Kinsaus Bürgermeister Marco Dollinger, der übrigens weder verwandt noch verschwägert ist. „Sie ist eine Frau, die sich engagiert – dabei immer völlig im Hintergrund bleibt. Sie ist genau die richtige Person für so eine Würdigung. Denn sie tut das nur für unsere Kinder.“

So war die Feierstunde mit Markus Söder in der Landeshauptstadt dann ein echtes Erlebnis; der Bürgermeister war, wie die Geehrte samt Gatte, eingeladen. Für sie am bemerkens­wertesten: „Als musikalische Begleitung gab es ein Saxophon-­Quartett, das eine Dame für Gehörlose unter den Anwesenden in Gebärdensprache übersetzte. Das war toll.“
Klaus Mergel

Das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten • Es ist für Personen, die sich durch ihre Aktivitäten in Vereinen, Organisationen und sonstigen Gemeinschaften mit kulturellen, sportlichen, sozialen oder anderen gemeinnützigen Zielen hervorragende Verdienste erworben haben: das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten. Er überreicht es entweder selbst oder beauftragt den Landrat damit; in diesem Jahr jedoch ist alles anders, der feierliche Rahmen für die Ehren­zeichen-Verleihung lässt sich pandemie­bedingt nicht umsetzen. Deshalb würdigt der KREISBOTE das herausragende ehrenamtliche Engagement der neuen Ehrenzeichen-Träger*innen im Rahmen einer Serie.

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