"Ein Tier, ein Fressplatz"

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Was man unternehmen kann, damit die Kuh sich wohlfühlt – darum ging es beim Milchviehtag des Landwirtschaftsamts. Im Stall von Peter Kaindl in Schöffelding geht es dem Fleckvieh offenbar besonders gut: Deshalb gab‘s 2014 das Qualitätssiegel für „Kuhkomfort“.

Landkreis – Zu eng, zu dunkel, zu schmutzig – dass in manchen Milchviehställen noch solche Zustände herrschen, wird von Verbrauchern, Politik und Wirtschaft immer weniger toleriert. Beim diesjährigen Milchvieh- und Grünlandtag des Landwirtschaftsamts Fürstenfeldbruck ging es deshalb unter anderem um das Thema, wie man Kühen bereits mit kleinen Maßnahmen das Leben angenehmer machen kann.

Die Veranstaltung richtete sich erstmals an Bauern aus den Landkreisen Landsberg, Fürstenfeldbruck und Dachau gemeinsam. Früher gab es für die Landsberger einen eigenen Milchviehtag in Pflugdorf und einen weiteren in Bergkirchen (Landkreis Dachau). Doch beide waren zuletzt so schlecht besucht, dass man die Veranstaltungen für alle drei Landkreise zusammenlegte, wie Martin Bräutigam vom Landwirtschaftsamt erklärte. Das Programm umfasste sechs Referate zu aktuellen Themen – von Lohnarbeitskräften bis hin zur Mäuseproblematik auf Äckern.

 Wie man bereits mit relativ geringem finanziellen Aufwand das Wohlbefinden und die Leistungsbereitschaft von Milchkühen steigern kann, interessierte im Türkenfelder Gasthaus Hartl etwa 40 Teilnehmer. „Es besteht Handlungsbedarf“, so Rinderhaltungs-Expertin Claudia Leicher von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Der Verbraucher verlange nach Tierwohl, die Politik fördere es und die Wirtschaft belohne es mit zahllosen Gütesiegeln.

Dass die meisten Milchviehställe in Bayern älter sind als 20 Jahre, ist laut Leicher schon allein deshalb ein Problem, weil Kühe heute größer werden als früher und entsprechend mehr Platz brauchen. Wünschenswert seien Laufställe, in denen sich die Tiere frei bewegen können. Sie brauchen breite Gänge zum Laufen, genügend Platz zum Fressen und Liegeflächen, auf denen sie auch mal die Position wechseln können. Damit ranghöhere Tiere den anderen nicht das leckerste Futter wegfressen, sollte die Regel „Ein Tier, ein Fress­platz“ gelten. Laufen möchte die Kuh als Steppentier auf einem weichen, federnden Untergrund – und nicht auf glatten Spaltenböden, die zu Klauenproblemen führen können. Wünschenswert sei außerdem Auslauf, so Leicher.

Am wohlsten fühlen sich Rinder bei einer Stalltemperatur zwischen vier und 16 Grad. „Bereits ab 24 Grad beginnen sie zu schwitzen und bekommen Hitzestress, besonders, wenn die Temperatur mit hoher Luftfeuchtigkeit einhergeht.“ Für ein besseres Stallklima sorgt eine Dachisolierung, aber auch eine „Kleinstmaßnahme“ könne schon helfen: „Fenster öffnen.“

Und diese auch putzen, denn in vielen Ställen sei es zu dunkel, was sich nachteilig auf die Milchleistung und die Fruchtbarkeit auswirkt. Da die Kuh dreimal so lange braucht wie der Mensch, um von hell auf dunkel umzuschalten, mag sie flackernde Stall­lampen gar nicht. Und nachts möchte sie Dunkelheit. Wer dann im Stall nur Rotlichtlampen einschaltet, macht es richtig, so Leicher. Denn Kühe nehmen rotes Licht nicht wahr – sie sehen nur Blau, Grün und Gelb.

Ulrike Osman

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