Fischaufstiegshilfe am Lech

Vorzeigeprojekt mit Fragezeichen

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Es geht aufwärts, zumindest für die willigen Lebewesen am Kauferinger Wasserkraftwerk. Eine neue Fischaufstiegsanlage soll dabei helfen, 14 Meter Höhenunterschied zu überwinden.

Kaufering – Heute Vormittag ist mit der Fischaufstiegsanlage am Kauferinger uniper-Wasserkraftwerk ein echtes Vorzeigeprojekt eingeweiht worden, das Ökonomie und Ökologie gekonnt verknüpfen soll. So sah es zumindest der eine Teil der zahlreichen Festredner aus Wirtschaft und Politik. Andere Gäste mahnten an, dass es sich dabei nur um einen kleinen Baustein handeln könne. Denn der negative Einfluss des Menschen in die Natur überwiege auch am Lech und in der Region nach wie vor.

Über 2,2 Millionen Euro hat das Unternehmen E.ON in den Bau der Fischaufstiegsanlage bei Kaufering gesteckt, teilt Pressesprecher Theodoros Reumschüssel mit. Oder nun eben uniper, denn die komplette Wasserkraftsparte wurde jüngst vom Mutterkonzern abgenabelt, wie Dr. Klaus Engels erklärt. Er leitet den Bereich Wasserkraft im süddeutschen Raum und berichtet: „Struktur und Führung bleiben gleich“, nur der Name wurde geändert.

Seit 1975 erzeugt das Kraftwerk in Kaufering Strom. Aktuell ungefähr 80 Millionen Kilowattstunden jährlich und damit rein rechnerisch genug, um 24.000 Haushalte zu versorgen. Baubeginn der Maßnahme, die sich in eine Reihe mehrerer Investitionen eingliedert, war im November 2014. Nach eigenen Angaben kostet die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie den Energiekonzern insgesamt einen dreistelligen Millionenbetrag.

In Kaufering war der Bau der Fischaufstiegshilfe notwendig geworden, um unter anderem Huchen und Barbe auf ihrem Weg flussaufwärts an der Staumauer vorbeizulotsen und 14 Meter Höhenunterschied für die Wasserlebewesen passierbar zu machen. Heute Vormittag folgte die offizielle Einweihung.

Fünf Teilabschnitte

Die Anlage gliedert sich in fünf Teilabschnitte, die sich in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk (Punkt 6 in der Abbildung) befinden und zusammen 850 Meter lang sind. Nach dem Einstieg folgt ein sogenannter „Vertical Slot-Pass“ (1), also ein Komplex, der aus 63 Teilbecken besteht, jeweils mit einem Höhenunterschied von je elf Zentimetern zum Vorgänger. Damit überwinden die Tiere bereits im ersten Abschnitt gut sieben Meter Höhendifferenz. Gemütlicher geht es da schon in der 400 Meter langen Bachstrecke (2) zu , die naturnah ausgestaltet sein soll. Mit Totholz, Kiesnestern und Wasserpflanzen sei sie ein optimaler Wanderkorridor und „ein großzügiges Rückzugs-, Laich- und Aufzuchtshabitat für diverse Wasserlebewesen“, wie Reumschüssel mitteilt. Es folgt ein 80 Meter langes Raugerinne (3) zur weiteren Höhenüberbrückung, „ebenfalls ein attraktiver Lebens- und Rückzugsraum“. Über einen erneut 80 Meter langen Verbindungsbereich (4), bestehend aus Rohren und einem U-förmigen Trog gelangen die Tiere zum Ausstiegsbauwerk mit 13 Becken und den final zu meisternden eineinhalb Metern Höhenunterschied (5).

Engels bezeichnete die Kauferinger Anlage als „Vorzeigeprojekt“, mahnte aber gleichzeitig an, dass die Wirtschaftlichkeit der Stromerzeugung durch Wasserkraft in Bayern nach aktueller Lage nicht mehr gegeben sei. Denn eine Förderung, die der anderer erneuerbarer Energien entspreche, sei ebenso wenig vorzufinden, wie die Würdigung des einhergehenden Hochwasserschutzes. Auch der Müllentsorgung, die durch Schwemmgut notwendig werde und dem Mehrwert, den Stauseen und Wehre als „Naherholungsgebiete“ darstellten, komme zu wenig Wertschätzung zu.

Problem Fischabstieg

Staatssekretär Franz Josef Pschierer vom bayerischen Ministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie sprach ebenfalls von einem „Vorzeigeprojekt“ in Kaufering, Wasserkraft brächte Ökonomie und Ökologie bestens in Einklang. Das sahen einige Festredner jedoch etwas kritischer. So etwa Franz Geiger, Präsident des oberbayerischen Fischereiverbands. Er betrachtete den Schaden, den die Stromerzeugung durch Wasserkraft hervorrufe, als größer denn den Nutzen. „Der Schwellenbetrieb an Staustufen stellt einen nachhaltig negativen Einfluss dar.“

Michael Asam, oberbayerischer Bezirkstagsvizepräsident, mahnte an, dass die Zielsetzungen der Wasserrahmenrichtlinie bei Weitem noch nicht überall umgesetzt seien. Das Problem des Fischaufstiegs sei nun zwar zumindest in Kaufering mutmaßlich gelöst, wenngleich Langzeitergebnisse endgültigen Aufschluss geben könnten. Doch der Fischabstieg stelle nach wie vor eine dringend zu lösende Aufgabe dar. Denn die Sterberate bei den Wanderungen fluss­abwärts beziffern Experten mit 80 bis 90 Prozent.

Rasso Schorer

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