Pfusch beim Wegebau?

Recycling-Mosaik auf Feldwegen

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„Nichts Besonderes, da hat was mit dem Material nicht gepasst“, umschreibt Bürgermeister Klaus Flüß die Wegebauausführung auch im Wasserschutzgebiet. Was dort nach wie vor liegt, zeigt diese kleine Sammlung nach nur fünfminütigem Spaziergang.

Stoffen – Mit Pfusch beim Wegebau muss sich derzeit die LEW-Verteilnetz GmbH im Pürgener Ortsteil Stoffen herumschlagen. Ein Landsberger Tiefbau- und Recyclingunternehmen hat nach dem Verlegen eines Erdkabels „minderwertiges Material“ eingebracht. Und weil das größtenteils in einem Wasserschutzgebiet geschah, muss es auf Anordnung des Landratsamts ausgetauscht werden. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt inzwischen.

Als Landrat Thomas Eichinger, Pürgens Bürgermeister Klaus Flüß und Landsbergs Stadtrat Berthold Lesch im Oktober vergangenen Jahres das neue Umspannwerk zwischen Stoffen und Lengenfeld mit LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann besichtigten, hätten sie gewiss nicht geglaubt, dass sie dieses Thema noch einmal beschäftigen würde. Rund fünf Millionen Euro investierte die LEW-Verteilnetz GmbH in die „Verbesserung der regionalen Stromversorgung“, baute das Umspannwerk und schloss es an das bestehende an der Lech- staustufe 13 bei Dornstetten an – via 110-kV-Erdkabel.

Die Trasse auf Pürgener und Landsberger Flur ist rund sechs Kilometer lang und verläuft in erster Linie entlang bestehender Feld- und Waldwege und durchschneidet im Süden Stoffens ein Wasserschutzgebiet. Allein das erfordert, dass bei der Instandsetzung der Wege (insgesamt rund zwei Kilometer) „besonders strenge Auflagen“ für das verwendete Material (rund 1000 Tonnen) gelten. Dessen war man sich bei den LEW bewusst und schrieb bei der Auftragserteilung an den Tiefbauer aus Landsberg „Mineralbeton“ (gebrochener Kies) vor. Doch der griff offensichtlich auf Recyclingmaterial aus dem eigenen Schredder zurück. Das belegen eindeutig die Beton-, Stahl-, Glas- und Kunststoffreste auf den Stoffener Wegen, die weder aufmerksamen Spaziergängern entgingen noch den Beteiligten bei der Ende November geplanten Bauabnahme.

Auf den ersten Blick sei bei dem Termin mit Vertretern der Gemeinde zu erkennen gewesen, dass „minderwertiges Material“ verwendet wurde, sagt LEW-Sprecherin Carolin Patzner. Dies sei dann auch von einem Gutachter bestätigt wor- den. In der Folge forderte der Energieversorger das Tiefbauunternehmen auf, den Auftrag wie vereinbart auszuführen, das Material also auszutauschen.

Parallel dazu erfolgte eine Anzeige bei der Unteren Umweltschutzbehörde im Landratsamt. Pressesprecherin Anna Diehm führt auf Anfrage des KREISBOTEN aus: Es wurde „Recyclingmaterial“ eingebracht, das in einem Wasserschutzgebiet einfach nicht erlaubt sei. Die Kreisbehörde habe daraufhin einen „Rückbau unter Aufsicht“ angeordnet. Welche Bestandteile der geschredderte Bauschutt enthält, vermochte Diehm nicht zu beantworten. Fakt ist, dass der Materialaustausch immer noch nicht abgeschlossen ist.

Dem werde man im Wasserschutzgebiet „aus unserer Vorsorgepflicht“ auch nachkommen – „nach Vorliegen der Zug um Zug vorzunehmenden Bodenuntersuchungen“, räumt Werner Kolhöfer auf Nachfrage ein. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Baustoffwerk- und Maschinenvermietung KG weist die Vorwürfe von Auftraggeber und Kreisbehörde „entschieden zurück“. Aus seiner Sicht sei das von LEW ausgeschriebene Material verwendet worden. Dass ein Teil der Wege in einem Wasserschutzgebiet liege, sei ihm „nicht bekannt gemacht“ worden. Kolhöfer wörtlich: „Für eine unpräzise Ausschreibung weisen wir jegliche Haftung zurück.“

"Was nicht gepasst"

Der Vorgang beschäftigt auch einige Stoffener, die sich jüngst auf der Bürgerversammlung an ihr Gemeindeoberhaupt wandten. Dessen Ausführungen zur Sache selbst ließen aber noch einige Fragen offen. Auch die Nachfrage des KREISBOTEN beantwortet Klaus Flüß recht kurzsilbig: Da sei nichts Besonderes, gibt er vor, „da hat halt was mit dem Material nicht gepasst“. Zuständig sei allein das Landratsamt. Dem ist inzwischen aber nicht mehr so: Seit Ende März läuft gegen den Landsberger Tiefbauer und Recycler ein Ermittlungsverfahren. „Wir prüfen, ob dem Unternehmen beim Verfüllen der Verlegegräben ein Umweltdelikt zur Last gelegt werden kann“, so Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai, und ob der Vorgang „strafrechtliche Relevanz“ habe.

Derweil pocht die LEW Verteilnetz GmbH auf Auftragserfüllung. So muss das Unterneh- men aus der Lechstadt das „minderwertige Material“ nicht nur im Wasserschutzgebiet (wie vom Landratsamt gefordert), sondern auch in den Bereichen außerhalb davon (Landsberger Flur eingeschlossen) austauschen. Bis dahin nehme man die Leistung nicht ab, stellt Carolin Patzner klar. Und: „Diese Firma werden wir sicher nicht mehr beauftragen.

Toni Schwaiger

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