Seehofer im Festzelt

Auf Seiten der Sieger

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CSU-Landratskandidat Thomas Eichinger, MdL Alex Dorow, Bezirktagspräsident Josef Loy und MdL Dr. Thomas Goppel feierten auf der Landsberger Wiesn gemeinsam mit Ministerpräsident Horst Seehofer und CSU-Generalsekretöt Alexander Dobrindt.

Landsberg – Einen Ministerpräsidenten in Glanzform erlebten die Zuhörer im Landsberger Festzelt. Horst Seehofer hatte sein Publikum fest in der Hand. Seine Rede lässt sich einfach zusammenfassen: Bayern ist „Power-Region“, SPD und Grüne „können es nicht“, „Deutschland ist gut, Bayern ist besser.“

In seiner Wahlkampfrede verkaufte Seehofer sogar die eigentlich höchst unpopuläre Pkw-Maut-Idee seines Generalsekretärs Alexander Dobrindt geradezu genial: „Das wird man wohl noch sagen dürfen: Wenn wir Bayern in fast ganz Europa Maut bezahlen, wird es höchste Zeit, dass die anderen auch bei uns bezahlen“, so der 63-Jährige, der zwar die üppige Brotzeit an seinem Tisch nicht ausschlug, seinen Bierkrug während der gut einstündigen Rede allerdings nicht anrührte. Neben einer Mütterrente sei die Maut eine zwingende Voraussetzung für die nächste Regierungsperiode im Bund. „Ohne die unterschreibt ein Horst Seehofer den nächsten Koalitionsvertrag nicht.“ Dafür gab´s rauschenden Beifall – und Seehofer versprach: „Die Einnahmen werden ausschließlich in Verkehrsprojekte fließen. Da ist viel zu tun, sowohl auf der Straße als auch bei der Bahn.“

Ministerpräsident Horst Seehofer hielt in Landsberg eine rund einstündige Festrede.


Für die scharfen Töne war ansonsten erwartungsgemäß aber mehr Dobrindt zuständig, der sich bei OB Mathias Neuner bedankte: „Er hat das Amt in einer schwierigen Zeit übernommen. Die Sozialdemokraten haben die Stadt ruiniert, aber du gibst ihr neuen Glanz.“ Das gefiel den gut 700 Zuhörern, unter ihnen viel lokale CSU-Prominenz, auch Landratskandidat Thomas Eichinger. Seehofer verlegte sich dann mehr darauf, den Freistaat zu loben. „Das betrifft aber nicht die Politik, das haben Sie alles geschaffen.“ Bei der Aufzählung des Politikers merkte er durchaus selbst, dass er quasi einen Garten Eden schilderte: Wirtschaft, Finanzen, Bildung, Kultur, Gesellschaft – überall sei Bayern „top“. Dazu komme die lange Tradition, die man pflege wie niemand sonst. „1500 Jahre, wer hat denn in Deutschland so etwas vorzuweisen? Diese ganzen Bindestrich-Länder jedenfalls nicht.“

Auch im Ausland werde Bayern beneidet, meinte Seehofer, der dazu zwei Anekdoten parat hatte. „Die Protokolldame“ in Portugal habe ihn gefragt, ob Bayern nicht ein selbstständiger und unabhängiger Staat sei, anders sei die immense Wirtschaftskraft doch nicht zu erklären. „Ich habe die Frage so beantwortet, dass sie es immer noch glaubt“, plauderte der Ministerpräsident aus dem Nähkästchen und hatte auch noch ein Zitat von François Hollande. Als der neue französische Staatschef München besuchte, wo er einst studierte, sei der aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen. „Das dreistündige Gespräch drehte sich fast nur darum, dass sich die Dinge hier völlig verändert haben. Er hat immer wieder gefragt, wie Bayern das in nur 40 Jahren geschafft hat.“

Für Seehofer natürlich alles Gründe, wieder die CSU zu wählen, zumal die politische Konkurrenz aus seiner Sicht vor allem grobe Ungerechtigkeiten plane. „In den Zeiten der höchsten Steuereinnahmen weitere Steuererhöhungen zu planen, ist eine Todsünde.“ Die von der Opposition ins Gespräch gebrachte Steuer auf das Betriebsvermögen, unabhängig von der Gewinnsituation, sei „geradezu eine Arbeitsplatzvernichtungsmaschine gigantischen Ausmaßes“.

Dann doch lieber so, wie Seehofer selbst die Politik seiner Partei schilderte. „Wir haben schon 2,5 Milliarden Altschulden zurückgezahlt, das sind zehn Prozent, und wir werden das erste Land in Europa sein, das alle Altschulden zurückbezahlt hat.“ Dafür sei auch die solide Finanzpolitik verantwortlich. „Ich weiß, dass mein Finanzminister eine volle Schatz-kiste hat, aber nur er weiß, wieviel drin ist. Jedesmal, wenn ich wegen einem wichtigen Projekt zu ihm komme, sagt er mir, dass das jetzt seine letzte Patrone sei. Aber ich bin ja froh, wenn nicht alles verpulvert wird, nur weil gerade Wahljahr ist. Denn eine Ortsumgehung oder eine Technikerschule können Sie da immer irgendwo bauen, wenn Sie wollen.“

Das Verhältnis zur Bundesregierung streifte Horst Seehofer an diesem Abend nur kurz. „Viele sagen ja, Bayern könnte es auch alleine. Und wir bräuchten diese Nabelschnur nach Berlin nicht. Aber ich sage ausdrücklich, wir haben eine gute Kanzlerin, mit der ich ausgezeichnet zusammenarbeite.“ Wie das im Einzelnen aussieht, sorgte für Gelächter im Zelt. „Da können Sie sich auf zwei Arten durchsetzen. Entweder sie kommen mit einem der vielen tausend grünen Zettel, die noch der Stoiber gekauft hat und von denen noch genügend in der Staatskanzlei da sind. Wenn sie den Zettel haben will, haben sie mit den Argumenten gewonnen. Ansonsten gibt es noch den Sieg durch Erschöpfung.“

Auch das Ende seiner Ansprache würzte Horst Seehofer mit Ironie. Bayern habe in seiner Geschichte immer auf der Seite der Sieger gestanden. „Falls nicht, haben wir danach eben die Seiten gewechselt.“ In einem großen Standard-Geschichtswerk werde das als „historischer Weitblick“ gelobt. „Mir sagt man ja auch nach, dass ich mal hier und mal da zu finden sei“, so Seehofer. „Ja, hoffentlich muss ich nicht sterben oder in den Ruhestand treten, bevor jemand merkt, dass das auch historischer Weitblick ist.“

Christoph Kruse

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