Tierisch gut

"Mit und ohne Viecher" in der Säulenhalle

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Statt einer Einführung moderierte bei der gestrigen Vernissage der Bildhauer Bert Praxenthaler (2. von rechts) ein Künstlergespräch mit Gregor Netzer, Elke Jordan und Andreas Joerißen (von lilnks). 

Landsberg – Es sind grundverschiedene Arbeiten, die sich perfekt zum harmonischen Ganzen vereinen. Einerseits großformatige Landschaften – ohne Viecher –, daneben gedruckte Tierkörper und Aquarelle – eindeutig mit Viechern – sowie Holzskulpturen von Menschen – oder ganz anderen Viechern. Die Künstler Elke Jordan, Andreas Joerißen und Gregor Netzer bespielen mit ihrer beeindruckenden Ausstellung „Mit und ohne Viecher“ noch bis 7. Mai die Landsberger Säulenhalle.

Die Arbeiten der Künstler sind nicht sortiert. Vielmehr spielt die Hängung mit den großformatigen Landschaften Jordans, durchsetzt von Netzers Nekrographien und kleinformatigen Aquarellen. Den Raum gestalten Joerißens Skulpturen. Bei denen dem Beobachter sogleich Hieronymus Bosch einfällt – bei seinem „Geheimnis“, einem Viech im Ei, auf angewinkelten Beinen staksig stehend. Joerißen kommt aus Breberen – 100 Kilometer entfernt von ’s-Hertogenbosch, dem Geburtsort von Hieronymus Bosch. Seine Holzskulpturen sind farbig gefasst. Beispielsweise der „Philosoph“ im nachtblauen Bademantel, der „sein Wissen auf dem Kopf trägt“, sagt Joerißen im Künstlergespräch, das der Epfenhausener Bildhauer Bert Praxenthaler statt einer Einführung für die Gäste der Vernissage moderiert.

Seine Figuren entständen im Kopf, erzählt Joerißen, „dann werden sie zu einem Auftrag“. Wofür er sich ganz bestimmte Hölzer sucht: Bäume, die auf Schlachtfeldern der Weltkriege standen und wegen der Granatsplitter nicht für den Bau verwendet werden können – somit „Projektile beinhalten, die keinen Menschen verletzt haben“, betont der Künstler.

„Die Nekrographien von Gregor Netzer gleichen Abdrücken von Körpern, die mit ihrer Substanz als ‚heiliges Bild‘ bleiben“, formuliert Praxenthaler, wie bei heiligen Grab- und Schweißtüchern. Bei Netzer sind es aber tote Tiere, die der Landsberger mittels Graphitabdruck auf Papier bannt. Dabei dienten die Substanzen des jeweiligen Tieres – die schleimige Haut eines Fisches, das Fett im Schweinekörper – als Bindemittel für das Graphit. Zu fragen sei, wer das Bild gemacht habe, „ich oder das Tier?“Auch ‚tierische‘ Aquarelle malt Netzer: „Ich versuche, das Viech so gut wie möglich abzubilden.“ Eine Gemeinsamkeit beider Techniken sei die Zeit: „Bei mir muss es schnell gehen. Das Tier ist da, es wird gemalt, nekrographiert. Und dann gegessen.“

Auch bei Jordans Bildern sieht Praxenthaler eine Substanz des gemalten Objekts. Denn Jordan arbeitet mit Sand aus der umgesetzten Landschaft. Ihre Bilder erinnerten ihn an Caspar David Friedrich, sagt Praxenthaler. Jordan malt ihre lichten, manchmal düsteren, manchmal heiteren Landschaften „nie vor Ort. Ich will die Stimmung, die ich in diesen Landschaften erfahren habe, im Bild wieder aufleben lassen“, beschreibt die Künstlerin. Für die filigrane Struktur arbeitet sie Erden mit ein. Und zwar ‚Originale‘, Sand aus Afrika oder der Moorlandschaft, die einige ihrer Arbeiten zeigen. Bestechend ist in allen ihren Werken die Weite, die Möglichkeit, den Blick schweifen zu lassen. Um sich so im Bild verlieren zu können.

Susanne Greiner

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