Wirbel um Stadtführungs-Flyer

"Es geht nicht ums Anschwärzen"

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"Mit der Stadthex' durch die Nacht": Die Preußenhex’ (Karla Schönebeck, links) und die Hexe Amali (Sieglinde Soyer) erzählen vor der Stadtmauer interessante und schaurige Landsberger Geschichten.

Landsberg – Die Tourist-Info der Stadt soll künftig enger mit dem „Landsberger Gästeführerverein am Lechrain“ zusammenarbeiten. Darum bat der Stadtrat in seiner Januarsitzung, als es um die neuen Gebühren für die Stadtführungen ging. Doch davon scheinen die Beteiligten aktuell weiter entfernt denn je. Öl ins Feuer schütten auch noch zwei städtische Mitarbeiter mit einem Verbal-Angriff auf Grünen-Rat Henrik Lüßmann.

Auslöser des Disputs waren die kritischen Töne Lüßmanns im Plenum: „Wenn man im Rathaus nach dem Flyer des Gästeführervereins fragt, wird einem gesagt, dass das ja die Konkurrenz sei.“ Dem widersprach die Leiterin der Tourist-Information noch in der Ratssitzung: „Das sollte nicht so sein, auch der Verein kann bei uns auslegen“, so Ira Wild. „Wir sollten die Stadt einheitlich nach außen vertreten“, meinte auch Oberbürgermeister Mathias Neuner. Immerhin bestehe der Gästeführerverein zum Teil aus ehemaligen städtischen Stadtführern und habe sich vor Jahren „selbständig“ gemacht.

Gleichwohl ließ es das Stadtoberhaupt nicht dabei bewenden. Neuner bat Henrik Lüßmann, Stellung zu dem Thema zu nehmen, „damit man dem hausintern nachgehen“ könne, so Pressesprecher Andreas Létang auf Nachfrage des KREISBOTEN. Doch der Grünen-Rat weigert sich. Er werde den Namen jener Person in der Tourist-Info, die diese Äußerung getä- tigt habe, nicht nennen. „Mir geht es nicht darum, jemanden anzuschwärzen oder ihm seine Kompetenz abzusprechen.“

Vielmehr gehe es ihm, Lüßmann, um ein besseres Verhältnis zwischen Stadt und Gästeführerverein. Das komplette Stadtführungsangebot, auch das der früheren IKG-Schülerfirma „Comedis – Das Veranstaltungsteam“, damals betreut von Axel Flörke, soll in der Tourist-Info „aktiv angeboten“ werden. Seine „konstruktive Kritik“ habe anscheinend gefruchtet, freut sich Lüßmann, der Flyer des Gästeführervereins liege inzwischen aus. Das bestätigt auch dessen Vorsitzende Sieglinde Soyer.

"Unwahrheit"

Trotz der offenkundig ersten Wendung zum Positiven ist die Stimmung in der Tourist-Info wohl nach wie vor angespannt. So wandten sich zwei Mitarbeiter am Freitag an die Presse. Sie baten darum, ihren „Leserbrief“ noch vor der Stadtratssitzung am heutigen Mittwoch zu veröffentlichen. Sie widersprechen darin vehement der Lüßmann-Darstellung und bemängeln, dass er es auch nach 14 Tagen noch „nicht für nötig gefunden“ habe, „die Unwahrheit richtigzustellen“.

Damit aber nicht genug: „Da bewahrheitet sich wieder einmal der Spruch, ,was scheren mich meine Worte, die ich gestern gesagt habe’“, heißt es in dem Papier weiter. Dieses Verhalten sei „einem Stadtrat nicht würdig“, befinden die städtischen Angestellten und schließen ihre Ratsschelte mit den Worten: „Hoffentlich stimmt dies seine (Lüßmann, d. Red.) Wähler nachdenklich.“

Derlei Töne bedürfen natürlich einer Nachfrage beim Pressereferat. Dort zeigt man sich überrascht von dem „Leserbrief“, will sich dazu aber nicht äußern. Allerdings: „Die beiden Mitarbeiter, die sich persönlich angegriffen fühlen, haben über den Dienstweg einen Apell an Stadtrat Lüßmann gerichtet, sich ihnen gegenüber zu erklären und zu entschuldigen“, so Létang. OB Neuner habe den Grünen-Rat „ein weiteres Mal schriftlich aufgefordert, sich zu erklären“.

Etwa 30 Minuten nach der Anfrage des KREISBOTEN zogen die beiden städtischen Verfasser ihre Einlassungen zur Person Lüßmann und zur Sache wieder zurück. Der Gescholtene selbst will darauf nicht näher eingehen und betont erneut, dass er sich für die Zukunft einen Flyer wünscht, in dem die Stadtführungen aller drei Anbieter – Stadt, Gästeführerverein und Comedis – gleichberechtigt vertreten sind.

Sieglinde Soyer hat da wenig Hoffnung: „Wir haben keine Erfahrung mit der Tourist-Info, lediglich ein Schreiben, dass man mit uns nicht zusammenarbeiten möchte, da man mit Comedis sehr zufrieden ist.“

Toni Schwaiger/Christoph Kruse

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