Schondorfs geflügelte Bank

Schondorf präsentiert die erste Mitfahrerbank im Landkreis

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Probesitzen auf der ersten Mitfahrerbank im Landkreis (von links): Peter Raithel vom Spender-Verein Gemeinsam, Sabine Pittroff vom Initiatoren-Team Mobi-LL und Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann.

Schondorf – Das Leben in der Ammersee-Region kann paradiesisch sein. Vorausgesetzt, man verfügt über einen motorisierten Untersatz, um von A nach einem weiter entfernten B zu kommen. Für Senioren, Jugendliche und auch Familien, die sich kein Auto leisten können, wird selbst der Einkauf im Nachbardorf oder ein Arztbesuch in der Stadt zur logistischen Herausforderung. Sie sind angewiesen auf den spärlichen öffentlichen Nahverkehr oder auf Freunde, Verwandte und Nachbarn. In Schondorf gibt es jetzt eine alternative Möglichkeit, auch ohne Auto mobil zu sein: die Mitfahrerbank.

Zentral an der Ecke Greifenberger/Schondorfer Straße gegenüber der Bäckerei Manhart wurde jetzt diese „Mitfahrerbank“ installiert. Wer zum Beispiel Richtung Dießen, nach Landsberg, München oder zur S-Bahn nach Türkenfeld will, setzt sich einfach auf die Bank und klappt das Schild mit dem Wunschziel aus. Mitinitiatorin Sabine Pittroff ist sicher, dass es genügend freundliche Autofahrer gibt, die hier anhalten und die Leute mitnehmen werden. Bei der Übergabe setzte sich Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann testweise auf die Bank und sofort hielt eine Autofahrerin, die den prominenten Gast gerne mitgenommen hätte.

Herrmann wünschte dem Projekt viel Erfolg und zeigte sich stolz, dass dies die erste Mitfahrerbank im gesamten Landkreis Landsberg ist. Er hoffe jetzt auf viele Nachahmer und natürlich auf „Gegenbänke“, die die Leute wieder zurück nach Schondorf bringen.

Bank zahlt Zinsen

Sabine Pittroff dankte der Gemeinde für das Entgegenkommen bei der Genehmigung und auch den Sponsoren. Allen voran Peter Raithel vom Verein Gemeinsam, der 1.000 Euro gespendet hat. Das Compcut Design-Studio stellte die Schilder her und die „AmmerseeMücken“ steuerten die Farbe bei. Der Schondorfer Künstler Tommi Lenhart hat die Bank schließlich entworfen. Das heimische Holz der Esche wurde im Thermoverfahren veredelt und dadurch haltbarer gemacht. Das Logo mit der geflügelten Bank soll als Wiedererkennung bald im ganzen Landkreis zu sehen sein, so der Wunsch von Pittroff und ihren Mitstreitern.

Aus Dießen, Finning und Utting hätten sich bereits Interessenten gemeldet, die das Projekt kopieren möchten. Wer sich dieser Idee anschließen will, kann sich unter der E-Mail-Adresse mitfahrerbank@mobi-ll.de informieren.

Die Gruppe Mobi-LL, die bereits mit dem Mobilitätsforum in Dießen auf sich aufmerksam gemacht hat (wir berichteten), sieht die Mitfahrerbank nicht nur menschenfreundlich, sondern auch ökologisch sinnvoll. Sie könne für Autofahrer ein Anstoß sein, das eigene Handeln auf Umweltverträglichkeit zu überprüfen. „Unsere Bank zahlt Zinsen an die Umwelt und ist auch ohne Fahrplan 24 Stunden am Tag geöffnet“, so Sabine Pittroff. Mobi-LL ist ein Zusammenschluss von Bürger-/innen vom Ammersee-Westufer bis Windach, die sich insbesondere um mobile Alternativen zum eigenen Auto im Landkreis Landsberg engagieren. Man möchte die Mobilität im ländlichen Bereich klimaverträglich, sozial und ressourcenschonend verbessern.

Die erste Mitfahrerbank entstand übrigens in den 90er Jahren im Eifelort Speicher. In Bayern gibt es bereits einige solcher Projekte, zum Beispiel in Irschenberg und Oberammergau.

Dieter Roettig

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