Gegen die Billigkonkurrenz

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Eine Urkunde zum 100-jährigen Bestehen ihres Schreinerbetriebs erhielten Ubald (2. v. l.), Mario (3. v. l.) und Michael Sedlmair aus Utting. Landrat Thomas Eichinger (links) und Kreishandwerksmeister Michael Riedle (rechts) gratulierten.

Epfach – 2013 war ein gutes Jahr für das regionale Handwerk, 2014 wird ein noch besseres – diese gute Nachricht, die Michael Riedle bei der Mitgliederversammlung der Kreishandwerkerschaft verkündete, ist allerdings mit einigen Einschränkungen behaftet. 

Denn es steigen zwar die Umsätze der Betriebe, die Gewinne aber nicht unbedingt, so der Kreishandwerksmeister. Außerdem drohen offenbar neue Deregulierungsbestrebungen aus Brüssel.

Zu diesem Thema referierte Dr. Frank Hüpers, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Die EU-Kommission habe eine Untersuchung der reglementierten Berufe in Europa angestoßen, die in Deutschland unter anderem 41 zulassungspflichtige Handwerke betreffe. Hüpers hält es für ausgemacht, dass die EU eine weitere Liberalisierung der Handwerksordnung anstrebt – dies nur zehn Jahre nach der jüngsten Novellierung, und obwohl diese bereits zu „desaströsen Erfahrungen“ geführt habe. 

In den liberalisierten Branchen habe eine Dequalifizierungsspirale eingesetzt, so Hüpers. Es finde dort so gut wie keine Ausbildung mehr statt, und die Qualität der geleisteten Arbeit sei gesunken. „Ich möchte Sie wachrütteln“, so Hüpers an die Adresse der regionalen Handwerksmeister. Man müsse gegen die neuen Vorstöße aus Brüssel vorgehen. Die Handwerkskammer sei dabei, dem Bundeswirtschaftsministerium Argumente für eine Beibehaltung der bestehenden Regelungen, insbesondere des Meistervorbehalts, zu liefern. Hüpers weiter: „Wer jetzt schläft, wird sich bald von Billigkonkurrenz umringt sehen.“ 

Ein verstärktes politisches Engagement seiner Kollegen forderte auch Michael Riedle. In den Parlamenten – gleich, ob auf kommunaler Ebene, im Land oder im Bund – säßen aber kaum Handwerker. Riedle prangerte auch den ausufernden Bürokratismus an, übrigens auch auf Seiten der Handwerkskammer. „Was München mit uns macht, ist grausam.“ Immerhin: Die aktuelle Stimmung im Handwerk sei gut. „Uns geht’s nicht schlecht, wir haben Aufträge“, so Riedle. Allerdings herrsche ein gewisser Preisdruck, während auf der anderen Seite die Betriebskosten ansteigen würden. An die Adresse des Landkreises, der in Gestalt von Landrat Thomas Eichinger im Epfacher Gasthaus Zur Sonne vertreten war, richtete Riedle die Bitte, die gymnasiale Bildung nicht noch weiter auszubauen. Schon jetzt gebe es zu viele Abiturienten, während das Handwerk sich bei Suche nach Nachwuchs zunehmend schwertue. 

Eichinger selbst würdigte in seinem Grußwort die Rolle des Handwerks in der Region. Es sei das Rückgrat der Wirtschaft im Landkreis und wesentlicher Teil der gesunden Struktur. Durch eine weitere Stärkung des Berufsschulzentrums wolle man auch für den Handwerksnachwuchs attraktiv bleiben. Eine Ehrung ging im Rahmen der Mitgliederversammlung an die Schreinerei Ubald Sedlmair in Utting aus Anlass ihres 100-jährigen Bestehens.

Ulrike Osman

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