Haft- und Geldstrafe für Landsberger Pärchen

Hoeneß-Fotos mit dem Spionage-Kuli

+
Mit einem von seiner Frau (40) in die JVA Landsberg (Foto) geschmuggelten Spionage-Kugelschreiber hat ein Mithäftling Bayern-Boss Uli Hoeneß (kleines Foto) "im Haftalltag" fotografiert und gefilmt.

Landsberg – Die Haftzeit von Uli Hoeneß in der JVA Landsberg hatte in der vergangenen Woche ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Landsberg. Angeklagt waren ein damaliger Mithäftling und seine Frau. Der Mann hatte den Bayern-Boss heimlich fotografiert, die Frau verkaufte die Bilder an die Presse.

Als Hoeneß im Juni 2014 seine Gefängnisstrafe in der Lechstadt antrat, witterte der aus dem Landkreis stammende Mithäftling offenbar die Chance auf das große Geld. Wie im Krimi ließ er sich von seiner 40-jährigen Frau einen Kugelschreiber in die JVA schmuggeln, in dem eine Digitalkamera versteckt war. Damit machte der 48-Jährige Fotos von Hoeneß im Haftalltag – über Monate hinweg. Die Staatsanwaltschaft ging von einem Tatzeitraum zwischen Juli 2014 und März 2015 aus. In einem Fall entstand sogar eine Video-Ton-Sequenz.

Zwei Bilder sowie die Filmaufnahme bot die Frau später den Medien zum Kauf an. Es flossen 2.500 Euro sowie ein Geldbetrag in unbekannter Höhe, wie es in der Anklageschrift heißt. An die Öffentlichkeit gelangen die Fotos trotzdem nicht. „Die Zeitungen wussten, wie teuer es für sie werden würde, wenn sie darauf eingehen würden“, sagte Hoeneß Anfang des Jahres unter anderem in einem Interview mit der Zeitung Die Welt. Es sei für ihn hart gewesen zu erfahren, „dass Leute, mit denen ich zuvor Karten gespielt hatte, probierten, mich unter der Dusche oder sonstwo zu fotografieren“. Im Gefängnis habe ihn seine eigentlich gute Menschenkenntnis verlassen. „Man kann dort wenigen Menschen trauen. Du hast es mit Leuten zu tun, die teilweise gute Schauspieler sind“, so der 65-Jährige in dem Interview.

Gegen das Ehepaar, das ihn in der JVA Landsberg ausspioniert hatte, stellte er Strafantrag. Zur Verhandlung in Landsberg brauchte der Bayern-Boss aber nicht zu erscheinen, denn die Angeklagten waren laut Amtsgerichtssprecher Alexander Kessler „voll geständig“. Wegen Verstoßes gegen das Bundesdatenschutzgesetz, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und der Vertraulichkeit des Worts wurden die beiden zu Freiheitsstrafen verurteilt. Der Mann muss für ein Jahr und zwei Monate hinter Gitter. Die Frau kam mit einer Bewährungsstrafe von acht Monaten davon und muss 1.500 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Behörde zieht es in den Osten
Behörde zieht es in den Osten
Okay für Magic Lake
Okay für Magic Lake
Landflucht als Fremdwort
Landflucht als Fremdwort

Kommentare