Geschichte anders erleben

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Die Mittelschüler griffen dem Archäologenteam für einige Tage unter die Arme. Für viele war es die erste Begegnung mit dem Thema „Holocaust”.

Landsberg – Die „dunkle Geschichte in einer sonst hellen Stadt” wollen Schüler der Mittelschule Landsberg mit ihrem „denkmal aktiv”-Projekt zum Leben erwecken. Zwei Wochen lang waren deshalb nun die Schüler von fünf 8. und einer 9. Klasse an den archäologischen Ausgrabungen im ehemaligen KZ-Außenlager Kaufering VII beteiligt. Die Ergebnisse sollen anschließend umfassend vorgestellt werden.

Seit einigen Jahren nimmt die Mittelschule Landsberg immer wieder an dem Projekt „denkmal aktiv” teil. Im nächsten Schuljahr will man sich nun mit „unbequemen Denkmälern” auseinandersetzen (siehe oben). Die Schüler wollen sich vor allem mit den KZ-Außenlagern rund um Landsberg beschäftigen. Schwerpunkt wird das ehemalige Lager Kaufering VII an der Erpftinger Straße sein, wo sich die Mittelschüler gerade an den archäologischen Ausgrabungen beteiligen. 

Mittelschule trifft Archäologie

Entwickelt habe sich die Mitarbeit der Jugendlichen an den archäologischen Ausgrabungen recht „eigendynamisch”, beschreibt Schulleiter Christian Karlstetter. Dass die Grabungen ausgerechnet auch noch mit dem 70. Jahrestag der Befreiung der KZ-Außenlager durch die Amerikaner zusammenfiel, war reiner Zufall. Durch den Kontakt zum Vizepräsidenten der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung Manfred Deiler, entstand die Idee, sich die archäologischen Arbeiten am Außenlager Kaufering VII und seinen Tonröhrenunterkünften einmal anzusehen. 

„Von Graben war da noch keine Rede”, so Karlstetter. Es sei dann seine Idee gewesen, dass die Schüler das vierköpfige Archäologenteam um Ausgrabungsleiter Torsten Dressler unterstützen könnten. Jeden Vormittag durfte eine andere Klasse antreten und den Profis bei den Ausgrabungen unter die Arme greifen. Im Laufe der Arbeiten kamen eine Gabel, ein Suppenkessel und Stacheldraht zum Vorschein. Auch das noch recht kalte Wetter spielte eine Rolle. Das habe den Schülern schon die Dramatik der Lebensbedingungen der KZ-Häftlinge verdeutlicht, so der Schulleiter. 

Überhaupt hätten die Kinder durch die handwerkliche Beschäftigung die Geschichte ganz anders erlebt. Nach der eigentlichen Arbeit erhielten die Schülergruppen außerdem noch eine Führung von Manfred Deiler durch eine der Tonröhrenunterkünfte. Für die Schüler sei die ganze Anlage zuvor ein „Unort” gewesen, beschreibt Karlstetter. Das habe sich jetzt grundlegend geändert: „Alle Kinder waren in irgendeiner Weise angerührt”, so der Schulleiter. Daher wolle man auch mehrere Disziplinen in das Projekt miteinbeziehen. Dazu gehöre beispielsweise auch die Kunst, um sich der Emotionalität zu bedienen, ohne die dieses Thema nicht auskomme, so Karlstetter weiter. 

Hauptarbeit für das Schülerprojekt wird dann sein, die eigenen Grabungstätigkeiten zu dokumentieren. Aber auch weitere Recherche – unter anderem im Stadtarchiv – wird auf die Mittelschüler im September zukommen. Angedacht sei außerdem, dass die Jugendlichen vielleicht am Tag des offenen Denkmals, der ebenfalls im September stattfindet, Führungen durch die Anlage anbieten. Eine eigene Webseite wird entstehen und die Schüler werden einen Audioguide erstellen. 

Schulleiter Christian Karlstetter hofft, dass das ehemalige Lager Kaufering VII mit seinen Tonröhrenunterkünften auch weiterhin öffentlich zugänglich sein wird: „Es gibt kaum Stellen in Deutschland, wo noch so viel zu sehen ist.”

Astrid Erhard

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