Politische Entscheidung:

Eine schöne Schule unter einem Dach?

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Bürgerinfo Teil 1 zum geplante An- und Neubau der Mittelschule Landsberg (Foto) hat keine neuen Erkenntnisse gebracht. Das könnte nächsten Dienstag anders werden, wenn es in Teil 2 um die Finanzierung geht.

Landsberg – Wer den Eindruck hat, dass beim umstrittenen An- und Neubau der Mittelschule Landsberg gelegentlich an der Sache vorbei diskutiert wird, bekam auf der Informationsveranstaltung der Stadt am Dienstag die offizielle Bestätigung.

Fachreferent Dr. Fritz Schäffer zeigte sich angesichts der Faktenlage, die sich ihm nach seinem Vortrag und der anschließenden Debatte auftat, leicht irritiert: „Wenn Sie Ihre Mittelschulen organisatorisch ohnehin schon zusammengelegt haben und es nur noch darum geht, ob sie einen oder zwei Standorte aufrecht erhalten, ist ein Großteil ihrer Diskussion überflüssig und viele Argumente, die hier ausgetauscht werden, irrelevant“, sagte der Leiter der Abteilung Bildungspolitik im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV).

BLLV-Experte Dr. Fritz Schäffer: „Ein Großteil der Diskussion ist überflüssig.“

Schäffer, der explizit darauf hinwies, dass es sich bei der Entscheidung, ob man neu baue oder Schlossberg- und ehemalige Fritz-Beck-Schule saniere, um eine „politische Entscheidung“ handele, konnte den Lehrern, Eltern und Stadträten in der Aula der Mittelschule auch pädagogisch kei- nen eindeutigen Rat geben. Der 48-Jährige („Ich bin überrascht, dass ich hier zu einem Thema eingeladen worden bin, das Gegenstand eines Bürgerbegehrens ist.“), selbst Lehrer in Ingolstadt und dort für die Ausbildung von Referenten zuständig, wehrte sich dagegen, die Frage nach einem oder zwei Standorten an der Schulgröße festzumachen. „Da gibt’s keine objektive Zahl, bei dem man sagen kann, das funktioniert noch oder eben nicht mehr.“

Für und gegen beide Varianten gebe es starke Argumente, so Schäffer weiter. Bei zwei Standorten käme man auf kleinere Klassen, was zwar einerseits gewünscht sei, anderer- seits aber dazu führe, dass praktisch alle Lehrerstunden mit dem Pflichtunterricht aufgebraucht seien, „für zusätzliche Förderung bleibt da nichts mehr übrig.“ Zudem sei ein baulicher Neuanfang auch oft eine Chance, „manchmal haben sich Dinge eingeschlichen, die man anders nicht mehr verändern kann.“

Auch wenn der Pädagoge mehrfach betonte, dass er die spezielle Lage in Landsberg nicht kenne und nicht beurteilen wolle, ließ er dann doch durchblicken, dass der Erhalt eines zweiten Standortes aus seiner Sicht Vorteile bietet: „Für eine Schulentwicklung ist eine gewisse Größe schon sinnvoll. Ob dafür alle in einem Schulhaus sein müssen, ist wieder eine ganz andere Frage“, meinte der Referent. „Eine Organisationseinheit sollte schon 50 bis 60 Lehrer haben, aber das heißt nicht, dass das an einem Standort sein muss.“ 500 bis 600 Schüler an einem Ort zu unterrichten, sei „nichts, was man unbedingt so planen würde“, wenn auch „definitiv nicht unmöglich“.

Die Mehrheit der Zuhörer in der Aula hatte sich aber ohnehin offenbar schon vor Schäffers Vortrag für einen Neubau und die Schließung des Standortes am Schlossberg entschieden – wie auch Schulleiter Christian Karlstetter und Schulamtsdirektor Rudolf Schönauer. Es sei „das wichtigste überhaupt“, die Pädagogen bei ihrer Arbeit zu unterstützen, so Schönauer, „dabei ist der Raum eine Komponente“. Deshalb wünsche er sich „eine schöne Schule unter einem Dach“.

"Riesenfehler"

Schönauer nützte die Veranstaltung auch für eine „aufrichtige Entschuldigung“. Dass das Thema so spät und jetzt so kontrovers diskutiert werde, habe auch mit einem „Riesenfehler“ des Schulamtes zu tun: „Das sind verständliche Reaktionen der Beteiligten an den Schulen. Die haben gehört, dass da etwas passiert und hatten das Gefühl, niemand spricht mit ihnen. Wir hätten die Transparenz und das Gespräch viel früher herstellen müssen.“

Für viele Entscheider ist die Diskussion aber im Grunde schon passé. „Wir waren ja schon einen Schritt weiter“, so Schulleiter Karlstetter bei der Podiumsdiskussion. „Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbes hatten bei allen Zustimmung gefunden, bis jetzt die Debatte um die Finanzen losging.“ Dass er selbst vor einigen Jahren noch offen für den Erhalt beider Standorte argumentiert hatte, wie ihm Grünen-Stadtrat Jost Handtrack noch einmal vorlas, ist Karlstetter dabei nicht im Weg. „Ich wäre auch gern auf dem Schlossberg in Rente gegangen“, entgegnete er, „aber jetzt habe ich diesen Fehdehandschuh eben aufgenommen und mache das beste daraus.“

Das kann seiner Meinung nach nur ein Neubau sein. Der jetzige Zustand, bei dem die Schüler teilweise 20 Minuten zu Fuß zwischen beiden Standorten unterwegs seien, sei „unhaltbar“. Unterstützung erhielt er von Schulamtsdirektor Schönauer. „Ich will einmal ketzerisch sein: Säße hier die Elternklientel von Gymnasial- oder Realschülern, würde sie sich das nie bieten lassen.“

"Lauter Idioten?"

Damit allerdings bot er den Einstieg in eine Diskriminierungs- und Minderwertigkeitsdebatte, die keine neuen Er- kenntnisse mehr erbrachte. SPD-Stadträtin Margit Däubler verteidigte erneut vehement ihre Position, dass eine „Mittelschule mit 550 Schülern selbstverständlich funktioniert“.

Der Einwand ihres ÖDP-Kollegen (und Initiator des Schul-Bürgerbegehrens) Stefan Meiser, dass in Landsberg die viertgrößte Mittelschule Bayerns geschaffen werde und „etwas katastrophal schief“ laufe, wenn 100 Jugendliche im Landkreis nach Aussage des örtlichen Berufsschulleiters „nicht ausbildungsfähig“ seien, forderte Christian Karlstetter zu einer scharfen Entgegnung heraus: „Diese Stigmatisierung ist ungehörig. Zu sagen, ein Gymnasium mit 1000 Schülern funktioniert, eine Realschule auch, aber eine Mittelschule mit 550 nicht, weil da lauter Idioten drin sind, das lasse ich so nicht stehen.“

Helmut Weber (CSU) hatte einen anderen Schuldigen ausgemacht: „Wir könnten schon längst bauen, die Diskussionen waren ja alle schon geführt. Nur weil einer in den Stadtrat nachrückt und dann alles noch einmal von vorne wissen und diskutieren will, haben wir jetzt diese Verzögerung“, so Weber unter dem Beifall mehrerer Zuhörer. „Aber ich gehöre ja nicht mehr zum Stadtrat, also sollte ich wohl meinen Mund halten.“

In der Sache allerdings bewegte sich an diesem Abend wenig. Das dürfte in der kommenden Woche anders werden: Am Dienstag (19.30 Uhr) findet eine zweite Info-Veranstaltung in der Schule statt. Dann geht es um die Finanzen. Unter anderem wird das Ergebnis der Machbarkeitsstudie (Sanierung oder Neubau?) bekanntgegeben.

Christoph Kruse

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