Koffer unterm Hammer

Raritäten und Kurioses: Versteigerung des städtischen Fundbüros Landsberg 

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Gerti Zimmermann führt im „Fahrradkeller“ des städtischen Fundbüros einzelne Modelle vor. Der geflammte Chopper kommt aber erst nächstes Jahr unter den Hammer.

Landsberg – Bei Gerti Zimmermann im Bürgerbüro stapeln sich schon eine Woche vor der Versteigerung die Wühlkisten: Geldbörsen, Regenschirme, Ladekabel: Alles, was Otto-Normalbürger so an den unterschiedlichsten Orten liegenlässt. Manch einer vergisst eher Ungewöhnliches: einen riesigen Koffer; ein Surfbrett; oder sogar seinen Rollator. Wer das ein oder andere Teil haben möchte, hat heute eine Chance: Um 14 Uhr startet die jährliche Versteigerung der „Kellersammlung Stadt“.

„Sonnenbrillen versteigern wir gleich im Paket“, lacht Gerti Zimmermann, die die Versteigerung vorbereitet. Sechs Sonnenbrillen zu drei Euro, das kann sich richtig lohnen. Bündeln ist angesagt, weil sonst die Zeit nicht reicht: Die Versteigerung im Innenhof des Stadtverwaltungsgebäudes dauert vier Stunden. Dann sollte alles weg sein.

Die Stadt bekommt auch Fundstücke von anderen Institutionen, erzählt Zimmermann. Zum Beispiel der Polizei, der VHS. Oder auch vom Inselbad: „Die geben uns immer nach Saisonende ihre ‚gesammelten Werke.‘“ Aus dem Ausland gelangen Fundstücke über die Botschaften nach Landsberg – zum Beispiel Dokumente wie Pass oder Ausweis. 2017 wurden 422 Fundsachen erfasst. Dazu gehören keine Mützen, Schals oder Modeschmuck: Kleinkram, der unerfasst in Wühlkisten wandert. Von den registrierten Fundsachen landen ungefähr 100 bei der Versteigerung. Der Erlös, meisten so um die 2.000 Euro, geht an eine soziale Einrichtung.

Geldbeutel mit monetärem Inhalt werden geräumt: Beträge unter zehn Euro wandern gleich zum Gesamterlös, höhere Summen bleiben ein halbes Jahr auf einem „Verwahrkonto“, danach geht das Geld an den Finder oder wird auch mit zur Stadtspende gezählt.

Dieses halbe Jahr, eine Art „Inkubationszeit“, gilt auch für die anderen Fundgegenstände. Zum Beispiel ein riesiger Koffer, Gewicht ein halber Zentner. Darin Kleider, ein Grill, eine Fliegenklatsche in Form eines Tennisschlägers. Und das Buch „Die Wahrheit über Männer“. Oder auch ein „interessantes“ Gemälde zweier galloppierenden Pferde, ein auf zwei Meter. Vielleicht ein Martin-Walser-Fan? „Das letzte Mal haben wir auch ein Bild versteigert. Das stand dann drei Tage später wieder auf der Straße“, schmunzelt Zimmermann. Ein Ruderboot wurde gefunden, ein Surfbrett angeschwemmt. Kurios seien auch Gebissteile, die die Stadt aus den Krankenhäusern bekomme. Oder eben damals, dieser eine Kleidersack mit lauter Edelklamotten drin. „Der wurde dann sogar von einem Chauffeur mit weißen Handschuhen abgeholt.“

In einem anderen Zimmer steht ein Schrank, bis oben hin voll mit Waschbeuteln, Isomatten, Rucksäcken, auch ein Werkzeugkoffer wird versteigert. „Kleider gehen eigentlich nur, wenn sie neu sind“, meint Zimmermann. Gebrauchte bekommt meistens direkt das Rote Kreuz.

Holt der Besitzer seine „Sache“ in dem halben Jahr Karenzzeit nicht ab, erlischt sein Besitzrecht. Auch das an dem Fahrrad, das man irgendwo abgestellt hat ... nur wo? Da kann es dann auch passieren, dass man sein Rad erst bei der Versteigerung wiederfindet. Letztes Jahr sei das passiert, erzählt Zimmermann. Als eine Frau gerufen habe: „Ach, das ist meins.“ Leider zu spät.

Fahrräder zu vergessen ist offensichtlich ein Massenphänomen. Zumindest, wenn man in den Keller des Verwaltungsgebäudes sieht, in dem die Räder aufbewahrt werden. Retrobikes, aufgemotzt oder „echt alte“ Rennsemmeln, schicke Mountainbikes, inzwischen das erste E-Bike. Oder auch etwas ganz besonderes: ein mit Flammen aufgemotzter Chopper. E-Bike und Chopper kommen aber erst bei der nächsten Versteigerung dran: Karenzzeit ist noch nicht rum.

All das ist gefundenes Futter für Flohmarkthändler. Die kommen neben Schnäppchenjägern natürlich auch zur Versteigerung. Dazu die Fahrradsammler, oder auch Leute, die alte Fahrräder suchen, die sie mit lernwilligen Bastlern zusammenschrauben. Schmucksammler hat Zimmermann schon gesehen: „Die nehmen alles genau unter die Lupe.“ Insgesamt kämen so um die 150 Leute: „Inzwischen fast eine eingeschworene Gemeinde.“

Sollte man selbst etwas verloren haben,bietet es sich an, auch bei den Fundbüros anderer Gemeinden nachzufragen, empfiehlt Zimmermann. Hat man selbst etwas gefunden, gibt es Finderlohn, je nachdem, wie viel das Gefundene wert ist. „Wenn jemand etwas abgibt, werden seine Daten aufgeschrieben.“ Ob die dann weitergegeben werden dürfen, liegt dabei ganz beim Finder. Aber auch das kann sich lohnen. Denn ab und zu möchte sich der ein oder andere Eigentümer ja auch persönlich bedanken.

Susanne Greiner

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