Der Landsberger ÖPNV und seine Schwächen

Busse auf dem Flickenteppich

Bus in Dießen
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Als Ergänzung zu den ÖPNV-Bussen wünscht man sich nicht nur Ammersee-Westufer flexible Sammeltaxis und Rufbusse ohne Fahrplan und feste Standplätze.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landkreis – Frühestens 2024 könnte der Landkreis Landsberg dem Münchener Verkehrsverbund MVV beitreten. Eine Bedingung dafür: ein Nahverkehrsplan. Der Mobilitätsausschuss des Kreistags verabschiedete vergangenen Woche die Rahmenkonzeption dafür einstimmig. Die ausführende MVV Consulting GmbH führte dazu eine Strukturanalyse und eine Online-Befragung zur Schwachstellenanalyse bei rund 3.500 Landkreisbewohnern durch. Das Ergebnis: Über 60 Prozent der Befragten geben dem ÖPNV-Angebot im Landkreis Landsberg eine äußerst schlechte Note.

Bei der Rahmenkonzeption gehe es darum, Zielvorstellungen zu entwickeln, betonte MVV-Consulting-Mitarbeiter Felix Fitz. Details wie beispielsweise Taktzeiten oder auch der Einsatz von On-Demand-Verkehrsmitteln stünden dabei nicht zur Debatte. Mittels einer Struktur­analyse habe man die bestehenden Bedingungen abgefragt. Die Motorisierungsquote sei im Landkreis „sehr hoch“, so Fitz. So gebe es in Apfeldorf 700 Pkw pro 1.000 Personen, unter anderem, da insbesondere Apfeldorf als sogenannter ‚Raum mit besonderen Handlungsbedarf‘ einen schlechten ÖPNV-Anschluss habe. In Landsberg hingegen gebe es ‚nur‘ 550 Pkw pro 1.000 Personen – wobei der bayernweite Durchschnitt bei 539 pro 1.000 Personen liege.

Die meisten Berufspendler habe man landkreisintern zwischen Landsberg und Kaufering, das höchste Pendleraufkommen nach außen mit über 8.000 Pendlern gebe es mit dem Land- und Stadtkreis München. Insgesamt pendelten weitaus mehr Menschen in die Nachbar­landkreise als von diesen nach Landsberg.

„Der Landkreis hat eine sehr gute räumliche Erschließung“ – zumindest in Bezug auf die Haltestellen, fasste Fitz zusammen. Knapp 90 Prozent der Adressen hätten eine Haltestelle im Umkreis von 400 Metern. Was das Angebot an Fahrtmöglichkeiten angehe, habe man aber einen „Flickenteppich“. Lücken gebe es vor allem vormittags und abends sowie an den Wochenenden, da teilweise nur der Schulverkehr bedient werde. „Für Berufstätige ist der ÖPNV nur eingeschränkt nutzbar“, resümierte Fitz. Zwar gebe es im Landsberger Umkreis das AST, es werde jedoch laut Umfrage auf manchen Strecken fast gar nicht genutzt. Schwierig sei zudem die Verbindung vom Ammersee Richtung Landsberg. Die Unzufriedenheit der Befragten sei in Bezug auf den Regionalbus am höchsten, Stadtbus und Regionalzug schnitten etwas besser ab.

Die Befragten wünschten sich insgesamt mehr und schnellere Verbindungen, die auch abends bis 20 Uhr und am Wochenende angeboten werden, aber auch neue Strecken. Das AST solle in einem größeren Gebiet unterwegs sein. Wichtig sei eine opti­mierte Schienenanbindung, aber auch die Verbindung in Nachbarlandkreise, zum Beispiel nach Herrsching. Zudem wünschten sich die Befragten die Reaktivierung von Bahnhaltepunkten, beispielsweise Greifenberg.

Rahmenkonzeption

Für den Entwurf der Rahmenkonzeption richte man sich nach den Grenz- und Richtwerten der Leitlinie zur Nahverkehrs­planung in Bayern, die als Mindestanforderungen zu sehen seien, so Fitz. Dabei müsse aber jede Maßnahme für sich beschlossen werden.

Die Verkehrszeit wird im Rahmenkonzept in drei Phasen mit jeweils entsprechender Bustaktung unterteilt: die Hauptverkehrszeit von 6 bis 9 Uhr und von 16 bis 18 Uhr, die Nebenverkehrszeit zwischen 9 und 16 Uhr und die Schwachverkehrszeit – die restlichen Stunden. Der Samstag zählt bis 18 Uhr zur Nebenverkehrszeit, der Rest des Wochenendes zur Schwachverkehrszeit. Zudem wird in Haupt- und Nebennetz unterteilt, wobei für beide eine stündliche Taktung angestrebt wird. Dabei werde Apfeldorf dem Nebennetz zugeteilt, da es „nicht schlüssig integriert werden könne“, so Fitz. Die Gemeinde müsse via Zubringer bedient werden.

Weiterhin wolle man die Bedarfsverkehre wie AST, Rufbus oder On-Demand-Verkehre ausbauen, der Einsatz von Expressbussen, beispielsweise von Landsberg nach Geltendorf oder auch vom Ammersee nach Landsberg , soll geprüft und insgesamt die Barrierefreiheit gesichert werden.

MVV-Beitritt

Die Umsetzung des Rahmenkonzeptes samt möglicher Anpassungen setzte Fitz auf rund sieben Jahre an. So sei es beispielsweise schwierig, eine höhere Taktung einer Linie oder deren Änderung innerhalb eines bestehendes Vertrages mit dem zuständigen Busunternehmen umzusetzen. Einige Unternehmen hätten noch eine zehn Jahre laufende Konzession, stellte ÖPNV-Beauftragter des Landratsamtes Dietmar Winkler klar. Dazu komme nach Ablauf der Konzession noch die Neuausschreibung, natürlich europaweit, was weitere zwei Jahre dauere.

Für den MVV-Beitritt, der frühestens 2024 möglich sei, gebe es aber keine Zielwerte, die vorab erfüllt werden müssten, betonte Fitz. Ein Beitritt zum MVV war ursprünglich für 2023 anvisiert worden. Aber die Elektrifizierung der Strecke Lindau-München ab Dezember dieses Jahres werde die Bedingungen nochmals ändern, hatte Fitz in einer vorherigen Sitzung bereits erläutert. Eine eigentlich bereits Ende letzten Jahres geplante Fahrgasterhebung habe man deshalb um ein Jahr verschieben müssen. Und damit verzögere sich auch die Beitritts­entscheidung, da nach der Erhebung noch der Tarif erarbeitet werden müsse.

Der MVV-Beitritt ist noch nicht beschlossen. Aktuell läuft noch eine Studie bezüglich der Integration des Landkreises in den MVV. Sind deren Ergebnisse positiv und beschließt der Kreistag den MVV-Beitritt, soll der MVV-Tarif voraussichtlich ab Dezember 2024 im Landkreis gültig sein. Dieser könnte dann auch auf das AST oder On-Demand-Verkehre ausgeweitet werden, sagte Fitz. Aber auch ohne MVV-Beitritt solle eine Ausweitung des allgemeinen ÖPNV-Tarifs auf AST und Co. geprüft werden. Zudem sei eine Anmeldezentrale für alle vorhandenen On-Demand-Verkehre erstrebenswert.

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