Mobile Lebens(t)räume

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Willkommen in unserem Roulotte sagen hier Thomas und Katrin Wetzel von der Echinger Wagenbau-Zimmerei. Man sieht dem Wagen von außen nicht an, wie geräumig und voll ausgestattet er ist.

Eching – Was haben „Heimat“ im Bayerischen Thalhausen, „Tartufo“ in Tremosine am Gardasee oder „Ed‘s Irland Show“ im Badischen Europapark Rust gemeinsam? Es sind sogenannte Roulottes aus Eching am Ammersee. Die hölzernen Wohnwagen stammen aus der Zimmerei Wetzel in der Greifenberger Straße. Hier entstehen außergewöhnliche und individuelle Wagen­unikate für Kunden auf der ganzen Welt. Sie als Zirkus- oder Schäferwagen zu bezeichnen, wäre zu banal. Es sind phantasievolle Rückzugsorte zum Träumen und Arbeiten. Mobile Gästezimmer, Ateliers, Jagdhütten etc., also Lebensräume für Garten, Park, Campingplatz und vieles mehr.

Sie werden nach Kundenwünschen in den verschiedensten Stilrichtungen gebaut und liebevoll eingerichtet, ob als Fuchsbau-, Afrika-Safari- oder Sweet-Home-Wagen. Und sie alle haben einen ganz entscheidenden Vorteil: Die Roulottes sind berädert und können bewegt werden. Sie gelten demnach als Fahrzeuge und benötigen keine Baugenehmigung.

Jedes ein Unikat

In der Weilachmühle in Thalhausen, berühmt geworden durch die Well-Brüder alias Biermösl-Blosn, kann man im „Heimatwagen“ übernachten oder eine unvergessliche Hochzeitsnacht verbringen. Wer Urlaub inmitten eines Trüffel-Parks am Gardasee verbringen will, mietet das „Tartufo“ mit einem riesigen Kuschelbett und Blick in den Sternenhimmel. Im Europapark Rust dient ein Wetzel-Roulotte als Bühne für die Irland-Show. Die meisten der Wagen aus der Echinger Zimmerei aber werden von Privatleuten bestellt. Jedes Roulotte ist ein exklusiv aus heimischem Holz hergestelltes Unikat mit hochwertiger Ausstattung, auf Wunsch sogar mit Fußbodenheizung.

Unikate für die ganze Welt

Für den Bau der Roulottes im nostalgisch-klassischen Stil ist Zimmerermeister Thomas Wetzel (43) mit seinem Team von sechs Mitarbeitern zuständig. Um die Inneneinrichtung mit den vielfältigen Ausgestaltungsmöglichkeiten kümmert sich dann seine Frau Katrin (42): „Durch eine sensible Abstimmung von Farb- und Materialwelten, Möblierungsideen bis hin zum atmosphärischen Beleuchtungskonzept fokussieren wir in persönlichen Beratungsgesprächen die Wünsche unserer Kunden.“ Was hier auf kleinstem Raum geschmackvoll untergebracht werden kann, ist unglaublich. Küchenzeile, Essecke, Holzofen, Doppelbett, Schränke mit genügend Stauraum oder sogar Dusche und WC sorgen dafür, dass man sich hier wohlfühlen und erholen kann, aber auch ungestört arbeiten.

Trend aus Amerika

Die Echinger Roulottes werden nach der Fertigstellung – ein Wagen hat etwa zwei bis drei Monate Bau- und Einrichtungszeit – mit Tiefladern zum Kunden geliefert. Oft müssen sie mit einem Kran in das Grundstück gehievt werden, wenn die Zufahrt zu eng ist. Das Schöne daran: Das neue Miniheim, Ausweich- oder Zufluchtsnest ist sofort bezugsfertig. Die Preise für Roulottes bewegen sich je nach Größe und Ausstattung zwischen 10.000 und 40.000 Euro.

Der Trend zum Wohnen oder Arbeiten in „Tiny Houses“, also winzigen Häusern, schwappt gerade aus Amerika zu uns nach Europa. Ob ein Zirkuswagen oder ein Kleinhaus aus Holz bedeutet für eine wachsende Zahl von Menschen Freiheit und Freiraum mit einem Dach über dem Kopf. Auch diesem Trend folgt das umtriebige Ehepaar Wetzel. Sie fertigen sogenannte Cubes aus heimischem Holz unter Verwendung ökologischer Materialien und nachhaltiger Technologien. Das Angebot reicht von Loft- und Atrium-Wohnräumen über Minibüros, Kioske bis hin zu Wellness-Cubes als persönliche Bade- und Luxustempel. Die Cubes benötigen im Gegensatz zu den Roulottes einen Bauantrag, um den sich aber die Wetzels zusammen mit einem Architekturbüro kümmern.

Dieter Roettig

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