"Jugendzentrum" war gestern

Ein Zentrum für Jugendkultur

+
Das ehemalige AKE-Areal in der Lechstraße, zwischen Sozialstation St. Martin (Hintergrund) und Ignaz-Kögler-Gymnasium gelegen, hat als Standort für das neue Jugendkulturzentrum der Stadt Landsberg gute Chancen.

Landsberg – Weil das Jugendzentrum im heranrückenden Wohngebiet „Papierbach“ zu viel Lärm erzeugt, soll es umziehen. Von acht geprüften Standorten zeichnet sich dazu das Ziel „Lechstraße“ ab, das die UBV vorgeschlagen hatte. Gleichzeitig soll die Einrichtung neu definiert werden. Folgt der Stadtrat dem Wunsch der Betreuer und der Nutzer, verlagert sich der Schwerpunkt der Angebote auf „Jugendkultur“. Allerdings sind noch viele Fragen offen.

Es bietet eine ganze Menge, das Jugendzentrum. Es geht nicht nur darum, dass sich Jugendliche abseits von Cafés treffen können, ohne Geld ausgeben zu müssen. Das Zentrum ist auch Veranstalter von Mädchentagen und Teenietreffs, organisiert Ferienbetreuung für Kinder im Grundschulalter, stellt Räume für die Jugend und Jugendarbeit zur Verfügung, berät Kinder und Jugendliche in akuten Notsituationen und führt sogar „aufsuchende Jugendarbeit“ in Landsberg und den Ortsteilen durch. Das Ganze ist eine Pflichtaufgabe der Stadt, referierte Jugendzentrums-Chef Matthias Faber in einer gemeinsamen Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses mit dem Jugendbeirat am vergangenen Mittwoch. Nach seiner Definition lautet das pädagogische Ziel des Zentrums, auf ein Wort verdichtet, „Empowerment“.

Dazu wollen Leiter und Jugendliche nun neue Wege gehen. Künftig soll das Thema „Jugendkultur“ stärkeres Gewicht bekommen, das Jugendzentrum daher auch „Jugendkulturzentrum“ heißen. Die Jugendlichen sollen dabei nicht nur „Kultur erleben“, sondern auch „Kultur schaffen“ und dazu auch „Kultur lernen“.

Jugendreferent Moritz Hartmann (Grüne) begrüßte diese neue Ausrichtung; allerdings benannte er das von Matthias Faber vorgelegte „Konzept“ zunächst in ein „Arbeitskonzept“ um: „Beschließen können wir es noch nicht.“ (Kultur-)Bürgermeister Axel Flörke war auch für die veränderte Widmung, stellte aber fest: „Es fehlen Zahlen“. Flörke interessierte insbesondere: „Wie erfolgreich war das Jugendzentrum bislang? Wieviel Prozent der Jugendlichen haben es genutzt? Welcher Bedarf besteht für das neue Konzept? Wie verändern sich dadurch die Nutzungszahlen?“

SoBoN-Finanzierung

„Die Kosten dieser Baumaßnahme können im Rahmen der sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) beim Bebauungsplanverfahren Am Papierbach für die Finanzierung herangezogen werden“, hieß es in der Sitzungsvorlage von Stadtbaumeisterin Birgit Weber. Daher soll die Verlagerung des Zentrums Bestandteil des städtebaulichen Vertrags mit Projektentwickler ehret + klein werden. Dass damit für andere Maßnahmen, wie etwa den Straßenbau oder den Lechsteg, nicht mehr genug Geld übrigbleibt, schloss Weber auf Nachfrage des KREISBOTEN aus: „Da ist noch Luft nach oben“. Außerdem solle an dieser Stelle im Pflugfabrik-Areal der Kindergarten entstehen, so dass der Investor einen großen Vorteil vom Umzug der Einrichtung habe.

Allerdings sind im Hinblick auf den neuen Standort „Lechstraße“ ebenfalls Fragen offen. Zwar hat eine Vorprüfung des Bauamts ergeben, dass die anderen geprüften Grundstücke – etwa an der Fachoberschule in der Spitalfeldstraße, am Kinderhaus an der Römerauterrasse oder am Schulzentrum West – weit weniger geeignet sind. Allerdings soll das Jugendkulturzentrum auf dem ehemaligen AKE-Gelände neben dem Sozialzentrum entstehen und das ist teilweise bewohnt. Die Geräuschemissionen der neuen Einrichtung sind also auch hier ein Thema. Andererseits ist die zentrale Lage unschlagbar und das Grundstück gehört bereits der Stadt.

Ein Jugendcafé?

Ebenfalls unentschieden ist die Frage, ob das Jugendkulturzentrum ein eigenes „teilkommerzielles“ Jugendcafé erhalten soll, „in dem ein Spezi nicht drei Euro kostet“. Das geht allerdings nur mit Zuschüssen der Stadt. In Unterschleißheim, wo ein ähnliches Konzept verwirklicht wird, beläuft sich dieser Zuschuss auf 24.000 Euro. Eine solche finanzielle Unterstützung hielt Doris Baumgartl (UBV) für „möglich“. Ihr Bürgermeister-Kollege Flörke (Landsberger Mitte) hielt hingegen nichts davon: „Es kann nicht Aufgabe der Kommune sein, einen Wirt zu subventionieren“. Moritz Hartmann regte an, dass die Jugendlichen das Café selbst betreiben. Vertreterinnen des Jugendbeirats wiesen freilich darauf hin, dass auch die Jugendlichen, die dort Arbeit leisten, dafür Geld bekommen müssten – „ganz ehrenamtlich geht das nicht“.

Am Ende waren sich der Ausschuss, der Jugendbeirat und der Stadtrat in seiner unmittelbar anschließenden Sitzung einig: Dieses Konzept soll noch konkreter werden, aber man ist auf dem richtigen Weg. Das Jugendzentrum (neu) ist moderner, kultureller und zentraler als zuvor. Und alle wollen es.

Werner Lauff

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"
Aufbruch in die Romantik
Aufbruch in die Romantik

Kommentare