Schulneubau in St. Ottilien

Modernes Lernen im Klosterdorf

Peter Kosak (Schulwerk Diözese Augsburg), Erzabt Wolfgang Öxler sowie Schulleiter Michael Häußinger und Konrektor Werner Hörmann
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Einigkeit in Bezug auf den Schulneubau besteht zwischen Peter Kosak (Schulwerk Diözese Augsburg), Erzabt Wolfgang Öxler sowie Schulleiter Michael Häußinger und Konrektor Werner Hörmann (v.l.).
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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St. Ottilien – Das Rhabanus-Maurus-Gymnasium in St. Ottilien wird neu gebaut. Dabei geht es nicht nur um die Schaffung einer modernen Gebäudehülle: Es wird auch ein neues pädagogisches Konzept umgesetzt. Das Klassenzimmer verwandelt sich dabei in einen Input-Raum, aus langen leeren Schulfluren werden Lern-Cluster.

Die Entscheidung für den Neubau fiel bereits vor einigen Jahren. Die Bestandsgebäude aus den Jahren 1900, 1960, 77 und 90 sind in stark sanierungsbedürftigem Zustand, wobei interessanterweise der 70er-Jahre-Teil am schlechtesten dasteht – schlechter noch als der über 120 Jahre alte Katharinenbau, der zunächst Frauenkloster, dann Internat und dann Tagesheim war. Das Schulwerk der Diözese Augsburg als Träger des Gymnasiums und das Kloster als Eigentümer der Gebäude kamen überein, dass Abriss und Neubau der gesamten Schule die sinnvollste Lösung seien.

Geplant ist, das neue Gebäude auf dem Gelände des Tagesheims zu errichten. Nach dem Umzug soll das alte Schulhaus einer neuen Doppelsporthalle weichen. Interimslösungen, etwa in Gestalt von Containern, werde man aufgrund des großen Baufelds fast nicht brauchen, erklärte jüngst Peter Kosak im Rahmen eines Pressetermins. Der Direktor des Schulwerks der Diözese Augsburg war nach St. Ottilien gekommen, um gemeinsam mit der Schulleitung und Verantwortlichen des Klosters über den aktuellen Stand des Projekts zu informieren. Ein Planungsbüro ist bereits gefunden worden und im kommenden Frühjahr sollen die ersten Entwürfe vorliegen.

Raum-Ökonomie

Eines der Ziele des Neubaus ist nach Peter Kosaks Worten auch „möglichst wenig Raumverschwendung“. Das Cluster-Modell, das im neuen Schulhaus realisiert werden soll, bedeutet das Ende einer normalen „Gang-Schule“, in der die Klassenzimmer wie an einer Perlenschnur aufgereiht sind. Stattdessen bekommen alle – nach wie vor dreizügigen – Jahrgangsstufen jeweils einen gemeinsamen Zentralbereich mit außen herum angeordneten offenen Räumen für jede Klasse. Der Lehrbetrieb unterteilt sich dann in klassischen Frontalunterricht, in das selbstständige Erarbeiten von Lernstoff sowie in Team-Aufgaben. Insgesamt werde „eine ganz andere Sicht auf Lernen“ umgesetzt als bisher, so Kosak.

Außerdem soll eine neue Form der offenen Ganztagsschule eingeführt werden, der sogenannte GanzTakt+. An zwei Tagen in der Woche haben dann alle Klassen Ganztagsschule, an den übrigen drei Tagen können von den Eltern die Nachmittage flexibel zugebucht werden. „Das Konzept entspricht den gesellschaftlichen Notwendigkeiten“, so Kosak. Für Bruder Josef Götz, den Cellerar des Klosters, ist der GanzTakt+ „eine gute Weiterentwicklung“ des bereits bestehenden Tagesheims, das vom Kloster in die Trägerschaft des Schulwerks übergehen wird.

Abschluss bis 2026

Die Raumbedarfe wurden in Workshops bereits ermittelt. Neben dem Schulwerk als Bauherr, dem Kloster und der Schulleitung wurden auch Lehrer, Schüler und Eltern in die Diskussionen einbezogen. Nun arbeitet ein Mannheimer Büro an der Entwurfsplanung, die im April 2022 vorliegen soll. Der Erbbaurechtsvertrag zwischen St. Ottilien und dem Schulwerk wurde vor Kurzem geschlossen. Man hofft auf einen Baubeginn im Jahr 2023, fertig werden soll die Schule voraussichtlich 2026.

Wie ihre künftige Schule aussehen wird, darauf sind alle Verantwortlichen gespannt. „Hoffentlich nicht nur quadratisch, praktisch, gut“, meint Erzabt Wolfgang Öxler. Das Gebäude solle auch optisch ins über 130 Jahre alte Klosterdorf passen und nicht wie ein Fremdkörper wirken. Für die Mönche war es keine Frage, dass sie das Gymnasium auf ihrem Gelände behalten wollen. „Wo kommt Kirche sonst noch mit jungen Leuten in Verbindung?“, so Öxler.

Dem Kloster steht nun allerdings ein finanzieller Kraftakt bevor, denn es muss zum veranschlagten Investitionsvolumen von 40 Millionen Euro gut zehn Prozent beisteuern – 4,5 Millionen Euro. Ein Fundraising-Team, bestehend unter anderem aus dem emeritierten Abtprimas Notker Wolf und Bruder Odilo Rahm, soll sich um die Spendenakquise kümmern. Weitere 6,7 Millionen Euro hat der Landkreis Landsberg bereits zugesagt. Der große Rest wird vom Freistaat, der Diözese Augsburg und ihrem Schulwerk abgedeckt. Eine genaue Aufteilung zwischen den drei Finanzierungsträgern gibt es noch nicht, da in dieser frühen Phase des Projekts noch kein Förderantrag bei der Regierung von Oberbayern gestellt werden kann.

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