Mit dem „Eingebildeten Kranken“ in die Stille

Molière als vorerst letzte Vorstellung im Landsberger Stadttheater

Figurentheater Salz und Pfeffer der eingebildete Kranke
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Der „eingebildete Kranke“ des Figurentheaters „Salz + Pfeffer“ (Mitte) erinnerte stark an Klaus Kinski. Die Spieler Wally (links) und Paul Schmidt spielen oft zwei Figuren gleichzeitig.

Landsberg – Theaterleiter Florian Werner ist die Resignation anzumerken, als er am Donnerstagabend zur Begrüßung des Publikums auf die Bühne tritt. Anzukündigen hat er die vorläufig letzte Vorstellung bis mindestens Anfang Dezember. Die Abschlussvorstellung absolvierte das Figurentheater „Salz + Pfeffer“ aus Nürnberg mit Molières „Der eingebildete Kranke“. Ein Figurentheater, deren Spieler das Publikum im corona-ausverkauften Saal mit großem Applaus belohnte.

Nicht nur Resignation, er verspüre auch „ein wenig Galgenhumor“ angesichts der Theaterschließung, sagte Werner. Ob man die für November geplanten Veranstaltungen im Frühjahr nachholen könne, bleibe abzuwarten. Er hoffe auf einen nicht allzutrüben November und dass sich „alle im Privatleben so verhalten, dass auch wir wieder weitermachen dürfen“. Worte, die beim Publikum auf offene Ohren stießen.

Die letzte Vorstellung war nicht ganz so amüsant, wie es der Titel ‚Komödie‘, der dem „eingebildeten Kranken“ anhaftet, verspricht. Ist es doch eine Komödie aus dem 17. Jahrhundert, deren Humor heute nicht ohne Weiteres greift. Argan ist Hypochonder, was seinen Ärzten Grund gibt, ihm jegliche Medizin zu verschreiben, damit die Kasse klingelt. Auf Argans Geld ist aber auch seine zweite Frau Béline aus, der die medizinischen Kosten ein Dorn im Auge sind. Weitere Figuren sind die Haushälterin Toinette, Argans Tochter Angélique und deren vergeistigter Geliebter. Und natürlich der vom Vater ausgesuchte Schwiegersohn Thomas Diafoirus: ein Arzt, damit der Vater in Zukunft näher an der medizinischen Quelle sitzt. Dank Toinettes Hilfe und dem Einsatz eines Untoten – dazu mehr im Folgenden – kommt die geschichte zum Happy End.

Kinski lässt grüßen

Die zahlreichen, fast lebensgroßen Puppen spielen Wally und Paul Schmidt im rasanten Figuren- und Stimmwechsel. Da ist Argan als Klaus-Kinski-Verschnitt mit fliegender Haarpracht. Seine Gattin glänzt perlenbesetzt in Türkis, Angélique frönt dem Gothik-Look. Thomas‘ Vater ist Quacksalber der besten Sorte. Und Thomas scheint mit seiner roten Haarlocke direkt „Tim & Struppi“ entsprungen zu sein. Puppendesigner Peter Lutz tut dem Stück mit diesen Übertreibungen gut. Aber Wally und Paul können das Absurde nicht auf alle ihre Figuren übertragen. So bleiben Toinette und Gothik-Angélique als Charaktere hinter Argans grandioser Exaltiertheit zurück, auch Angéliques Geliebter Cléante wirkt in seiner Vergeistigung nicht überzeugend.

Einen gelungenen Kniff wendet Regisseur Pierre Schäfer bei Argans Bruder Béralde an. Schäfer macht aus ihm den Zwillingsbruder, der bei der Geburt starb, was der Grund für Argans ständiges Leiden ist. Und so geistert Béralde als Zombie mit hallender Stimme über die Bühne. Molière selbst spielte mit dem Thema Tod – und starb, als er selbst den Argan spielte. Mit Zombie-Béralde schafft es der Regisseur, das Publikum im Heute über den Tod schmunzeln zu lassen. Auch Anfang und Ende des Stücks thematisieren das Thema Tod alsSpiel: Wally und Paul tragen einen Sarg auf die Bühne, in ihm der Untote, der am Ende endlich seine Ruhe findet. Und von den Puppenspielern wieder im Sarg von der Bühne geschleppt wird. Ein Ebenenwechsel zwischen Spieler und Gespielten, den man sich häufiger gewünscht hätte. Mehr ‚Spielraum‘ für weitere Absurdität hätte dem Publikum mehr Raum zum Schmunzeln geliefert. Die Zuschauer dankten den zwei Puppenspielern dennoch mit großem Applaus und Bravo-Rufen. Sicher auch als Zeichen der Solidarität.
ks

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