10 Monate Knast für 10 Euro

Ein skurriler Fall von räuberischem Diebstahl hat in der vergangenen Woche das Landsberger Schöffengericht beschäftigt. Einem Fahrgast war in einem Regionalzug ein Zehn-Euro-Schein aus der Tasche gefallen, ein anderer hob ihn auf und wollte ihn nicht wieder hergeben. Es folgte eine Rangelei und schließlich auch noch eine Beleidigung von Polizeibeamten. Für alles zusammen muss der Mann aus Augsburg jetzt zehn Monate ins Gefängnis.

Es war im August vergangenen Jahres, als ein 28-Jähriger viet­namesischer Herkunft von einem Segelausflug auf dem Ammersee auf dem Heimweg nach Augsburg war. In Geltendorf hatte der Zug einen längeren Aufenthalt. Alle Fahrgäste im Abteil hätten es sich bequem gemacht, berichtete ein Zeuge. „Wir sind alle so herumgelümmelt.“ Alle bis auf einen angetrunkenen 67-jährigen Augsburger. Der ging durchs Abteil und suchte wohl Streit. „Setz' dich gerade hin, wir sind hier in Deutschland“, soll er den 28-Jährigen angeherrscht haben. Der kümmerte sich zunächst nicht um den pöbelnden, nach Alkohol riechenden Mitreisenden. „Doch er kam mir immer näher“, sagte der 28-Jährige aus. So habe er die Hände aus den Hosentaschen gezogen, um den 67-Jährigen abzuwehren. Dabei fiel ihm der Zehn-Euro-Schein aus der Tasche. Der Ältere schnappte sich den Schein und wollte ihn nicht wieder herausrücken. Ein anderer Fahrgast kam dem 28-Jährigen zu Hilfe, doch selbst beiden zusammen gelang es nicht, dem Rentner den Geldschein wieder abzunehmen. Er schubste die beiden weg und kratzte den Geschädigten auch noch mit dem Fingernagel. Erst als zwei vom Zugpersonal herbeigerufene Polizisten auf der Bildfläche erschienen, rückte der Mann das Geld wieder heraus. Dafür titulierte er die Beamten als „Depp, Kasper, Scherge“. Die Beleidigung gab der Angeklagte vor Gericht zu, den eigentlichen Vorfall stellte er jedoch ganz anders dar. Er habe den Geldschein für seinen eigenen gehalten. Kurz zuvor habe er seinen Geldbeutel aus der Jacke genommen und in die Hosentasche gesteckt, „das mache ich im Zug immer so“. Er bestritt, irgendwelche ausländerfeindlichen Tendenzen zu haben. „Ich habe 30 Jahre in New York gelebt, da ist alles multi.“ An jenem Tag sei er von einem Ausflug nach Kloster Andechs gekommen, wo er zwei Maß Bier getrunken hatte. Mit dem Urteil von zehn Monaten Haft ohne Bewährung blieb das Gericht unter dem Antrag von Staatsanwältin Kathrin Prechtel, die ein Jahr und vier Monate gefordert hatte. Verteidiger Johannes Siegmund konnte in der Tat des Angeklagten keinen räuberischen Diebstahl erkennen. „Er hat wirklich gedacht, die zehn Euro wären seine eigenen.“ Für die Beleidigung seien fünf Monate auf Bewährung ausreichend. Zwei Vorstrafen Der Vorsitzende Richter Dr. Wolfgang Daum und die Schöffen sahen das anders. „Der Angeklagte war auf Krawall gebürstet und hat Streit mit einem Ausländer gesucht“, so Daum. Selbst wenn er den Zehn-Euro-Schein nur aus Spaß an sich genommen hätte, wäre es Diebstahl gewesen, und die an­- schließende Gewalt bei der Rangelei mache daraus einen räuberischen Diebstahl. Erschwerend kam hinzu, dass der An­geklagte bereits zwei Vorstrafen wegen Beleidigung hatte und zum Tatzeitpunkt unter Bewährung stand.

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