Mietsenkung beschlossen

Monatlich 530 statt 795 Euro warm für die Obdachlosenunterkunft

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Die Obdachlosenunterkunft – obwohl nur mit dem Nötigsten ausgestattet, mussten die Bewohner bisher 795 Euro warm dafür bezahlen. Jetzt werden die Mieten gesenkt.

Landsberg – Es ist eine Obdachlosenunterkunft, wie sie im Buche steht. Fest verankerte Bettgestelle. Ein einfacher Tisch mit zwei Stühlen. Eine reduzierte Küchenzeile ohne Herd. Eine Deckendusche ohne Schlauch. Trotz Einzelbelegung, Gemeinschaftsküche, Innenhof und Lage: Das ist nur etwas für den Übergang. Auf diesen 24,07 Quadratmetern will man, trotz Einzelbelegung, nicht dauerhaft wohnen. Auf keinen Fall aber will man dafür 795 Euro Warmmiete bezahlen. Das weiß nun, nach einer Ehrenrunde, auch die Stadt.

Vom ersten Moment an, seit der Eröffnung war klar: Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was die Stadt den Nutzern der Unterkunft eigentlich in Rechnung stellen müsste – das sind 795 Euro warm – und dem, was diese Nutzer zahlen können und wollen – das ist allenfalls das, was das Sozialamt anerkennt.

Denn: Sind die Obdachlosen Sozialhilfeempfänger, überschreiten sie mit der Miete von 795 Euro die Grenze von 490 Euro für eine Ein-Zimmer-Wohnung bei Weitem. Die Folge: Das Jobcenter fordert sie auf, sich eine neue Wohnung zu suchen; die Obdachlosen werden quasi nochmal obdachlos. Haben die Obdachlosen dann Arbeit gefunden, nimmt ihnen die Stadt bei einer Miete von 795 Euro viel zu viel von ihrem Lohn weg. Das Arbeiten lohnt sich dann nicht mehr.

Deswegen hat die Stadtverwaltung nun geprüft, ob es – anders als zunächst angenommen – möglich ist, dass die Stadt die Kosten für den „Kümmerer“ (einen Mitarbeiter der Herzogsägmühle) und einen Hausmeister abweichend vom Prinzip der Kostendeckung als freiwillige Leistungen übernimmt. Die Prüfung hat ergeben, dass das möglich ist.

Deswegen beschloss der Stadtrat am vergangenen Mittwoch einstimmig eine neue Gebührensatzung für die Obdachlosenunterkunft an der Jahnstraße. Berechnet werden nun 530 Euro (warm) für eine Einzimmer- und 1.100 Euro (warm) für eine Zweizimmer-Unterkunft. Die Satzung tritt rückwirkend zum 1. August 2018 in Kraft.

Grundsätzlich bleibt es allerdings dabei: Die neue Obdachlosenunterkunft ist erkennbar für die zeitweise Unterbringung von Menschen ohne Dach über dem Kopf konzipiert. Für Langzeitbewohner ist sie schlicht nicht geeignet. Einzige Lösung ist, die Langzeitobdachlosigkeit so schnell wie möglich durch die Zuweisung von Sozialwohnungen zu beenden.

Werner Lauff

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