Die dritte biblische Plage?

"Mückenplage? Nein danke!" fordert Untersuchung der "überschießenden Stechmückenvermehrung"

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Wie groß ist die Plage? Und wie groß der Nutzen der kleinen Biester?

Ammersee – Erste Rufe werden laut: Die Ammerseer Mückenplage droht. Einen „enormen Besatz an Stechmückenlarven“ konstatierte Diplom-Biologe Mathias Galm vom Speyerer Verein KABS, der „Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage“ bei seinem Ammerseebesuch. Und zwar Überschwemmungsmückenlarven – andere habe er nicht entdeckt. Schon 2017 hatte es am See eine Mückenplage gegeben. Bereits damals habe der Verein „Mückenplage? Nein danke!“ für eine wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens plädiert, betont erster Vorsitzender Rainer Jünger. Und ebenso für eine Bekämpfung mit B.t.i. – dem jedoch der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) eine Breitbandwirkung zuspricht. Also auch die letale Wirkung auf andere Zweiflügler.

Eine hohe Konzentration von Überschwemmungsmückenlarven könne man im Moment im Ammersee vorfinden, sagt Biologe Mathias Galm von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage“ (KABS) aus Speyer.

Bereits bei einem Larvenbesatz von fünf Larven pro Liter Wasser werde „die Grenze“ erreicht, sagt Galm. Aber dieser Zahl spreche man von einer "hohen zu erwartenden Belastung". Am Ammersee habe er 250 Larven auf einen Liter festgestellt. „Wir brauchen Spezialisten mit Erfahrung, die ihr Wissen über die ökologischen Zusammenhänge einbringen“, so Jünger. 2017 hatte sich „Mückenplage? Nein danke!“ für die Bekämpfung mit B.t.i. eingesetzt – eine Maßnahme die der Gemeinderat Herrsching negativ beschied. Bei den nun geforderten Untersuchungen gehe es um die „konträren Phänomene“ überschießende Stechmückenvermehrung versus Insektensterben.

Da auch der Antrag auf eine solche Untersuchung 2017 abgelehnt worden sei, habe man notwendige Präventionsmaßnahmen verpasst, so Jünger. Und das, „obwohl bereits exotische Stechmückenarten im Süden Deutschlands gefunden wurden, die Viren von Tropenkrankheiten in sich tragen und auf den Menschen übertragen können“.

Das Mittel B.t.i. ist ein Eiweißkristall, das sich in den Zellen der Larven anlagert und diese zum Platzen bringt. Es wird am Oberrhein schon länger eingesetzt. Unter anderem, weil dort schon seit Jeher massenweise Stechmücken vorhanden sind. Jedoch warnen auch dort Wissenschaftler wie der Biologe Dr. Carsten Brühl von der Uni Koblenz-Landau vor möglichen negativen Langzeitwirkungen. Die Uni Koblenz-Landau hatte Ende 2017 eine tödliche Wirkung auf Zuckmücken in einer Studie bestätigt. Und zwar bereits bei 200fach geringerer Konzentration des Wirkstoffes, als er beim Ausbringen in der Natur vorherrsche.

Nach einer Langzeitstudie der Uni Heidelberg in den 90ern sei die B.t.i.-Strategie mit den Naturschutzbehörden abgestimmt worden, hielt Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor der KABS, dagegen. Wo Zuckmücken in Massen vorkämen, werde kein B.t.i. ausgebracht.

Der BUND äußert sich kritisch zum B.t.i.-Einsatz: „Sicher ist, dass B.t.i. auf alle Arten der Stechmücken tödlich wirkt, ebenso wie auf die über 50 Arten der Kriebelmücken.“ Hinzu komme eine letale Wirkung auf Zuckmückenarten, die für den Menschen kein Problem seien, aber Hauptnahrungsbestandteil für viele Tierarten darstellten. Zum Beispiel für „Spinnen, Amphibien, Fische, Libellen, Vögel und Fledermäuse“.

Auch Auswirkungen auf Eintagsfliegen, Wasserkäfer oder Waffenfliegen seien wissenschaftlich bestätigt: „Die Unbedenklichkeit von B.t.i. muss stark in Frage gestellt werden.“ Weshalb der BUND unabhängige Langzeitstudien fordert. Insbesondere spricht sich der BUND gegen einen Einsatz von B.t.i. in Schutzgebieten aus.

Susanne Greiner

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