Keine "Blutmahlzeiten" mehr

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Die Mückenplage am Ammersee kann einen Urlaub oder Tagesausflug ganz schön vermiesen. Eine überparteiliche Initiative von MdL Alex Dorow und Rainer Jünger will jetzt vorbeugend aktiv werden und dazu Bürgermeister und Anwohner gewinnen.

Eching – Im letzten Sommer, geprägt von starken Regenfällen und Hochwasser, war es besonders schlimm mit der Mückenplage rund um den Ammersee. Grillabende oder Biergartenbesuche machten keinen Spaß mehr, Gartenarbeit wurde zur Quälerei, Touristen reisten vorzeitig ab. Nutznießer waren allein die Apotheken, die mit Anti-Mückenmitteln Rekordumsätze verzeichneten. Dabei ist die regelmäßige Anwendung dieser Abwehrmittel nicht gerade gesundheitsfördernd, vor allem bei Kindern.

Um das Übel an der Wurzel zu bekämpfen, hat Rainer Jünger, Gemeinderat in Schondorf und Vorsitzender des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises Landsberg der CSU, zusammen MdL Alex Dorow eine Kampagne zur umweltschonenden Vernichtung der Stechmücken ins Leben gerufen.

Bei der Auftaktveranstaltung Anfang Oktober in Holzhausen mit exzellenten Fachleuten wie dem weltweit anerkannten Mücken-Experten Prof. Dr. Norbert Becker fehlten außer Siegfried Luge (Eching) und Martin Höck (Raisting) alle anderen Bürgermeister der Ammersee-Gemeinden. „Dabei müsste es doch gerade in ihrem Interesse sein, Dorfleben und Fremdenverkehr nicht durch so massive Mückenüberfälle wie heuer zu beeinträchtigen“, so Rainer Jünger. Er und Alex Dorow aber wollen nicht aufgeben und Bürgermeister und Gemeinderäte rund um den Ammersee zu einem gemeinsamen und vorausschauenden Handeln gewinnen, um mit umweltverträglichen und giftfreien Maßnahmen einer Mückenplage in den kommenden Jahren entgegenzuwirken. Als positive Beispiele nannten sie die Erfolge am Chiemsee und am Oberrhein.

Um das weitere Vorgehen zu besprechen, trafen sich die beiden Initiatoren der Anti-Mücken-Ammersee-Kampagne jetzt zu einem konstruktiven Arbeitstreffen mit weiteren aktiven Mitstreitern, darunter die Bürgermeister Luge (Eching) und erstmals Christian Schiller (Herrsching) sowie der grünen Inninger Gemeinde- und Kreisrätin Barbara Wanzke. Man beschloss, die Kampagne künftig parteiübergreifend zu fahren. Mit einem informativen Flyer, einer Unterschriftensammlung und einer eigenen Website will man Gemeindevertreter und Anwohner der Ammersee-Gemeinden für das Thema noch mehr sensibilisieren. Auch eine Infoveranstaltung für die Ostseite in Herrsching wird demnächst organisiert.

Dabei soll nochmals explizit herausgestellt werden, dass es bei der Bekämpfung nur um die sog. Überschwemmungsmücken geht. Sie legen ihre Eier auf Flächen ab, die in den Frühjahrs- und Sommermonaten von Hochwasser überschwemmt werden. Im Vergleich zu anderen Stechmückenarten (in Deutschland gibt es 51) können die Überschwemmungsmücken sehr weit fliegen und suchen sich im Umkreis von bis zu 30 Kilometern Entfernung ihre „Blutmahlzeit“. Im Bedarfsfall wie in diesem Sommer können die Mückenlarven bereits in den Brutgebieten mit BTI vernichtet werden, wobei dies kein chemisches Gift ist, wie Rainer Jünger betont. Der Wirkstoff ist ein Eiweiß und kann sogar von Menschen und Haustieren bedenkenlos konsumiert werden. Am Chiemsee und am Oberrhein habe sich die BTI-Methode bereits bestens bewährt.

Als ersten Schritt für künftige Aktionen am Ammersee muss laut Rainer Jünger eine Kartierung der Überschwemmungsflächen und eine biologische Untersuchung mit Zählung der Mückenlarven und Artenbestimmung durch Fachpersonal erfolgen. Diese stelle die Basis für das Genehmigungsverfahren bei Gemeinden und Behörden dar.

Die Maßnahmen einer Bekämpfung mit BTI sollen nur in sog. Plagejahren, also bei bestimmten Pegelständen des Ammersees sowie ab einer bestimmten Larvenkonzentration durchgeführt werden. Die Kosten belaufen sich nach den Erfahrungswerten am Chiemsee auf etwa zwei Euro pro Bürger und Jahr. Ein Klacks im Vergleich zu den Preisen für Mückenschutzmittel in der Apotheke.

Dieter Roettig

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