Der Münster-Wurm sitzt tief

Die Konzertreihe im Marienmünster liegt seit Jahresbeginn auch offiziell in der organisatorischen Hand des Vereins „Freunde der Dießener Münsterkonzerte“. Viele Aufgaben gilt es nach und nach anzupacken. Die größte ist die Sanierung der Kirchenorgel, was einen sechsstelligen Betrag verschlingen dürfte.

Der Verein zur Unterstützung der Münsterkonzerte war schon lange geplant, im Juni 2008 schließlich erfolgte die Gründung. Dass das bayerische Stiftungsrecht aus dem Jahr 1803 den Verantwortlichen um den Vorsitzenden Adalbert Schulz derart viele Probleme bereiten würde, hatte man nicht ahnen können, die finanzielle Situation löst nach eigenen Angaben „ein gewisses Unwohlsein aus“ (Schulz). Denn der Verein, der die Jahre zuvor gebundene Gelder von Förderern der Münsterkonzerte akquiriert hatte, kann auf diese für musikalische Engagements und feste Ausgaben dringend erforderlichen Mittel derzeit nicht zurückgreifen. Stattdessen bekommt der Verein ein so genanntes Darlehen seitens der Kirchenstiftung, das aber ohne zeitliche Auflagen zurückgezahlt werden kann – etwa über die Nutzungsgebühren des Barockjuwels oder über die rechtlich geregelten Überschuss-Zahlungen. Wie wichtig die Vereinsgründung trotz der finanziellen Widrigkeiten war, macht Schulz in einem einfachen Satz deutlich: „Ich möchte nicht, dass alle mitreden – das Verständnis dafür, was für die Organisation und die Durchführung der Konzerte nötig ist, ist einfach nicht bei jedem ausgeprägt.“ Ein gewisses Stück Unabhängigkeit wollen die Freunde der Münsterkonzerte bieten: „Die Honorierung geht jetzt über den Verein – in der Kirchenverwaltung gibt es viele, die nicht berufen sind, darüber mitzudiskutieren“, stellt Schulz unmissverständlich klar. Jahrhundertprojekt Der Verein hat sich jedoch nicht nur die Förderung der Münsterkonzerte vorgenommen. Was ansteht, ist nicht weniger als ein Jahrhundertprojekt: die Sanierung der Kirchenorgel aus dem Jahr 1739 von Caspar König, eines der bedeutendsten Orgelbauer des 18. Jahrhunderts. Zwar sei es schwer zu vermitteln, weil man die meisten Unstimmigkeiten nur mit geschultem Ohr und direkt auf der Empore wahrnehme, doch die Schäden, die Münsterorganist Franz Günthner aufzählt, sind gravierend: Schimmelpilze, die den schwierigen, aber bekannten Temperaturverhältnissen in dem Bauwerk geschuldet sind, haben sich in dem Instrument gebildet. Es gebe Intonationsprobleme zwischen den Orgelwerken, trotz der mehr als 40 Registern fehle eine Setzeranlage, eine elektronische Registerspeicherung. Nicht zuletzt monierten auch Gastorganisten eine Schwergängigkeit der Traktur, weshalb die Tasten an der Orgel nur gegen einen nicht unerheblichen Widerstand betätigt werden können. All diese Mängel hätte man bei der letzten Überholung des Orgel sehen oder erkennen müssen, so Günthner, der die fachgerechte Behebung auf einen sechsstelligen Bereich schätzt. Die Gelder müssten wohl weitgehend aus Gaben von Spenden und Förderern finanziert werden. Soll nicht viel Zeit verstreichen, wäre der Zeitraum der Münsterschließung 2010 anzuvisieren: Dann sollte die Konzertreihe ohnehin kreativ geplant und für Ausweichschauplätze gesorgt werden, denn das Marienmünster muss über den Sommer hinweg geschlossen bleiben: Der Wurm sitzt im Gestühl, die Kirche muss chemisch behandelt werden.

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