Lebendige Juke-Box

Münze einwerfen und Livemusik genießen - hinterm Dießener Gartenzaun

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Wie bei einer Jukebox wählt man ein Stück aus, wirft seinen Obolus ein und schon greift die Dießener Akkordeon-Virtuosin Annette Rießner in die Tasten.

Dießen – Not macht bekanntlich erfinderisch. In Zeiten der Corona-Krise haben viele freischaffende Künstler kreative Ideen, um Umsatzeinbußen wegen abgesagter Veranstaltungen abzumildern. Eine, die sich nicht unterkriegen läßt und positiv in die Zukunft schaut, ist die Dießener Musikerin Annette Rießner. Sie hat die „Lebendige Jukebox“ erfunden und erfreut trotz behördlich angeordnetem „Social Distancing“ mit klassischer Live-Musik auf dem Akkordeon.

Von ihrem Garten in der Lommelstraße 5 (um die Ecke vom Gewerkhaus in der Krankenhausstraße) aus erfüllt sie gegen einen kleinen Obolus Musikwünsche von Nachbarn und Passanten. Am Gartenzaun hängen Schilder mit ihrem Jukebox-Repertoire. Man wählt seinen Lieblingstitel aus und steckt das Schild gut sichtbar in die Wäscheklammern. Und schon öffnet sich die Haustüre und Annette Rießner kommt mit ihrem Akkordeon in den Garten zum persönlichen Solo-Konzert, vorschriftsmäßig mit Abstand zu den Zuhörern vor dem Gartenzaun. Spätestens jetzt öffnen sich die Fenster der Anlieger und alle lauschen andächtig den Kompositionen von Scarlatti, Franck oder Piazzolla. Bei schönem Wetter will Annette Rießner mit ihrer Live-Jukebox jeden Tag um 18 Uhr für eine klingende Abwechslung im Corona-Alltag sorgen.

Annette Rießner ist in Dießen keine Unbekannte. Die Enkelin des bekannten Landschaftsmalers Rudolf Schoeller (1905 bis 1986) sorgte mit ihrer Hauskonzert-Reihe rund um den Ammersee schon für viel positive Resonanz bei Kennern klassischer Musik. Mit wechselnden Partnern und ihren diversen Instrumenten brachte Rießner außergewöhnliche Klassikevents in die Wohnzimmer der privaten Gastgeber. Da die nächsten Hauskonzerte wegen Corona abgesagt beziehungsweise verschoben wurden, kam Annette Rießner auf die Idee der „Lebenden Jukebox“.

Rießner war auch Initiatorin des von der Kritik hoch gelobten Projekts „Grundrauschen“ im Taubenturm des Heimatvereins. Aus Klangkollagen von Dießener Alltagsgeräuschen und davon inspirierten Werken von regionalen Malern, Bildhauern oder Fotografen komponierte sie musikalische Miniaturen, die sie bei der Vernissage live nach dem Abspielen des „Grundrauschens“ präsentierte.

Die Musikerin

Annette Rießner studierte Akkordeon in Ufa-Baschkirien (Russland), Berlin und Freiburg sowie Kulturmanagement an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Sie ist Preisträgerin verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe und wurde von der Yehudi-Menuhin-Stiftung gefördert. Bereits während ihres Studiums interessierte sie sich für zeitgenössische und experimentelle Musik und ihre Präsentation. Daraus ergaben sich unter anderem Tätigkeiten für Theater-, Hörspiel- und Filmmusiken für das Hans-Otto-Theater Potsdam, die TV-Sender ARTE, 3-Sat und SWR-ARD. Und sie wirkte bei Orchesterprojekten mit beim WDR-Rundfunkorchester Köln, bei der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern, am Musiktheater der Jungen Oper Stuttgart und am Theater Freiburg.

Bei diesem Background und soviel künstlerischer Erfahrung sind ihre aktuellen Jukebox-Auftritte hinterm Gartenzaun schon etwas Besonderes in Zeiten von Corona.
Dieter Roettig

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