Neues Stadtmuseum teilgeschlossen:

Bis Sommer konzeptionslos

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Nach Ansicht von Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller bedarf es für Dauerausstellung und -leihgaben im Neuen Stadtmuseum dringend einer Perspektive.

Landsberg – Klar ist seit geraumer Zeit, dass das Neue Stadtmuseum zum 1. Februar in großen Teilen geschlossen wird – lediglich das Erdgeschoss mit den aktuellen Ausstellungen bleibt offen. Un­klarer denn je ist jetzt, wann man wieder öffnen wird. Der Stadtrat wollte sich nicht auf ein Datum festlegen lassen.

Er sei „bekanntlich ein großer Freund des Museums“, so Axel Flörke (Landsberger Mitte), „aber ich bin auch Stadtrat und muss abwägen zwischen Museum und Finanzen. Und im Moment geht es einfach um die Finanzen.“ Damit sprach sich auch Flörke gegen den Antrag von Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller (CSU) aus. Sie hatte vorgeschlagen, im Beschluss zur Schließung gleichzeitig festzulegen, dass bis 2015 ein Konzept erarbeitet und das Stadt­museum 2016 wieder geöffnet werden sollte. Knollmüller führte vor allem die Eigen­tümer der Dauerleihgaben als Begründung an: „Wir brauchen für die dringend eine Perspektive. Wenn wir sagen, das Museum ist auf unbestimmte Zeit zu, könnte es sein, dass wir zum Schluss vor einem leeren Haus stehen.“ Nach KREISBOTEN-Informationen haben einige Leihgeber angedroht, ihre Stücke von der Stadt zurückzufordern.

Nicht nur deshalb forderte Knollmüller zunächst, 2016 auf jeden Fall in das Gebäude in der Helfensteingasse zu investieren, der Museumsbeirat sei sich einig, dass es sich auf jeden Fall nur um „eine vorübergehende Teilschließung“ handeln dürfe. Ohnehin sei das Geld für eine Sanierung auf keinen Fall verloren. „Brandschutz, Barrierefreiheit und vieles andere müssen sowieso gemacht werden.“

Von einem möglichen „Ringtausch“ verspricht sich die Bürgermeisterin zunächst nicht viel. Christoph Jell (UBV) hingegen brachte das entsprechende Gutachten von Professor Joachim Vogt in der Sitzung wieder ins Spiel. „Wenn wir schon 120000 Euro dafür ausgegeben haben, sollten wir uns vielleicht auch einmal damit beschäftigen.“ Laut Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) ist das bereits erfolgt: „Es liegt gerade auf meinem Schreibtisch.“ Sig­- rid Knollmüller hatte schon zuvor gewarnt: „Wenn da von der Schlossbergschule als Museumsstandort die Rede ist, klingt das vielleicht charmant. Aber wir reden von einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren und das ist viel zu lang für eine Schließung.“

In Vereinshand?

Einstimmig sprach sich das Gremium dann dafür aus, Museumsleiterin Sonia Fischer mit der Erstellung eines Gesamtkonzeptes zu beauftragen, das Mitte kommenden Jahres vorgestellt werden soll. „Darin muss es dann vor allem um Kostenregulierung und -senkung gehen, sonst gar nichts“, gab Dr. Reinhard Steuer (UBV) angesichts eines jährlichen Defizits von rund 200000 Euro die Richtung vor. „Woher manche hier ihren Optimismus nehmen, dass wir in zwei Jahren wieder eröffnen können, habe ich nicht vernommen. Die Wahrheit ist, dass wir überhaupt keinen Termin nennen können.“ Steuer sprach sich deshalb gegen „Denkverbote“ aus und brachte die Idee einer privaten Trägerschaft des Museums ins Spiel. „Warum soll das nicht ein ehrenamtlicher Verein machen?“

So weit wollte man im Stadtrat dann aber doch nicht gehen, nahm aber andererseits auch nicht das von der Bürgermeisterin gewünschte Datum für die Wiedereröffnung auf. Wie einige seiner Ratskollegen richtete Flörke dabei vor allem den Blick auf die Zeit nach den Kommunalwahlen im März. „Der neue Stadtrat wird dann ohnehin die Entscheidung nach den Finanzen treffen und nicht nach dem, was wir hier jetzt wollen.“

Christoph Kruse

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