Die Musik der Bienen hören

Ein Blick hinter die Kulissen des Bienenlebens: Ein kleiner Junge bestaunt das Apiarium hinter der Glasscheibe. Fotos: Osman

Die Beziehung zwischen Mönchen und Bienen ist eine besondere. „Das Leben im Bienenstock birgt ebenso viel Staunenswertes und Geheimnisvolles wie die Religion. Wir können es nicht erklären, wir müssen es glauben.“ Der das sagt, muss es wissen. Hans Schmid ist zwar selbst kein Mönch, betreut aber seit 20 Jahren die Bienenvölker der Erzabtei St. Ottilien. Dort startete kürzlich die Ausstellung „Mönche und Bienen – Imkerei und Wachskunst in Klöstern“.

Bis zum 10. September ist die Ausstellung in der Galerie über dem Klosterladen zu sehen. Sie beleuchtet die Bienenpflege in der klösterlichen Tradition, zeigt historische Gegenstände der Imkerei sowie eine Sammlung kunstvoller Wachskerzen. Besonders faszinierend: ein Blick hinter die Kulissen des Bienenlebens. Durch eine Glasscheibe kann man die fleißigen Insekten in ihrem Apiarium bei der Arbeit beobachten. Leihgaben erhielten die Ottilianer unter anderem vom Jexhof, aus den Kerzenwerkstätten der Abteien Kellenried und Schweikl­- berg sowie aus dem fränkischen Imkerei-Museum in Feucht. Bienenkörbe und Bienenkästen, Honigschleudern aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert lassen erahnen, wie mühsam die Imker früherer Tage ihrem Geschäft nachgingen, zeugen aber auch von großer Kreativität. Um es mit Schmids Worten zu sagen: „Zwei Imker geben drei Erfinder.“ Um den Honig aus den Waben zu lösen, verwendete der Bienenzüchter anno dazumal eine offene Schleuder, die ihm den Honig regelrecht um die Ohren fliegen ließ. Erst später kam man auf die Idee, die Waben in geschlossenen Behältnissen rotieren zu lassen. Als Antrieb dien­- ten lange Zeit manuelle Drehkurbeln. „Heute haben wir eine elektrische Schleuder“, berichtet Schmid. Bienenzucht gibt es in St. Ottilien fast so lange wie das Kloster existiert. Bald nach seiner Gründung im Jahr 1884 standen die ersten Bienenhäuser zwischen Klosterkirche und Exerzitienhaus. Später verlegte man sie auf das Gelände des heutigen Rhabanus-Maurus-Gymnasiums, wo sie 1977 dem Schulbau weichen mussten. In der Landwirtschaftsschule, die das Kloster lange Zeit unterhielt, war die Imkerei sogar Unterrichtsfach. Heute haben die Bienen ihre Heimat in den Gärten hinter der Klostergaststätte. Rund 20 Völker sorgen hier dafür, dass die Bewohner und Gäste der Erzabtei, die Schüler von Tagesheim und Internat immer ein leckeres Glas Honig auf dem Tisch stehen haben. „Der Honig schmeckt einfach delikat“, schwärmt Schmid, „süß, fruchtig, aromatisch; viel besser als aus dem Supermarkt.“ Die laufende Saison verspricht allerdings keine reiche Ernte. Produzierten die Klosterbienen im vergangenen Jahr 800 Kilo Honig, so sind es heuer erst 200 Kilo, die Schmid und sein Imkerkollege Bruder Isidor aus den Waben gewinnen konnten. Das kühle Wetter im Mai und Juni hat die fleißigen Insekten massiv ausgebremst, und ihre Saison endet bereits in einigen Wochen. Täglich im Bienenhaus Schmid, der 30 Jahre lang am Rhabanus-Maurus-Gymnasium Biologie, Chemie und Erdkunde unterrichtete, übernahm die Bienen auf Bitten der Klosterleitung, weil unter den Mönchen damals kein Imker zu finden war. Inzwischen ist er 84 Jahre alt, aber immer noch täglich im Bienenhaus aktiv. Zu tun gibt es genug. Durch raffiniertes Teilen der Völker etwa gilt es zu verhindern, dass sich ein Bienenschwarm davonmacht und hoch oben in einem Baum eine neue Wohnung findet. Geschieht das doch einmal, eilt die klösterliche Landwirtschaft den Imkern zu Hilfe und fängt von der Hubraupe aus den Schwarm wieder ein. Schmid und der 80-jährige Bruder Isidor haben inzwischen einen jüngeren Mitstreiter geschult, der eines Tages das Zepter im Bienenhaus übernehmen soll. Doch so weit ist es noch lange nicht. Viel zu sehr genießt es Schmid, hier zu arbeiten und abends, wenn alle Arbeit getan ist, gemütlich am Bienenhaus zu sitzen und den Sommertag ausklingen zu lassen. „Nur noch die Musik der Bienen zu hören, wenn der Betrieb im Biergarten langsam aufhört, und zuzuschauen, wie der Honig durchs Sieb läuft – das ist einfach ein Vergnügen.“

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