Musik zur Ehre Gottes

Erweckte die renovierte Orgel zum Leben: Münsterorganist Klemens Schnorr. Foto: Eckstein

Zwei Jahre lang wurde sie renoviert, jetzt erstrahlt die Sandner-Orgel in der Stadtpfarrkirche „Zu den Heiligen Engeln“ in neuem Glanz. Um die Königin der Instrumente zum Klingen zu bringen und zu demonstrieren, wie wunderbar und vielseitig ihr neuer Klang ist, hatte die Kirchenstiftung am Sonntag Freiburgs Münsterorganisten Professor Klemens Schnorr eingeladen.

Unter dem Titel „Europäische Horizonte“ hatte der renommierte Organist ein Programm zusammengestellt, das nicht nur durch verschiedene Länder, sondern auch Musikstile und Epochen führte und das bestens geeignet war, der klanglichen Erweiterungen der renovierten Orgel Geltung zu verschaffen. Noch bis zum Nachmittag hatte der Peitinger Orgelbauer Michael Jocher mit seinem Team an dem Instrument gearbeitet, um es der Kirche so perfekt wie möglich zu übergeben, wie Kirchenmusiker Bernhard Brosch in seiner Einführung erklärte und sich herzlich bei dem Orgelbauer und allen Spendern und Sponsoren bedankte, die die Renovierung der Orgel ermöglicht haben. Eine besondere Freude war es für Brosch, ausgerechnet Klemens Schnorr be­- grüßen zu dürfen, der ihn durch eines seiner Konzerte dazu inspiriert habe, selbst Kirchenmusiker zu werden. Schnorr begann mit dem berühmten „Tuba Tune in D-Dur“ von Norman Cocker, dem langjährigen Organisten der Kathedrale in Manchester. Ein typisch britisches Werk, dessen beschwingter Lobpreis einen festlichen Auftakt dieses Konzertes bildete. Komponiert für den Markusdom in Venedig wurde Oreste Ravanellos „Thema und Variation in h-moll“ aus dem Jahr 1901, dessen Stimmungen von besinnlich zu verspielt bis zu dramatischer Opulenz reichen. Schnorr mag die Abwechslung und gönnte mit der „Invocation f-moll“ des Belgiers Nicholas Jaques Lemmens und Bachs Chorälen über „Liebster Jesu, wir sind hier“ dem Zuhörer etwas Entspannung. Umso aufwühlender das „Moto ostinato“ des tschechischen Komponisten Petr Eben. Der vor drei Jahren verstorbene Eben war einer der wichtigsten zeitgenössischen Orgel- und Kirchenmusikkomponisten, der bis 1989 im ständigen Konflikt mit dem kommunistischen Regime der Tschechoslowakei stand. „Moto ostinato“ aus der „Sonntagsmusik“ gilt als eines seiner eindringlichsten Kompositionen und wird in seiner Dramatik als Kampf zwischen Gut und Böse interpretiert. Schnorrs Virtuosität zeigte sich erneut bei Louis Viernes „Carillon de Westminster“, bei dem sich der berühmte Glockenschlag des Londoner „Big Ben“ als wiederkehrendes Motiv durch facettenreiche Variationen zieht. Für den begeisterten Applaus bedankte sich der Künstler nochmals mit einem Werk von Lemmens, der „Fanfare in D-Dur“, einem festlich-erhabenem Glockenklang. Bei aller Brillanz macht Professor Klemens Schnorr deutlich, dass für ihn immer das Werk im Vordergrund steht, ganz im Einklang mit dem Motto der Sandner-Orgel: „Zur höheren Ehre Gottes“.

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