Beflügelte Skulpturen

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Zehn Künstler stellen ihre Werke im ehemaligen Braunviehstall Achselschwang aus. Dominant thront der rote Flügel inmitten der Skulpturen.

Achselschwang – Der rote Flügel steht in der Mitte des langgezogenen Stallgebäudes, vor und hinter ihm zahlreiche Skulpturen, fast wie in einem Wald. Man könnte meinen, das Piano überwache die Werke der zehn Bildhauer, deren extra für diese Ausstellung hergestellte Arbeiten das Herz von „Skulpturen & ein rotes Piano“ bilden. Musik und bildende Kunst sollen sich hier verbinden: Jeden Abend um 18 Uhr gibt es im ehemaligen Braunviehstall ein klassisches Konzert verschiedener Pianisten, Sänger und anderer Instrumentalisten.

„Sie können sich zwischen den Skulpturen frei bewegen“, sagt zu Beginn der Vernissage Hans-Joachim Scholz, zusammen mit seiner Frau Doris Pospischil Mitorganisator der AMMERSEErenade 2015. „Aber bitte seien Sie vorsichtig.“ Ein bisschen eng ist es schon. Vor allem, da zur Vernissage trotz schönstem Badewetter zahlreiche Kunstinteressierte den Weg nach Achselschwang gefunden haben. 

Die Skulpturen sind aus unterschiedlichsten Materialien, stalagmiten-ähnliche Blöcke aus Glas neben langgezogenen Tonfiguren, abstrakte Holz- und Steinarbeiten neben Metallstelen. Vor dem Stall der große Marmorblock, an dem einer der Künstler während der Ausstellung arbeiten wird. Ingeborg Bias-Putzier vom „kleinen Kunstformat“ in Dießen gibt eine kurze Einführung: „Musik und Kunst sollen hier eine Einheit bilden. Sie berühren beide den Menschen unmittelbar, ohne Worte.“ Der Besucher solle hier die Mischung aus Rhythmus, Komposition und Klangfarbe genießen – Aspekte, die es sowohl in der bildenden Kunst als auch in der Musik gebe. 

Die Kuratorin der Ausstellung Gisela Detzer ist selbst Künstlerin und hatte schon während der ersten AMMERSEErenade im vergangenen Jahr im Braunviehstall ausgestellt: „Danach habe ich mich mit fünf Bildhauern zusammengesetzt und das Konzept erarbeitet.“ Von allen Skulpturen wurden Modelle hergestellt, deren Anordnung die Kuratorin so schon vorher testen konnte: „Ich hab das auf meinem Esstisch gemacht, der ist zum Glück drei Meter lang!“ Es sei ja nicht jedermanns Sache, zusammen mit anderen Künstlern auszustellen, aber alle zehn Bildhauer seien mit dem Konzept absolut einverstanden. 

Detzer, Pospischil und Scholz kennen sich schon länger: „Wir sind nämlich Nachbarn“, erzählt Doris Pospischil. Das Konzept, Kunst und Musik in einem Stall zu verbinden, sei entstanden, um jüngere Leute anzusprechen: „Oft hat man ja bei solchen Veranstaltungen viele graue Köpfe im Publikum“, gibt Pospischil zu. Der Stall solle die in Galerien vorherrschende, strenge Atmosphäre auflockern. Natürlich sind die Werke der Künstler käuflich zu erwerben, aber: „Sie können hier reinkommen und ganz in Ruhe schauen. Sie müssen mit niemandem sprechen und auch nichts kaufen“, betont Pospischil. 

Um junge Menschen anzuziehen hat Pospischil bewusst auf junge Musiker gesetzt. So wie die russisch-georgische Pianistin Irina Kornilenko, die sich zum Abschluss der Vernissage an den roten Flügel setzt und virtuos Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ spielt. Danach bittet sie die Zuschauer um Begriffe, die sie mit den Exponaten assoziieren. Viel kommt nicht. Ein Mann bezeichnet eine Büste als „gute Arbeit“. Also eine Improvisation auf diese Skulptur. 

Kornilenko spielt eine harmonische, träumerische Melodie. Einige Besucher lauschen aufmerksam, ein paar gehen, wieder andere wandern durch die Ausstellung. Und unterhalten sich. So leise wie bei einem Konzert ist es nicht, jemand zischt aufgebracht „pst!“... 

Musik und bildende Kunst können nebeneinander stehen. Aber ein Publikum zu finden, das beides genießt, scheint nicht so einfach zu sein. Die Ausstellung im ehemaligen Braunviehstall des Staatsguts Achselschwang läuft noch bis zum 4. September, der Eintritt ist frei.

Susanne Greiner

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