Musik, die Menschen berührt

Der zum Konzertsaal umfunktionierte Raum im Sportzentrum war kalt und so mancher Gast fröstelte zu Beginn des Konzerts. Doch das leidenschaftliche Zusammenspiel der mehr als 70 jungen Musiker zog das Publikum sofort in seinen Bann und die Kälte war für die nächsten zweieinhalb Stunden vergessen. Mit ihrem Programm „Berliner Luft – mit Pomp, ohne Circumstance!“ bewies die Stadtjugendkapelle unter der Leitung von Hans-Günter Schwanzer einmal mehr, dass sie zu Recht zu den besten in Deutschland gehört.

Der Auftritt hat eines verdeutlicht: Die außerordentliche Qua­lität, mit der die Musiker die einzelnen Stücke vorgetragen haben, haben sie nicht auf Kosten von Freude und guter Laune erreicht. Im Gegenteil. Die Begeisterung für die Musik und das Musikmachen begleitete jeden Ton. Das ist es auch, womit Hans-Günter Schwanzer seit 20 Jahren seine Schüler ansteckt und motiviert, jeder für sich und alle zusammen immer besser zu werden. „Spaß bei der Arbeit hat nichts mit Disziplinlosigkeit oder fehlender Ernsthaftigkeit zu tun“, betonte Schwanzer nach dem Konzert. „Aber wenn die Musik uns und unser Publikum am Herzen berühren soll, müssen wir mit Freude dabei sein.“ Dass auch Schwanzer mit Freude bei der Sache war, erfuhren seine Schüler ganz unmittelbar während des Konzerts. Immer wieder streckte er nach besonders schwierigen Passagen anerkennend seinen Daumen nach oben oder schenkte nach gelungenen Soli ein anerkennendes Lächeln. Zwischen den Musikstücken sorgten kurze Einlagen zusätzlich für Unterhaltung. In einer Art Rückblende stellten zwei Mitglieder des Orchesters die alten und mittlerweile ausgedienten Musikeruniformen vor. Vor allem der rote Pullover, Modell Luis Trenker, den Alexander Wolf mit Würde trug, sorgte für allgemeine Erheiterung. Er ziehe das unverwüstliche Stück mitt­lerweile zum Skifahren an. Und, großer Lacher, er werde am Skilift ob des formidablen Designs immer wieder gefragt, wo man das gute Stück denn kaufen könne. Ein weiterer nichtmusikalischer Höhepunkt war die Übergabe einer überdimensional großen roten Brille an den Orchesterchef. Der habe kürzlich in einer Probe beklagt, er könne die Partituren nicht mehr so gut lesen. Schwanzer zog die Brille sogleich auf und dirigierte, trotz oder wahrscheinlich wegen des Streiches, den ihm seine Schüler gespielt hatten, mit einem Lächeln durch das nächste Stück. Katharina Huber und Florian Penzel, die durch das Unterhaltungsprogramm führten, dankten stellvertretend für alle Musiker ihrem Chef für sein uner­- müdliches, 20 Jahre währendes Engagement. Sie taten dies ganz offensichtlich von Herzen. Und mit einem Augenzwinkern. Denn der Geschenkkorb enthielt, unter anderem, eine Antifaltencreme – ob sie noch Abhilfe schaffen könne, sei aller­- dings fraglich –, Nervennahrung und Vitamine. Dem aufrichtigen Dank schloss sich Oberbürgermeister Ingo Lehmann an. Offensichtlich ungeplant hatte er die Bühne betreten, um die herausragenden Leistungen sowie die Begeisterungsfähigkeit Schwanzers zu würdigen. Weitere Paukenschläge Es war ein mitreißender Abend. Die Luft war erfüllt mit Bläsern und Paukenschlägen, mit Lachen und stehendem Schlussapplaus. Wer auch einmal mitgerissen und von Musik berührt werden will, sollte sich den 10. Februar vormerken. Dann spielt die Stadtjugendkapelle in der Waldorfschule Landsberg.

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