Musikalische Weltreise mit Abschied

„Mama, setzt dich in den ersten Stock“, ruft eine Mädchenstimme von der Bühne, während die Lehrerin die Instrumente stimmt. Die Plätze im Stadttheater sind zu diesem Zeitpunkt schon sehr gut gefüllt und das Publikum wartet auf den ersten Programmpunkt der zweitägigen Veranstaltungsreihe „Musik und Begegnung“, bei der die Schüler der Städtischen Sing- und Musikschule die Früchte ihrer vielen Übestunden zu Gehör bringen.

Diese Vorbereitung dauerte etwas länger, als man das von großen Orchestern gewohnt ist, denn in ihrem Grundschulalter können die meisten der „Minis“ ihre Instrumente noch gar nicht selbst stimmen. Derweil schweift der Blick über die Bühne: Taschen, Hüte, Jacken und vieles mehr liegt zwischen den Instrumenten ver­streut – ja, so muss es wohl aussehen, wenn Kinder musizieren. „Hallo Leonie!“, ruft auf einmal ein sogar für die Minis noch zu kleines Mädchen aus dem Publikum, als ihre große Schwester die Bühne betritt. Jetzt geht es also gleich los. In blauen T-Shirts gekleidet haben sich die Minis, das jüngste Streichorchester der Stadt Landsberg, an ihre Instrumente begeben. Hinter ihnen stellten sich die Maxis auf – in roten Shirts. Das musikalische Tagebuch einer Reise um die Welt konnte beginnen. Es entführte die Hörer nach Afrika und seinen Trommeln, nach Italien – „wo die Verpflegung am besten war“ – in eine Hafenbar in Amerika, in die Türkei, nach China, Russland, Österreich und zu den Hopi Indianern und ihrem Häuptling Großer Adler. Das Pub in Irland wurde musikalisch ebenso lebendig wie die jüdische Hochzeit in Israel und das Piratenschiff in der Karibik. Und mit der Zeit wurde deutlich, dass die Taschen, Hüte und Jacken nichts mit kindlichem Chaos zu tun haben, sondern – von Sonnenbrillen über Piratenkopftüchern bis hin zu Indianer­federn – die Requisiten für die Reisestationen enthielten. Nach dem Applaus des Publikums gab es im Foyer viel Lob von den älteren Musikern, die ihren Auftritt mit dem großen Streichorchester erst am Abend haben würden. „Das war spannend gemacht und sehr abwechslungsreich“, fand Katharina Gruber (16) und Anna-Lena Keerl (17) fügte hinzu: „Auch die Kleinsten konnten zur Geltung bringen, was sie gelernt haben. Beeindruckend fand ich etwa, dass sie bei dem Piratenstück gleichzeitig gesungen und ihre Instrumente gespielt haben. In manchen Passagen habe ich wirklich Gänsehaut-Feeling bekommen.“ „Kathi“ Gruber fand auch lobende Worte für die Musiklehrer, Beate Leupold und Lisa Pokorny: „Man sieht gar nicht, welch hoher Aufwand hinter so einer Aufführung steht. Ich weiß aber, dass da auch zweimal am Wochenende geprobt wurde. Es ist eine tolle Leistung der Lehrer, dass die Minis und Maxis diesen Auftritt hinbekommen haben. Man konnte heute sehen, dass die Kinder auch viel Spaß dabei hatten.“ Noch sichtlich beschwingt von ihrem Bühnenerlebnis berichtete Nina Keerl (12) von ihrer Rolle als „Maxi“, in der sie vor den Stücken aus dem Tagebuch vorzulesen hatte, um das Publikum auf die nächste Reisestation einzustimmen: „Im Tagebuch standen nur Stichworte. Ich musste mir also selbst überlegen, was ich sage. Es war echt cool, vor so einem großen Publikum zu stehen, aber ich musste auch aufpassen, dass ich mich nicht verhasple, wenn ich in die Menge blickte.“ Bewegender Abschied Fast 30 Minis und noch einmal 30 Maxis standen bei diesem Konzert auf der Bühne. Am Abend waren es dann etwa 40 weitere Streicher, die unterstützt von Bläsern, Schlagwerkern und einer Harfe die Moldau von Bedrich Smetana erklingen ließen. Dieses Konzert war gleichzeitig der letzte Auftritt von Elisabeth, „Lisa“, Schmidt, die symbolisch ihren Taktstock als Dirigentin des großen Streich­orchesters der Musikschule an Birgit Abe übergab . Elisabeth Schmidt hatte vor etwa zehn Jahren begonnen, das aufzubauen, was heute Mini, Maxi und das große Streichorchester sind: „Angefangen habe ich mit einem kleinen Ensemble aus meinen eigenen Schülern und mit einfachster Literatur. Damals musste ich sogar noch um einen Probenraum kämpfen. Heute spielen etwa 100 Streicher in Orchestern der Musikschule. Ich bin sehr dankbar für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die sich mit allen Lehrerkollegen entwickelt hat. Die Arbeit hat mir immer große Freude gemacht, doch jetzt ist Zeit, mit der Orchesterarbeit aufzuhören.“ Ihre Musiker bereiteten Elisabeth Schmidt einen bewegenden Abschied. Die erste Geigerin und Orchestermitglied der ersten Stunde, Andrea Heilrath überreichte 42 gelbe Rosen, eine von jedem Orchestermitglied. „Wir sind mit einer kleinen Gruppe gestartet, immer größer geworden und haben unser Niveau ständig gesteigert“, sagte die Konzertmeisterin, die eben ihr Abitur gemacht hat und das Orchester ebenfalls verlassen wird. Sie schloss mit einem „Danke Lisa!“ – zwei Worte, die auch auf einem großen Transparent standen, das in diesem Moment von der Loge aus enthüllt wurde.

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