Musikalischer Hochgenuss

Nach der Pause interpretierten Hendrik Heilmann (Klavier), Christoph Hartmann (Oboe) und Martin Kuuskmann (Fagott) ein Terzett von Théodore Lalliet. Fotos: Eckstein

Den Titel „Sommermusiken“ konnte man in diesem Jahr wirklich wörtlich nehmen. Während am Samstagabend draußen noch Temperaturen um die 30 Grad herrschten, waren es in der Aula der Berufsschule gefühlte 60, was den Musikern absolute Höchstleistungen an Konzentration und Technik abverlangte – mit riesigem Erfolg, wie der nicht enden wollende Beifall und die Bravo-Rufe eindrucksvoll bewiesen.

Versierte Konzertbesucher hatten sich schon einen Fächer mitgebracht, andere benutzen das Programmheft zum Zweck der Kühlung. Den Musikern der Berliner Philharmoniker standen diese Hilfsmittel nicht zur Verfügung, umso mehr verblüfften und begeisterten einmal mehr die Interpretation und Präzision der ausgewählten Stücke. Von Landsberg in das eher „halbseidene“ Paris führte das erste Stück „L’Heure du Berger“ (zu Deutsch: Das Schäferstündchen) von Jean Francaix (1912 bis 1997), eine schwungvoll-amüsante Suite über alternde Beaus und Pin-Up-Girls. Etwas ruhiger, melancholischer ging es dann mit Claude Debussys „Sonate in F-Dur für Flöte, Viola und Harfe“ weiter, bevor der erste Teil mit dem furiosen „Gran Concerto“ des sizilianischen Oboisten Antonio Pasculli (1842 bis 1924) abschloss, in dem der Komponist Themen aus Guiseppe Verdis Oper „I Vespri Siciliani“ („Die sizilianische Vesper“ über den sizilianische Aufstand im 13. Jahrhundert) aufgreift und das an die Solisten höchste technische Ansprüche stellt. Nach einer Pause und Abkühlung dank etwas Wind, Getränken und gekühlter Schokolade wurde im zweiten Teil ein eher unbekannter Komponist gewürdigt: mit dem Terzetto opus 22 für Oboe, Fagott und Klavier von Théodore Lalliet, einem Zeitgenossen Antonin Dvořáks, dessen Terzett in C-Dur für zwei Violinen und Viola folgte und das Dvořák eigentlich betont einfach für einen kleinen Hausmusikkreis komponieren wollte. Leider erwies sich das Stück doch als viel zu virtuos für die Adressaten, zu den „Landsberger Sommermusiken“ passte es jedoch mit seinen Variationen von Themen in Zusammenspiel mit Walzertakten, perfekt. Mit dem mitreißend-leidenschaftlichen Sextett in C-Dur von Ernst von Dohnányi (1877 bis 1960) endete ein begeisternder Konzertabend, dem eine nicht eingeplante „Pauke“ zusätzliche Dramatik verlieh: In das Allegro des letzten Satzes krachte ein heftiges Gewitter, das zum Glück nicht zu viel des ausgeklügelten Arrangements des Finales übertönte. Freuen wir uns auf die nächsten, die 15. Sommermusiken!

Meistgelesen

Landrat klärt Mordfall
Landrat klärt Mordfall
80 Schafe verenden bei Stallbrand
80 Schafe verenden bei Stallbrand
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
Schumann hat Zahnweh
Schumann hat Zahnweh

Kommentare