Am Ende ein »Veilchen«

Musikkabarett, Film und Lesung zum Abschluss der Landsberger »Holzwege«

Das Musikkabarett „Zum Blauen Veilchen“ – Monica Calla (als Verschwörte Ilse-Dörte auf „Sohlenwanderung“), Sybille Engels und Jank Jankovic (von links).
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Das Musikkabarett „Zum Blauen Veilchen“ – Monica Calla (als Verschwörte Ilse-Dörte auf „Sohlenwanderung“), Sybille Engels und Jank Jankovic (von links) – musste wetterbedingt unters Vordach der Alten Wache umziehen.

Landsberg – Pünktlich um 16.30 Uhr geht die Welt unter. Regenschauer, Hagel, schwarzer Himmel sorgen dafür, dass am letzten Abend der „Holzwege“ auch das Musikkabarett „Zum Blauen Veilchen“ die erprobte Schlecht-Wetter-Bühne unter dem Vordach der Alten Wache beziehen muss. Zur Dekameron-Lesung und dem Film „Könnte nicht mehr besser sein“ klart es dann wieder auf – und Act und Zuschauer dürfen zurück auf die Waldbühne mit Charme.

„Wir machen mal ein bisschen Fahrstuhlmusik“, begleitet Sybille Engels, Musikerin und Autorin, die ersten Takte, die sie mit

Jank Jankovic an der Gitarre plänkelt – solange, bis Schauspielerin Monica Calla, beim „Blauen Veilchen“ für den darstellenden Teil zuständig, das Duo zum Trio macht. Den Start machen Calla und Engels mit „Speedgedichten“: Zweizeiler, die sie sich während der Corona-Kontaktverbotszeiten zugeschickt haben. Eine Art Haikus rund um Corona-Themen – mit Humor und ohne Silbenzählung.

Dennoch, ein musikalischer Start wäre besser gewesen, um die wegen des schlechten Wetters nur spärlich anwesenden Zuschauer gleich ins Boot zu holen. Das gelingt nämlich, sobald der Song „Der Plan“ startet. Für die Kompositionen ist Engels zuständig: eine Mischung aus Rock und Liedermacher-Sound, mit Soul und Punk schräg angereichert – großartig. Calla ergänzt mit Sprechepisoden samt großem Sprachwitz, während Jankovic die beiden Künstlerinnen mit Gitarre erdet. Dass Engels die Gäste zum Mitsingen animiert, trägt zum allgemeinen Wohlempfinden bei. Und die schnoddrig charmante, improvisiert wirkende Grundstimmung des Trios lässt schmunzeln.

Callas „Ilse-Dörte, die Verschwörte“ entpuppt sich als coronakritische Homöopathie-Schwurblerin auf „Sohlenwanderung“ – angemessen mit zwei flauschigen Hand-Hausschuhen bestückt –, die ihre Erkenntnis aus der Schule des Lebens nimmt, gerne im „lichtdurchfluteten Bauwagen bei -35 Grad“. Callas Merkel-Parodie besticht insbesondere durch ausgeprägte Mimik. Schön auch Calla-Merkels Bild für Laschet: Wenn er Kanzler würde, sei das „wie das Haus von der Oma erben und nur das Häkeldeckchen wechseln“.

Ein großes Thema des Trios sind Frauen – und die ihnen von außen gesetzten Grenzen. Das reicht von Callas Gedicht über nackte Frauenkörper, die vorzugsweise auf den Seziertischen der Fernseh-Krimis landen, über einen Seitenhieb auf Dieter Nuhrs Gender-Phobie und anschließendem „feministischen Kampfsong“ bis hin zu Merz‘ Lernspiel: Calla darf üben, wie das so ist, mit dem „mitgemeint“. Vielleicht ‚er‘ und ‚in‘ generell weglassen, fragt sich Calla. Was dann aus Merz wird, ist unaussprechlich.

Nach rund eineinhalb Stunden geht das Veilchen baden: mit dem Umwelt-Song „Baden geh‘n“, für den sie einen Preis beim WWF-Kleinkunstwettbewerb „Am Fluss dahoam“ bekommen haben. Bei der Zugabe leben Engels und Calla noch ihre alberne Seite aus und machen sich akrobatisch sympathisch zum Affen. Bleibt zu wünschen, dass am 4. September bei den „Kulturschutzgebieten“ im Rathaus-Innenhof mehr Menschen den ‚schrägen Dreien‘ lauschen.

Der letzte Tag

Das „Veilchen“ war der Auftakt zum letzten Akt der „Holzwege“. Danach lasen Anna Münkel und Robert Valentin Hoffmann: Münkel eigene Gedichte über Handtaschen oder Sprünge ins kalte Nass, Hoffmann aus dem Dekameron von Oskar Maria Graf. Der Film „Könnte nicht mehr besser werden“ schloss die Kunstaktion. „Insgesamt war es ein großer Erfolg“, resümiert der Vorsitzende des veranstaltenden Vereins „Kunst hält Wache“ Franz Hartmann. Vor allem das DJ-Projekt am Samstagabend – einer wenigen ohne Regen – lockte viele Gäste zum Tanzen an. Aber auch die Ausstellung sei auf reges Interesse gestoßen. Essen gab‘s vom Dönerstand, Getränke hat der Verein organisiert.

Anna Münkel las eigene Gedichte, der Schauspieler Robert Valentin Hoffmann deklamierte in bayerischer Mundart aus dem Dekameron von Oskar Maria Graf.

Aber jetzt ist erst einmal Ausruhen angesagt: „Wir sind alle ziemlich müde“, sagt Hartmann. 16-Stunden-Tage – abends musste der bürokratische Teil der Arbeit erledigt werden – nagen an der Konstitution. Flexibilität und Improvisationsvermögen waren gefragt, wenn die Technik streikte oder neue Lösungen her mussten. Insgesamt sei das Projekt nur dank der vielen ehrenamtlichen Vereins-Helfer möglich gewesen.

Dennoch, auf den Gesichtern der Veranstalter ruhte am Sonntag ein zurecht zufriedenes Lächeln. Denn dass sich die Alte Wache als Ort für Kultur eignet – ein Ziel, das Hartmann und das Kulturbüro der Stadt Landsberg anstreben (der KREISBOTE berichtete) – hat sich durch die „Holzwege“ wieder einmal in bester Qualität bewiesen.
ks

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