Drei Auftritte in 24 Stunden

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Abschluss eines kurzweiligen Abends. Der Musikverein Denklingen mit Wolfgang Wagner am Dirigentenpult bei der Zugabe, der Polka „Böhmischer Diamant“.

Denklingen – Das ist allemal außergewöhnlich: Innerhalb von 24 Stunden hatte der Musikverein Denklingen gleich drei Auftritte. Auf das Gemeinschaftskonzert mit den Kameraden aus Blonhofen folgte am nächsten Morgen die Prozession am Palmsonntag und am Abend die musikalische Gestaltung beim Josefitag des CSU-Ortsverbandes.

Nächstes Jahr richtet der Musikverein Denklingen im Juni das Musikfest im Bezirk Lech-Ammersee aus. Enge Bande pflegt die Kapelle nach wie vor ins benachbarte Ostallgäu, dem die Gemeinde bis zur Landkreisreform 1972 auch angehörte. Bestes Beispiel dafür war das Gemeinschaftskonzert mit der Musikkapelle aus Blonhofen, zu dem 300 Besucher in die Sporthalle kamen. Dieses Konzert wird übrigens am Ostersonntag, 27. März, im Stadltheater in Blonhofen wiederholt.

13 Kilometer liegen die beiden Ortschaften auseinander – mit einem großen Waldgebiet dazwischen, das seit 40 Jahren der Grenzverlauf zwischen Schwaben und Oberbayern ist. Beim Gemeinschaftskonzert wurde jedoch das Verbindende betont. Und da gibt es außer der Musik noch ein paar – familiäre – Bande. Der Dirigent der Denklinger, Wolfgang Wagner, ist mit seiner Frau Verena verheiratet. Beide wohnen in Blonhofen, seine Frau spielt in der Blonhofener Kapelle Flöte und Piccolo. Eine Klarinettistin aus Denklingen, Sandra Linder, ist mit Markus Thaller befreundet. Er ist seit vier Jahren Dirigent in Blonhofen. Und die charmante Moderatorin von Blonhofen. Die 22-jährige Katharina Zitt, hat einen Freund aus Denklingen, der Fußballer ist. Was der Denklinger Ansager Andreas Frieß prompt zu dem Ausspruch veranlasste, dass man so auch Fußballer ins Konzert der Blaskapelle brächte.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass beide Kapellen von professionellen Musikern geleitet werden. Markus Thaller ist Dirigent in Blonhofen, aber auch in Roßhaupten und neuerdings in Füssen. Wolfgang Wagner, seit acht Jahren am Pult bei den Denklingern, hat auch die Stadtkapelle in Kaufbeuren und zudem die Tänzelfestknabenkapelle. Beide Kapellmeister haben ihren Klangkörper gut im Griff und rhythmisch gut geschult. Im Dirigat freilich unterscheiden sich Thaller (Anfang 30) und Wagner (Anfang 50) deutlich. Der Blonhofener legt da bisweilen große Gestik an den Tag. Viel Ruhe am Dirigentenpult strahlt der erfahrene Musiker der Denklinger aus. Die zwei Klangkörper haben – gut auf das Gemeinschaftskonzert abgestimmt – ein abwechslungsreiches Programm dargeboten.

Nach Konzertmarsch „Mit vollen Segeln und der Polka „In guter Laune“, bei der das Tenorhornregister noch indisponiert war, wussten die Blonhofener mit dem Solo „Déjà vu“ für Tuba (Matthias Ried) und mit der Filmmusik „Moment for Morricone“, in der die Klarinetten den Solopart butterweich interpretierten, ebenso zu gefallen wie im „Spanish Fever“ mit den präzisen Trompeteneinwürfen und mit dem Schlagzeugsolo. Die Denklinger spielten im zweiten Abschnitt neben Märschen und Polka die sinfonische Ouvertüre „Slovenia“, mit der sie heuer beim Wertungsspiel zum Musikfest antreten. Alfred Bösendorfer beschreibt darin die Emotionen und Landschaften Sloweniens, wo vor 25 Jahren der Bürgerkrieg wütete.

Beeindruckend – vom Dirigenten sicher geführt – ist der Pasa Doble „La Coronoa“ – wiederum feurige spanische Musik. Das Konzertstück „Belvedere“ (Schöne Aussicht) von Klaus Bruchmann bereicherte den Konzertabend, der mit dem „Castaldo-Nova“ von Rudolf Novacek (Marsch und Walzer in einem) sowie im Marsch „Semper fidelis“ seine Fortsetzung fand. Selbst in der zweiten Zugabe, der von Freek Meestrini geschriebenen Polka „Böhmischer Diamant“, war noch der Feinschliff erkennbar, den Dirigent Wolfgang Wagner am Klangkörper vorgenommen hat. Eines steht fest: Die Blonhofener werden als Kapelle wieder nach Denklingen kommen. Spätestens beim Musikfest im Juni 2017!

Johannes Jais

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