Gehörerziehung als Breitensport

Musikpädagoge Norbert Rentsch "doubelt" authentisch Klassik-Genies

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Der Dießener Musikpädagoge Norbert Rentsch in seiner Paraderolle als spaßiger Mozart am heimischen Klavier.

Dießen – Seinen 250. Geburtstag begeht in diesem Jahr Musikgenie Ludwig van Beethoven und wird natürlich gebührend gefeiert. Viel mehr als über die großen Events würde sich der Komponist aber ganz sicher über den begeisterten Gesang von Schulkindern freuen, die ihn mit dem „Ferkellied­chen“ aus der „Schönen Minka“ oder mit „Freude schöner Götterfunken“ das ganze Jahr über ein musikalisches Denkmal setzen. Schuld daran ist der Dießener Schauspieler und Musikpädagoge Norbert Rentsch (51), der mit seinem Klavier- und Mitmach-Theater „Santa“ nicht nur Beethoven, sondern auch Bach, Mozart und Schubert absolut authentisch aufleben lässt.

Seit 2004 bereist Norbert Rentsch Grundschulen in ganz Deutschland von Raisting bis Norderney, um „Gehörerziehung als quasi musikalischen Breitensport“ zu vermitteln. Das ganze sogar mit einer Empfehlung des Bayerischen Kultusministeriums: „Aus Überzeugung, unseren Grundschülern eine schulische und menschliche Bereicherung ihres Erfahrungsraumes eröffnen zu können.“

Zusammen mit seiner Bühnenpartnerin, der Schauspielerin und Theaterpädagogin Berivan Kaya, vermittelt Rentsch in vier verschiedenen Mitmach-Musiktheaterstücken die Schönheit und Botschaft der klassischen Musik von Bach, Mozart, Beethoven und Schubert.

Rentsch verkörpert jeweils voller Inbrunst die Komponisten live mit Klavier-, Orgel- oder Cembalo-Musik, natürlich in Original-Kostümen von anno dazumal. Seine Partnerin schlüpft in die Rollen von Bachs Frau Anna Magdalena, Mozarts Schwester Nannerl sowie Beethovens und später Schuberts Haushälterin Margarethe.

Damit man die Schülerinnen und Schüler der Grundschulklassen nicht überfordert, wird pro Gastspiel nur eines der Musikgenies für ein paar Stunden zum Leben erweckt. Dabei werden die Kids durch Singen und Bewegung aktiv in das Geschehen einbezogen, an die klassische Musik herangeführt und dabei in ihrem Rhythmusgefühl spielerisch geschult. Bei Bach wird zum Beispiel gemeinsam die Bauernkantate „Mir han e neue Oberkeet“ gesungen und bei Mozart gar Papagenos Arie „Der Vogelfänger bin ich ja“ aus der Zauberflöte. Tierisch wird es nicht nur bei Beethoven mit dem „Ferkelliedchen“, auch bei Schubert mit der „Forelle“.

Das Konzept kommt nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Lehrkräften an. So schrieb eine Lehrerin an der Grundschule Mainz: „Insbesondere die Kombination aus Bewegung und Musik fand ich sehr wohltuend und entspannend. Die Reaktionen der Kinder zeigten es Ihnen. Ihre Aufführung war ein voller Erfolg.“ Eine Lehrerin aus der Grundschule in Bissendorf ging noch weiter: „Lehrer und Eltern würden gerne öfter derartige gut durchdachte und kinderverständliche Stücke für ihre Kinder sehen.“ Wobei bei den Lehrern das Bach-Stück „Den Bachen geziemet Lachen“ am besten ankommt, bei den Kids dagegen das Mozart-Stück „Wolfgang und der Musikzwerg“. Rentsch verkörpert das liebenswert chaotisch-verrückte Wunderkind derart lebensecht, dass die jungen Zuschauer regelrecht in seinen Bann gezogen werden.

Fast täglich kommen Fanbriefe von Kindern im Oberen Albaner Weg in Dießen an. Kostprobe aus einem Schreiben von Tobias (7): „Lieber hoch geborener Herr Johann Sebastian Bach! Ich dätte mich ser freuen, wenn sie mir untericht geben würden. Weil ich ihre Musik superduper mega finde …“ Ein klarer Beweis, dass das musikpädagogische Konzept funktioniert. Jedenfalls wesentlich besser als der Deutschunterricht... Wer sich die Begeisterung der Kinder nicht vorstellen kann, sollte mal bei Youtube den Film „Beethoven mit der Schlafmütze“ anklicken.

Das Klavier- und Mitmach­theater Santa wurde 1994 von Balint Santa und Bärbel Ganster gegründet und hat mehr als 3.400 Aufführungen in 1.200 Schulen bundes- und europaweit absolviert. Seit 2004 ist Norbert Rentsch in das Konzept eingebunden und hat es 2014 komplett übernommen.

Sein beruflicher Werdegang in den drei Bereichen Schauspiel, Musik und Pädagogik erwies sich dabei als ideale Kombination. Rentsch wurde am renommierten Mozarteum in Salzburg ausgebildet und studierte zusätzlich Musik und Lehramt.

Ist er nicht mit seinem Klavier- und Mitmachtheater auf Achse, gibt er in Dießen Klavierunterricht. Und wenn er dabei besonders gut drauf ist, sogar verkleidet als Mozart. Gemäß seinem Lebensmotto: „Humor schadet nicht“.
Dieter Roettig

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