Es muss ja nicht die Glatze sein

Sie kommen nicht unbedingt mit Glatze, Springerstiefeln und Bomberjacke daher. Sie tauchen auch als freundliche „Kümmerer“ in Elternbeiräten, Vereinen und Freiwilligen Feuerwehren auf, gelangen über Bürgerinitiativen in kommunalpolitische Ämter. Die rechtsextreme Szene ist ebenso vielfältig wie ihre Versuche, ihr menschenverachtendes Gedankengut zu verbreiten. Über die aktuelle Lage informiert jetzt die Ausstellung „Rechtsradikalismus in Bayern“, die noch bis zum 29. Mai in der Landsberger Stadtbücherei im Lechstadel zu sehen ist.

Große, thematisch geordnete Schautafeln geben einen Überblick über die rechte Szene, ihre Strukturen, Strategien und Straftaten. „Wir stehen nicht am Anfang einer Entwicklung“, betonte stellvertretende Landrätin Ruth Sobotta (SPD) bei der Ausstellungseröffnung. „Rechtsextremismus ist virulent und stellt ein wachsendes Problem dar.“ Sie sorgt sich vor allem um das für rechte Parolen besonders empfängliche Klientel: Jugendliche ohne Sozialisierung und Zukunftsperspektiven. „Hier trägt die Gesellschaft eine große Verantwortung“, so Sobotta. „Wir dürfen nicht resignieren, sondern müssen Flagge zeigen.“ In Jugend investieren Die Verantwortung für die nachwachsende Generation be­tonte auch Horst Schmidt, Leiter des BayernForums der Friedrich-Ebert-Stiftung, die die Ausstellung organisiert hat. Deshalb dürften bei aller kommunalen Finanzmisere die Zuschüsse für die Jugendarbeit der Vereine nicht gekürzt werden - auch wenn viele Bürgermeister die Überzeugung vertreten, in der eigenen Gemeinde gebe es keine Rechtsextremen. „Es gibt sie eben doch, und wenn man herumfragt, erfährt man auch, in welchen Bauwagen sie sich treffen“, so Schmidt. Was aber tun, wenn einem tatsächlich Rechtsextremismus begegnet – im Alltag, vor der eigenen Haustür? Man solle nicht wegschauen, nicht bloß entsetzt sein und schon gar nicht die Betreffenden ausgrenzen, betont der Experte Schmidt. Vielmehr solle man versuchen, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Auf der anderen Seite sind klare Grenzen gefordert: die Polizei rufen, wenn in der S-Bahn rechte Lieder gegrölt werden, in Gegendemonstrationen auf die Straße gehen, Straftaten anzeigen und dann auch als Zeuge zur Verfügung stehen. Und eine Straftat ist nicht erst der Brand­anschlag auf Migranten, sondern beginnt bereits beim Tragen rechtsextremer Symbole. Dazu gehören zum Beispiel die „schwarzen Sonne“, das Keltenkreuz und germanische Runen. Auch T-Shirts mit dem scheinbar harmlosen Aufdruck eines Adlers, der einen Fisch greift, haben eine verborgene rechtsradikale Bedeutung: der deutsche Adler schlägt die durch den Fisch symbolisierte christliche Kirche. Oliver Wild vom Landsberger Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus kündigte an, das inzwischen von einem Förderverein unterstützte Bündnis werde nach zwei sehr erfolgreichen Demonstrationen in den vergangenen beiden Jahren auch weiterhin in Erscheinung treten, unter anderem mit einer großen Veranstaltung Ende des Jahres. Denn, so Wild, „wir haben auch im Landkreis eine Art rechte Szene“.

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